Umfrage Sachsen-Anhalter fordern: Schutz des Wolfs sollte auf den Prüfstand

Wie stehen die Sachsen-Anhalter zum Wolf? Das wollte die CDU-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt wissen und hat deshalb gleich zwei Umfragen gestartet. Nun liegen die Ergebnisse vor. Und die zeigen: Ein Großteil der Sachsen-Anhalter will, dass der strenge Schutzstatus des Wolfs auf den Prüfstand kommt. Was bedeutet das? Und was will die CDU daraus ableiten? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wolfsrudel mit Nachwuchs im Wald.
Wie weiter mit dem Wolf? Darüber wird in Sachsen-Anhalt immer wieder gestritten. (Archivfoto) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Wolf ist in Europa streng geschützt – und das erhitzt immer wieder die Gemüter, auch in Sachsen-Anhalt. Aufregung gibt es meist dann, wenn bei einem Wolfsangriff Schafe oder Rinder getötet werden.

Die CDU im Landtag hat den Zoff um den Wolf wenige Wochen vor der Wahl zum Anlass für ein Stimmungsbild genommen. Die Christdemokraten wollten bei einer Umfrage wissen, wie Sachsen-Anhalt zum Wolf steht – und was das für die Landespolitik bedeutet. Schließlich sorgt der Wolf und der richtige Umgang mit ihm auch zwischen den Parteien im Parlament immer wieder für Streit und Diskussionen.

Was zeigen die Ergebnisse der Umfrage?

Zunächst ist wichtig zu wissen, dass die CDU gleich zwei Meinungsumfragen gestartet hat – einmal online, einmal erhoben vom Meinungsforschungsinstitut dimap. Die folgenden Ergebnisse beziehen sich auf die Umfrage von dimap.

Der inhaltlich sicher stärkste Befund zeigt, dass eine große Mehrheit der Sachsen-Anhalter der Meinung ist, dass der strenge Schutz des Wolfes auf den Prüfstand sollte. Dafür haben sich bei der Befragung gut 80 Prozent ausgesprochen. Bislang ist der Wolf durch europäisches Recht – genauer die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie – streng geschützt, nur in Ausnahmefällen darf auf ihn geschossen werden. Das regelt in Sachsen-Anhalt die "Leitlinie Wolf" des Landes. Allerdings: Selbst wenn über eine Aufweichung des strengen Wolfsschutzes Konsens in Sachsen-Anhalt bestehen würde – diese Entscheidung kann nur auf europäischer Ebene getroffen werden.

Ein weiteres Ergebnis der Umfrage zeigt, dass etwas mehr als der Hälfte der Sachsen-Anhalter die Wiederansiedlung des Wolfs "eher wichtig" bis "sehr wichtig" ist.

Ebenfalls interessant: Der dimap-Befragung zufolge traut fast ein Drittel der Sachsen-Anhalter keiner Fraktion im Landtag zu, den richtigen Umgang mit dem Wolf zu finden. Am ehesten werden mit 19 Prozent die Grünen in der Lage gesehen, dafür zu sorgen, gefolgt von der CDU mit elf Prozent.

Wie viele Menschen haben mitgemacht?

Für die repräsentative Umfrage hat Infratest dimap insgesamt 1.003 Menschen in Sachsen-Anhalt befragt. Die Meinungen wurden zwischen dem 3. und 15. April erhoben.

An der Online-Umfrage der CDU haben sich einer Partei-Sprecherin zufolge rund 5.000 Menschen beteiligt. Die Online-Umfrage ist im Gegensatz zum Stimmungsbild von dimap allerdings nicht repräsentativ. Wie die Fraktion am Mittwoch weiter mitteilte, unterscheiden sich die Ergebnisse beider Umfragen allerdings nur bedingt. Bei der Online-Umfrage sei aber erkennbar gewesen, dass vor allem diejenigen mitgemacht haben, die bereits eine vorgefertigte Meinung zum Wolf haben – egal, ob nun positiv oder negativ.

Schutz vor dem Wolf: Wie das Land den Herdenschutz fördert

Wer in Sachsen-Anhalt Nutztiere wie Schafe oder Rinder hält, kann sich den Schutz der Herde seit dem vergangenen Wochenende zu 100 Prozent vom Land bezahlen lassen. Nach Angaben des Umweltministeriums lag die maximale Förderung des Landes für Herdenschutzhunde oder Schutzzäune zuvor bei lediglich 80 Prozent. Dass der Schutz nun komplett aus der Landeskasse bezahlt wird, war bereits einige Monate zuvor angekündigt worden.

Landwirte hatten in der Vergangenheit allerdings die bürokratischen Hürden beklagt, die im Vorfeld einer Förderung genommen werden müssen.

Warum hat die CDU die Umfrage eigentlich gestartet?

