Ministerium sichert Millionen zu "Da schmerzt einem das Herz": Lösungen gegen das Baumsterben gesucht

In Sachsen-Anhalt gibt es mehr als 530.000 Hektar Wald. Viele Wälder sind in einem katastrophalen Zustand, klagen die Waldbesitzer – und hoffen auf Unterstützung von der Politik. Die sagt Hilfe in Millionenhöhe zu. Das allein wird aber wohl nicht ausreichen.

Waldsterben wegen Hitze, Stürmen und Borkenkäfer
Dem Wald geht es schlecht. Waldbesitzer in Sachsen-Anhalt wollen nun beraten, wie sich die Lage endlich verbessern kann. (Symbolbild) Bildrechte: Simank Film

Waldbesitzer aus Sachsen-Anhalt treffen sich am Sonnabend, um über Lösungen gegen das Waldsterben zu beraten. Der Waldbesitzerverband hat zur Jahreshauptversammlung geladen. Die Lage sei ernst, sagte im Vorfeld Verbandsgeschäftsführer Ehlert Natzke: "Es wird nicht mehr lange dauern, dann gibt es keine Fichten mehr." Trockenheit und Stürme hätten den Wäldern stark zugesetzt und sie geschwächt, sagte Natzke. Der Borkenkäfer, der es auf Fichten abgesehen habe, habe da leichtes Spiel. Der Käfer befällt in der Regel alte und geschwächte Bäume. Dem Verband zufolge schreitet das Massensterben der Fichtenwälder somit weiter voran.

Abgestorbene Bäume 1 min
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Do 18.07.2019 15:34Uhr 00:48 min

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Sachsen-Anhalts Umweltministerin Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen) hat Millionenhilfen zugesagt. Dalbert sagte, die Auswirkungen von Stürmen und Dürre seien dramatisch. Die Wälder seien das erste Opfer der Klimakrise. Ihr Haus unterstütze die privaten Waldbesitzer unter anderem mit Fördergeld. So solle das Schadholz aus den Wäldern geholt werden, anschließend gehe es ans Wiederaufforsten. Für dieses Jahr stünden 17 Millionen Euro bereit.

Wie das Umweltministerium helfen will

Sachsen-Anhalts Umweltministerium will den Waldbesitzer unter anderem beim Wegräumen und der Lagerung von Schadholz helfen. Außerdem ist nach Angaben von Ministerin Dalbert Hilfe für den Umbau des Waldes hin zu klimastabilen Mischwäldern und den Ausbau von Forstwegen geplant. Für die ersten beiden Punkte seien bis September knapp sechs Millionen Euro bewilligt und rund fünf Millionen Euro ausgezahlt worden. Für den Aufbau der Mischwälder seien schon knapp 1,9 Millionen Euro ausgezahlt.

Was den Waldbesitzern ebenfalls Sorge bereitet: Überall liegt Totholz herum. Damit lasse sich aber kein Geld verdienen, sagte Ehlert Natzke. Der Markt sei komplett eingebrochen. Somit bleibe den Waldbesitzern oft nichts anderes übrig, als tatenlos zuzuschauen, wie das Holz verfaule. Für das Klima sei das katastrophal, erklärte Natzke. Beim Verfaulen des Holzes werde Kohlenstoffdioxid freigesetzt.

Da schmerzt einem das Herz.

Ehlert Natzke Geschäftsführer des Waldbesitzerverbands Sachsen-Anhalt

Bei dem Treffen der Waldbesitzer am Sonnabend soll es deshalb auch um die Frage gehen, was mit den Totholz geschieht. Eine Option sei, abgestorbenen Bäume in Holzheizanlagen zu werfen. In ihnen ist bislang nur Kohle verbrannt worden. Auf diese Weise könne man Energie gewinnen, sagte Verbandsgeschäftsführer Natzke. Eine andere Option sei, das tote Holz mit modernen Methoden chemisch zu verwerten. Die Waldbesitzer wollen außerdem beraten, verstärkt strapazierfähige Bäume wie die Douglasie zu pflanzen.

In Zahlen: Der Wald in Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt gibt es mehr als 530.000 Hektar Waldfläche – etwas mehr als die Hälfte in Privatbesitz. Insgesamt gibt es im Land rund 52.000 Waldbesitzer. 58 Prozent des Waldes sind Nadelwald, 42 Prozent Laubwald.

Quelle: MDR, dpa/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 19. September 2020 | 10:00 Uhr

12 Kommentare

H.E. vor 5 Wochen

@Harzbiker
Ich weiß nicht, ob früher Tannen im Harz waren?
Der Schwarzwald hat jedenfalls das gleiche Problem. Man hat aus wirtschaftlichen Gründen den Tiefwurzler TANNE gegen den Flachwurzler FICHTE seinerzeit getauscht, weil man sich mehr Profit versprach und nun ist natürlich das Gejammere der Waldbesitzer groß, aber von der ehemaligen Gewinnmaximierung will man heute nichts mehr wissen und hält wieder die Hand auf beim Steuerzahler.

Harzbiker vor 5 Wochen

ElBuffo dann solltest du dir einmal bitte den Harz anschauen und vielleicht ändert sich deine Meinung dazu. Wo ich vor zwei Jahren noch mit dem Mountainbike durch schöne Fichtenwälder gefahren bin ist heute alles tot und hat mit Gewinn gar nichts zu tun, sondern nur mit Verlust für uns alle.

THOMAS H vor 5 Wochen

wer auch immer: Und deshalb gibt es den Spruch:
DER MENSCH BRAUCHT DIE NATUR, DIE NATUR ABER NICHT DEN MENSCHEN!
Erst wenn die Menschen es wieder begreifen, die Natur vor der eigenen Haustür nicht zu zerstören (z. B. 4-5 malige "Grünflächenrodungen" in den Wohngebieten), in jedem Garten eine größere Blühpflanzenfläche angelegt und für jeden gefällten Baum (egal welche Art) Ersatzpflanzungen (unter Beachtung der zunehmenden Trockenheit) erfolgen müssen, wird sich etwas ändern.
ES MUSS JEDOCH UMGEHEND DAMIT BEGONNEN WERDEN.

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