Stempel "Wegen Lehrermangels nicht unterrichtet" in einem Zeugnis
Ein Volksbegehren will mehr Lehrer für Sachsen-Anhalts Schulen. (Symbolbild) Bildrechte: imago/Sven Simon

Unterrichtsqualität Volksbegehren für mehr Lehrer: Tullner befürchtet Schulschließungen

Sachsen-Anhalts Bildungsminister Tullner befürchtet Schulschließungen, wenn ein geplantes Volksbegehren für mehr Lehrer Erfolg haben sollte. Denn einige Schulen könnten den geforderten Personalschlüssel nicht erfüllen. Außerdem sieht er die Unterrichtsqualität gefährdet.

Stempel "Wegen Lehrermangels nicht unterrichtet" in einem Zeugnis
Ein Volksbegehren will mehr Lehrer für Sachsen-Anhalts Schulen. (Symbolbild) Bildrechte: imago/Sven Simon

Nachdem Sachsen-Anhalts Landesregierung das Volksbegehren für mehr Lehrer gebilligt hat, hält Bildungsminister Marco Tullner (CDU) Schulschließungen für möglich. Der Grund: Mit dem Volksbegehren soll im kommenden Jahr ein gesetzlicher Personalschlüssel für Lehrer durchgesetzt werden. Das heißt, dass dann für eine bestimmte Anzahl Schüler eine bestimmte Anzahl Lehrer bereitstehen müssten.

Wenn aber bestimmte Gemeinden diesen Schlüssel in absehbarer Zeit nicht erfüllen können, wäre die Konsequenz, stärkere Einheiten, also Schulen mit ausreichendem Personalschlüssel, weiter auszubauen, erklärte Tullner MDR SACHSEN-ANHALT. Das könnte zur Schließung von Standorten führen.

Personalschlüssel löst Lehrermangel nicht

Tullner glaubt nicht, dass sich mit dem Personalschlüssel der Lehrermangel beseitigen ließe. Er sagte der Volkstimme: "Wir haben nicht zu wenig Stellen oder Geld, sondern zu wenig Bewerber." In diesem Jahr hat das Land etwa 900 Stellen für Lehrer ausgeschrieben und 2018 bereits etwas mehr als 1.000 Lehrer eingestellt. Doch zum Schuljahresbeginn im August waren noch Stellen unbesetzt.

Tullner: Unterrichtsqualität darf nicht leiden

Ein weiterer Punkt, der für Tullner mit dem Volksbegehren einhergeht, ist die Qualitätsdebatte. Tullner sagte MDR SACHSEN-ANHALT, es gehe vor allem um die Frage, wie man schnell neue und junge Kollegen ins Schulsystem bringt, ohne dass die Qualität darunter leide.

Es sei wichtig, dass Kollegen ins Schulsystem kommen, die den Schülern auch etwas beibringen könnten und am Ende nicht nur eine Statistik erfüllten. Dies gelte vor allem für Schulen im ländlichen Raum, sagte Tullner: "Wenn wir jetzt die Stellenanzahl, die notwendig sein soll, noch erhöhen, wird das Problem ja noch verschärft." Laut Tullner müsse deshalb geschaut werden, wie Schulen in größeren Einheiten so organisiert werden, dass ein Mindestmaß an Qualität sichergestellt werden könne.

Volksbegehren beginnt im Januar

Das Volksbegehren für mehr Lehrer in Sachsen-Anhalt soll ab Januar beginnen. Hintergrund ist ein akuter Lehrermangel, besonders an Grundschulen. Ein Bündnis aus Schülern, Eltern, Linkspartei und Gewerkschaften will dann in einem halben Jahr rund 170.000 Unterschriften sammeln, damit der Gesetzentwurf im Landtag beraten wird. Die Organisatoren wollen erreichen, dass künftig anhand der Schülerzahl mit einem festen Schlüssel berechnet wird, wie viele Lehrer bereitstehen müssen.

Das Bildungsministerium schätzt, dass im Falle eines erfolgreichen Volksbegehrens sofort zusätzlich 3.500 Vollzeitkräfte eingestellt werden müssten. Das würde pro Jahr zu Extrakosten im dreistelligen Millionenbereich führen, schätzen Bildungs- und Finanzministerium.

Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 14. November 2019 | 08:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. November 2019, 11:06 Uhr

3 Kommentare

Hans Frieder leistner vor 4 Wochen

Deutschland zahlt den größten Betrag in der EU. Frau Bundeskanzler reist überall herum und verteilt unser Steuergeld. Aber für die eigene Jugend wird nicht gesorgt. Der französische Präsident war in China und brachte für 15 Milliarden€ Aufträge für Frankreichs Industrie mit. Frau Merkel war in Indien. Was kam als Erfolg dabei raus?

Anhaltiner vor 4 Wochen

Sachsen-Anhalts Bildungsminister Tullner befürchtet Schulschließungen, wenn ein geplantes Volksbegehren für mehr Lehrer Erfolg haben sollte.Das Bildungsministerium schätzt, dass im Falle eines erfolgreichen Volksbegehrens sofort zusätzlich 3.500 Vollzeitkräfte eingestellt werden müssten. Er,Tullner weis es doch erst seit gestern. Wie wird man eigentlich Bildungsminister ?

Ichich vor 4 Wochen

Der Lehrermangel ist aus migrationspolitischen Gründen selbst konstruiert.
Man könnte problemlos Lehrer aus Mittel- und Osteuropa anwerben. Wer glaubt, hier lägen Qualitätsunterschiede vor, der sollte darauf hingewiesen werden, daß bei Schultest wie TIMMS Deutschland bereits hinter Portugal, Litauen und Bulgarien liegt.
Um sich aber - sagen wir mal: gefällige - Lehrerkollegien zu halten, wird darauf verzichtet. Denn ohne "Lehrermangel" wären die permanenten zusätzlichen Sahnestückchen wie die höchsten Lehrergehälter in Europa, die Verbeamtung nicht möglich.

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