Corona-Krise Tourismusbranche in Sachsen-Anhalt erholt sich langsam

Kevin Poweska
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Die Tourismusbranche in Sachsen-Anhalt erholt sich langsam wieder von der Corona-Krise. Das zeigen die neuesten Zahlen des Statistischen Landesamtes. Seit Juni geht es wieder aufwärts. Von Normalität ist die Branche aber noch weit entfernt.

Ein Campingplatz an einem Gewässer.
Ein Campingplatz im Harz. Der Harz ist ein touristisches Highlight in Sachsen-Anhalt. Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Der Sommer lässt die Tourismusbranche in Sachsen-Anhalt endlich wieder hoffen. Insgesamt seien die aktuellen Zahlen vom Juni ein Schritt in die richtige Richtung, sagt die Geschäftsführerin des Tourismusverband Sachsen Anhalt, Bärbel Schön, MDR SACHSEN-ANHALT. Es sei eine verhaltene Erholung im Land zu erkennen. "Es ist ein positiver Ausblick. Wir hatten mit drei Monaten zu kämpfen, die enorme Einschnitte mit sich gebracht haben. Von Mitte März bis Mitte Mai war es eine totale Flaute".

Trotz der positiven Entwicklungen im Juni ist der Weg zur Normalität noch weit: So gab es in diesem Juni 38 Prozent weniger Übernachtungen als noch im Juni 2019. Auch bei den Ankünften sind es im Vergleich zum Vorjahr 42 Prozent weniger. Bärbel Schön sagt, dass die Corona-Pandemie der gesamten Branche stark zusetze. "Mit diesem Rückgang verzeichnen wir einen herben Verlust, der die Branche an die Grenze des Belastbaren treibt."

Hintergründe und Aktuelles zum Coronavirus – unser Newsletter

In unserem Newsletter zur Corona-Lage in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fassen wir für Sie zusammen, was am Tag wichtig war und was für Sie morgen wichtig wird.

Das Corona-Daten-Update – montags bis freitags um 20 Uhr per Mail in Ihrem Postfach. Hier können Sie den Newsletter abonnieren.

Wieder mehr Übernachtungen

Sachsen-Anhalt hat weder Küsten noch Hochgebirge. Trotzdem sei die Lage im Tourismus derzeit recht gut, meint die Chefin des Tourismusverbandes. Würden Ferienwohnungen oder kleinere Pensionen bis zehn Betten in den aktuellen Zahlen mit berücksichtigt, wäre der Trend sogar noch positiver.

Die positive Entwicklung ist auch in den Zahlen nachzulesen: über 550.000 Übernachtungen im Juni im Vergleich zu weniger als 250.000 im Monat Mai. Generell haben sich die Zahlen der Ankünfte und Übernachtungen im Vergleich zum Mai mehr als verdoppelt.

Auslastung steigt wieder

Die Auslastung in den Unterkünften Sachsen-Anhalts zeigt ähnlich wie die der Ankünfte und Übernachtungen einen positiven Trend. Zwar ist sie mit 19,8 Prozent etwa bei der Hälfte vom Vorjahreswert, doch die Entwicklung im Verhältnis zu den Monaten April und Mai ist positiv.

So kommt der Wert für die Auslastung zustande

Bei dem Wert für die Auslastung der Schlafgelegenheiten kommt es auf die Zimmerstruktur der einzelnen Unterkünfte an.
Beispiel: Wenn ein Hotel nur Doppelzimmer anbietet und alle Doppelzimmer sind mit einer Person belegt, dann ist die Auslastung bei 50 Prozent – auch wenn eigentlich keine Zimmer mehr frei sind.
Der Wert wird bundesweit also nach möglichen Schlafplätzen erhoben und richtet sich nicht nach der Menge der angebotenen Zimmer.

Deutlich weniger Gäste aus dem Ausland

Problematisch für die Branche sind allerdings die fehlenden Gäste aus dem Ausland. Von März bis Juni haben nur etwas mehr als 60.000 ausländische Gäste in den Unterkünften Sachsen-Anhalts übernachtet. So viele waren es allein im Juni 2019.

Die Gäste aus dem Ausland verhalten sich wie die deutschen Gäste: Das Ausland wird gemieden – man fühlt sich in der Heimat einfach sicherer.

Bärbel Schön, Geschäftsführerin vom Tourismusverband Sachsen-Anhalt

Hinweis zur Grafik: Durch das Klicken auf "Weiter" können Sie auch den Vergleich der Ankünfte und Übernachtungen von Gästen aus dem Ausland für den Juni 2019/20 sehen.

Zukunkft des Tourismus von Pandemie-Entwicklung abhängig

Eine Prognose für die Zukunft wagt die Tourismusexpertin nicht. "Das hängt davon ab, wie sich die Pandemie weiterentwickelt, ob Weihnachtsmärkte und auch Kultur- oder Konzertveranstaltungen stattfinden können." Doch die verbleibenden Monate bis Jahresende allein werden wohl nicht mehr reichen, um die Verluste im Frühjahr zu kompensieren. Schön sagt:

Bärbel Schön
Bildrechte: Bärbel Schön

Wir haben das damals in den Hochwasserjahren gesehen – so einen Verlust über Monate gleicht man nicht im laufenden Jahr aus.

Bärbel Schön, Geschäftsführerin vom Tourismusverband Sachsen-Anhalt

Appell an Gäste und Gastgeber: Corona-Rückfall verhindern

Nach den ersten positiven Zahlen sei es umso wichtiger, dass Gäste und Gastgeber weiterhin diszipliniert mit den Hygiene- und Abstandsregeln umgehen, um einen Rückfall zu verhindern.

Das ist eine fatale Situation, die wir so noch nicht hatten. Aber wir müssen lernen, damit umzugehen und das noch eine ganze Weile.

Bärbel Schön, Geschäftsführerin vom Tourismusverband Sachsen-Anhalt

Die Folgen erneuter Schließungen mag sich die Geschäftsführerin des Tourismusverband Sachsen-Anhalts für ihre Branche jedenfalls nicht ausmalen. "Das würde viele Insolvenzen zur Folge haben", meint Bärbel Schön.

Kevin Poweska
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Kevin Poweska arbeitet trimedial im Funkhaus von MDR SACHSEN-ANHALT. Aktuell ist er im sechsten Semester seines Bachelor-Studiengangs Journalismus an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Während seines Studiums absolvierte er bereits ein Praktikum bei der Braunschweiger Zeitung.

In seiner Freizeit ist er gerne sportlich aktiv: Seine Hauptambitionen liegen in den Sportarten Basketball, Tennis und Fußball - aber auch da probiert er sich gerne immer wieder neu aus. Zudem ist er journalistisch sportlich voll dabei: Kevin Poweska führt einen Blog zu den Deutschen Tennisherren und steht dabei mit den Spielern für Postgame-Interviews in regem Kontakt.

Quelle: MDR/pow, jw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 18. August 2020 | 20:00 Uhr

0 Kommentare

Mehr aus Sachsen-Anhalt