Ist der Wolf in Stadt und Land willkommen? Wie sollte Natur- und Artenschutz aussehen? Fragen wie diese standen für die CDU nach eigenen Angaben im Mittelpunkt, als Anfang April die Umfrage "Stadt Land Wolf" online ging. Man wolle eine Bestandsaufnahme machen und die Bevölkerung mitnehmen, hieß es. Der Staat sei in der Lage, sein Handeln auf wissenschaftlicher Grundlage zu steuern.

Welche Schlüsse zieht die CDU aus der Umfrage?

"Es braucht ein Wolfsmanagement", befand bei der Präsentation der Umfrageergebnisse am Mittwoch der CDU-Abgeordnete Detlef Gürth. Das finde aktuell nicht statt. "Wir beobachten nur und zahlen", kritisierte Gürth. "Das ist kein Management." Ein gutes Wolfsmanagement bedeute, den aktuellen Wolfsbestand zu benennen und ihn zu begrenzen, betonte auch der Wolfsexperte Michael Stubbe von der Gesellschaft für Wildtier- und Jagdforschung in Halle.

Um ein Wolfsmanagement aufzubauen, will Sachsen-Anhalts CDU auch von den Erfahrungen anderer EU-Staaten profitieren. In denen ist der Wolf schließlich auch streng geschützt – und dennoch leben beispielsweise in Schweden auf größerer Fläche und bei deutlich weniger Einwohnern als in Deutschland deutlich weniger Wölfe. Für Deutschland gehen Experten von einer Wolfspopulation von etwa 1.000 aus, in Schweden sind es demnach etwa 370.

Und wie geht es jetzt weiter?

Die CDU hat angekündigt, die Ergebnisse der Umfrage in ihre Arbeit im Landtag einfließen zu lassen. Unabhängig davon werden kommendes Wochenende in Halberstadt zahlreiche internationale Wolfsexperten erwartet. Sie wollen bei einem Symposium mit dem Titel "Der Wolf in Europa – Utopie und Wirklichkeit" beraten, wie ein guter Umgang mit dem Wolf gelingen kann. Dazu hat die Gesellschaft für Wildtier- und Jagdforschung eingeladen. Im Anschluss an das Symposium will die Sachsen-Anhalt-CDU gemeinsam mit anderen Landesverbänden und Fraktionen der Partei ein Positionspapier zum richtigen Umgang mit dem Wolf veröffentlichen.

So viele Wölfe leben in Sachsen-Anhalt In Sachsen-Anhalt leben aktuell mindestens 92 Wölfe. Das steht im Monitoringbericht des Wolfskompetenzzentrums in Iden, das die Zahl der Raubtiere beim sogenannten Wolfsmonitoring erhebt. Im abgelaufenen Wolfsjahr (1. Mai bis 30. April) wurden außerdem 56 Übergriffe auf Nutztierherden gezählt, dabei wurden 174 Tiere wie Schafe und Rinder getötet. Dieses Jahr wurden bis Mitte April sieben Angriffe registriert, bei denen 45 Tiere starben.

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR S-ANHALT | FAKT IST! aus Magdeburg | 29. April 2019 | 22:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. April 2019, 09:14 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

25 Kommentare

26.04.2019 21:17 Sascha10 25

Also zur klarstellung der wolf ist nicht automatisch nur weil es dieselbe art ist ein hund. Der hund ist ein nicht erwachsen gewordener wolf und seinem herren hoerig. Im gegensatz zum wolf kaeme der hund niemals auf idee einen menschen zu toeten um ihn zu fressen. Hunde beissen zu aus aggression oder angst, der wolf auch weil er toeten will um zu fressen, das ist der unterschied. Der wolf ist erwachsen , der hund ein kind.

26.04.2019 15:08 Dorfbewohner 24

“Jan 22

@ Dorfbewohner 21
Vielen Dank für den Hinweis mit den welweiten Wolfsopfern. Das liest sich sehr interessant.
Haben Sie auch so einen Hinweis für die Hundeangriffe auf den Menschen? (Deutschland reicht hier vollkommen aus :-)...”

Nun bringen Sie aber etwas durcheinander!

Der Wolf ist ein Raubtier, Hunde sind Haustiere, genauso wie Katzen..., also vom Menschen bewusst und gewollt dazu herangezogen, sich in ihrem nahen Umfeld aufzuhalten und ihnen dienlich zu sein. Merken Sie den kleinen Unterschied?

Im übrigen bezog sich sich der Verweis auf die Wolfsangriffe als Angriffe von Raubtieren auf die Behauptung der Nr.16, ich darf zitieren: “...Habe nirgendwo gelesen, dass der Wolf einen Menschen getötet hat…”.

Und diese Behauptung ist schlicht und ergreifend ganz einfach falsch!

26.04.2019 14:47 Sachse43 23

Das kontrollierte Abknallen ist der einzig wirksame Schutz gegen den Aggressor.

Mehr aus Sachsen-Anhalt