Gesetzentwurf vom Bundesumweltministerium Umweltministerin Dalbert gegen erleichterten Wolf-Abschuss

Die Bundesregierung hat am Mittwoch beschlossen, dass einzelne Wölfe eines Rudels leichter abgeschossen werden dürfen. Sachsen-Anhalts Umweltministerin sieht den Beschluss kritisch.

Im Natur- und Umweltpark in Güstrow ist am 10.02.2011 ein Rudel Wölfe unterwegs.
Ein Gesetzentwurf sieht vor, dass einzelne Wölfe eines Rudels nach einem Angriff auf Nutztiere leichter geschossen werden dürfen. Bildrechte: dpa

Am Mittwoch hat die Bundesregierung einer Gesetzesänderung zugestimmt, die einen vereinfachten Abschuss von Wölfen erlaubt. Agrar- und Umweltministerin Claudia Dalbert (Die Grünen) kritisierte die Änderung im Vorfeld. Dalbert sagte MDR SACHSEN-ANHALT zu dem Gesetzentwurf von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD): "Dafür gibt es überhaupt keine Notwendigkeit. Alles was geregelt werden muss, ist bereits geregelt."

In dem Entwurf von Bundesumweltministerin Schulze steht, dass einzelne Wölfe eines Rudels auch dann getötet werden können, wenn Tierhaltern durch die Wölfe "ernste Schäden" drohen. Bislang ist das nur erlaubt, wenn die Belastung durch den Wolf die Existenz der Tierhalter gefährdet. Zudem dürfen einzelne Wölfe eines Rudels geschossen werden, wobei es sich nicht unbedingt um das Tier handeln muss, das gebissen hat. Es können so lange Tiere geschossen werden, bis es keine Schäden mehr gibt – auch wenn dadurch ein ganzes Wolfsrudel getötet wird.

Der Bundestag muss die Gesetzesänderung noch beraten. Außerdem müssen in jedem Fall die zuständigen Landesbehörden einen Abschuss genehmigen. Für den Abschuss soll es zeitliche und räumliche Grenzen geben.

Dalbert: Gesetz wäre erster Schritt, Schutzstatus zu unterwandern

Wolf
Dalbert will, dass nur einzelne Problemwölfe geschossen werden dürfen. Bildrechte: Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen/ Stefan Seidel

Für Umweltministerin Dalbert ist das Gesetz ein Unding: "Man kann ein individualisiertes Tier entnehmen, wenn es wiederholt wolfssichere Zäune überwunden hat. Einen Wolf, der wiederholt gut geschützte Herden angreift, muss man entnehmen können." Dabei gehe es nicht nur um die Menschen, sondern auch um die Weidetiere. "Aber es muss eben ein identifizierter Wolf sein. Ich bin gegen Sippenhaft", so Dalbert weiter. Wenn das Gesetz so komme, wäre das ein erster Schritt, den strengen europäischen Schutzstatus des Wolfes zu unterlaufen.

Der Landwirtschaftsexperte der SPD, Jürgen Barth aus der Altmark, begrüßt dagegen die Pläne des Bundesumweltministeriums. Er sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Sachsen-Anhalt ist von Wolfsschäden ganz besonders betroffen. Es hat sich gezeigt, dass die bisher eingeleiteten Maßnahmen zum Teil nicht gegriffen haben." Es sei wichtig, dass Deutschland keinen Flickenteppich bekomme und nicht jedes Bundesland eigene Regelungen schaffe. Auch CDU-Landwirtschaftsexperte Bernhard Daldrup aus Blankenburg unterstützt den Vorstoß der Bundesumweltministerin.

Wolfspopulation in Sachsen-Anhalt Laut Landesamt für Umweltschutz gibt es in Sachsen-Anhalt derzeit 92 Wölfe, davon leben 88 in elf Rudeln. Im vergangenen Jahr wurden dem Wolf 56 Übergriffe zugeschrieben, bei denen 174 Schafe, Ziegen, Rinder und andere Tiere getötet wurden. 2019 weist die Statistik bisher neun Wolfsübergriffe mit 53 getöteten Tieren aus.

Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 22. Mai 2019 | 07:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Mai 2019, 09:05 Uhr

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32 Kommentare

25.05.2019 08:09 Börde13 32

Es ist schon erschreckend. Das Töten von Tieren als "Entnahme" zu bezeichnen. Solche solche Euphemisnen zeigen sehr deutlich, dass es hier um rein wirtschaftliche Interessen der Tierindustrie und der Politik geht.

Nicht mal eine ehrliche Sprache bekommt die Politik hin.

Im Land der Glyphosatbauern und industriellen Massentierhaltung ist aber auch nichts anderes zu erwarten gewesen.

Steckt das Geld endlich die ökologische Landwirtschaft, in den Tierschutz und gerne auch in den Herdenschutz und hört auf den es den umweltzerstörenden industriell arbeitenden Verbänden und Großbetrieben in den Hintern zu schieben. Dann schärft sich auch der Blick für unsere Umwelt. Was Frau Dalbert da sagt hat durchaus Hand und Fuß.

24.05.2019 17:59 Cantulus 31

@ 29, Das ist doch Käse, was Sie hier schreiben, aber großer! Ihre Existenz ist nur gefährdet, wenn Sie sich weigern, Ihre Tiere - wie es das Tierschutzgesetz vorschreibt, zu schützen. Wenn Sie Ihre Tiere ausreichend geschützt haben, zahlt der Staat, also ich, Ihren Schaden. Wie also soll Ihre Existenz gefährdet sein?!

24.05.2019 16:55 Erhard Liedl 30

Eine Frau mit Vernunft! Sie hat sicherlich erkannt, dass unser Ökosystem den Wolf braucht und es besser wäre, wenn der Mensch nicht ständig der Natur ins Handwerk pfuschen würde. Das gilt auch für die Verwendung von Insektiziden.
Die schlimmste Bestie ist der Mensch, der sich anmaßt zu glauben, dazu berufen zu sein, Gott gleich darüber zu entscheiden, welche Kreatur ein Recht hat, in Gottes Welt zu leben und welche nicht!