Arbeitsmarkt Immer mehr Beschäftigte aus Polen und dem Baltikum

Auf dem Arbeitsmarkt fehlen Fachkräfte – das ist nicht neu. Neue Zahlen zeigen allerdings: Ohne EU-Ausländer wäre die Lage wohl noch drastischer. Die Zahl der Menschen, die zum Beispiel aus Polen kommen und in Sachsen-Anhalt einen Job übernehmen, wächst. Die Bundesagentur für Arbeit meint sogar: Ohne EU-Ausländer geht es nicht. Dazu Fragen und Antworten.

In Sachsen-Anhalt arbeiten immer mehr Menschen aus anderen EU-Staaten in sozialversicherungspflichtigen Jobs. Das zeigen Zahlen der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit. Kay Senius, Chef der Regionaldirektion für Sachsen-Anhalt, sagte, die Menschen aus Polen oder dem Baltikum seien eine wichtige Stütze der Wirtschaft. "Sie werden als Fachkräfte immer bedeutsamer."

Wie viele EU-Ausländer arbeiten in Sachsen-Anhalt?

Im September 2018 waren es den Zahlen zufolge rund 18.000 Menschen. Das entspricht 2,2 Prozent aller etwa 809.100 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Sachsen-Anhalt. Übrigens: Der große Teil der Beschäftigten aus anderen EU-Staaten (mehr als 15.000) kommt aus den osteuropäischen Staaten, die vor 15 Jahren der Europäischen Union beigetreten sind – mehr als 8.000 allein aus Polen.

Wie haben die Zahlen sich entwickelt?

Ziemlich rasant, und zwar nach oben. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus anderen EU-Ländern ist innerhalb eines Jahres um mehr als 13 Prozent gewachsen – auf die oben schon genannten rund 18.000 Beschäftigten, die im September vorigen Jahres erfasst wurden. Blickt man auf die Zahlen von vor fünf Jahren, ist die Entwicklung noch deutlicher zu sehen: Damals wurden rund 6.900 Beschäftigte gezählt. Heute sind es knapp dreimal so viele.

Kay Senius während eines Gesprächs
Bildrechte: MDR/Karina Hessland-Wissel

Menschen aus Polen [...] oder den baltischen Staaten sind nicht mehr aus Unternehmen in Sachsen-Anhalt wegzudenken.

Kay Senius, Bundesagentur für Arbeit

Warum ist das wichtig?

Kay Senius von der Bundesagentur für Arbeit betont: "Menschen aus Polen, Ungarn, Tschechien, der Slowakei oder den baltischen Staaten sind nicht mehr aus Unternehmen in Sachsen-Anhalt wegzudenken." Ein Grund dafür: Der demographische Wandel schlägt auch auf dem Arbeitsmarkt zu Grunde. So ist die Zahl der deutschen Beschäftigten zwischen 2017 und 2018 um 0,1 Prozent zurückgegangen. Ein Mangel an Arbeitskräften ist die Folge.

In welchen Jobs arbeiten die EU-Ausländer?

Knapp jeder fünfte von ihnen ist im sogenannten verarbeitenden Gewerbe beschäftigt, macht also zum Beispiel aus Rohstoffen Endprodukte. Knapp 18 Prozent der EU-Ausländer arbeiten in Lagern oder im Bereich Verkehr, gut elf Prozent auf dem Bau. Kay Senius: "Mehr als die Hälfte der in Sachsen-Anhalt beschäftigten EU-Ausländer sind Fachkräfte." Außerdem seien sie in Helferjobs oder als Zeitarbeiter im Einsatz.

Und wie sieht es in Thüringen aus?

Zur Regionaldirektion Sachsen-Anhalt/Thüringen gehört – der Name verrät es schon – auch Thüringen. Dort ist die Zahl der EU-Ausländer auf dem Arbeitsmarkt noch stärker gestiegen als in Sachsen-Anhalt, innerhalb eines Jahres um fast 20 Prozent. Im September 2018 haben in Thüringen demnach rund 26.400 EU-Ausländer sozialversicherungspflichtig gearbeitet, das entsprach 3,2 Prozent aller dort Beschäftigten. Wissenswert: Auf dem gesamtdeutschen Arbeitsmarkt liegt der Anteil der EU-Ausländer bei 6,5 Prozent.

Quelle: MDR, dpa/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 11. Mai 2019 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Mai 2019, 18:30 Uhr

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22 Kommentare

13.05.2019 18:08 Leser 22

@21. Ordnung, Sauberkeit, Pünktlichkeit, eben soziale Werte zum Allgemeinwohl, nix Ellenbogen und "mach du mal ".

13.05.2019 16:44 Dorfbewohner 21

“Leser 19

...Alle haben noch DDR-Manieren. Und dazwischen die ersten Hartz-IV Empfänger…”

Werter Bergbaurentner,

um ihr Anmerk “DDR-Manieren” zu verstehen, bitte mal definieren.

13.05.2019 15:04 Normalo 20

@ 16 Ja klar hab ich die Glaubensrichtungen aufgezählt, hoffe auch niemanden vergessen und damit diskriminiert zu haben. Stellt sich allerdings immer noch die Frage welche Glaubenskämpfe Polen und Balten zu uns tragen von den in Ihrem Kommentar die Rede ist :) Fällt mir gar keiner ein schulterzuck
Danke auch für das Offenlegen Ihrer Finanzquellen. Mein Arbeitgeber bezahlt mich so gut dass ich Kommentare kostenlos schreibe ;)

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