Eine blaue Mautsäule an einer Bundesstraße erfasst einen Lkw.
Auf mehr als 2.200 Kilometern Bundesstraße in Sachsen-Anhalt wird seit Sonntag ist seit Sonntag die Lkw-Maut fällig (Archivfoto). Bildrechte: IMAGO

14 Cent pro Kilometer Lkw-Maut gilt jetzt auch auf Bundesstraßen

So manch einer hält die blauen Säulen entlang der Bundesstraßen in Sachsen-Anhalt für einen Blitzer. Die Säulen haben allerdings einen anderen Zweck: Sie sollen kontrollieren, ob auch jeder Lkw-Fahrer Maut gezahlt hat. Das nämlich ist seit Sonntag auch auf Bundesstraßen Pflicht. Während Städte und Gemeinden deshalb auf Entlastungen hoffen, kritisieren Spediteure steigende Kosten.

Eine blaue Mautsäule an einer Bundesstraße erfasst einen Lkw.
Auf mehr als 2.200 Kilometern Bundesstraße in Sachsen-Anhalt wird seit Sonntag ist seit Sonntag die Lkw-Maut fällig (Archivfoto). Bildrechte: IMAGO

Rollen durch Sachsen-Anhalts Dörfer und Städte künftig weniger Lkw? In Estedt bei Gardelegen hoffen sie darauf. Bis zu 2.000 Laster rollen täglich über die Bundesstraße 71 und damit mitten durch das Dorf, viele Anwohner sind genervt. Zu ihnen gehört auch Lothar Riedel. "Der Krach und die Geschwindigkeit sind einfach zu groß", sagte Riedel im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT. Hinzu kommt die Sorge, dass ein Lkw von der schmalen Straße abkommen und in eines der Häuser krachen könnte.

Mit auf Riedels Seite ist auch Margot Göbel, die für die Grünen im Stadtrat von Gardelegen sitzt und Mitglied der Bürgerinitiative B71 ist. Sie hofft, dass die neuen Regeln zur Lkw-Maut Vorteile für Estedt haben – und auf kurz oder lang weniger Laster durch das Dorf fahren. "Es wäre schön, wenn die Mautsäule genutzt würde, um festzustellen, welche Fahrzeuge regional sind und welche überregional. Die überregionalen Lkw sollen hier eigentlich nicht langfahren", so Göbel. Allerdings: Dafür sind die Säulen nach Angaben von Betreiber Toll Collect nicht vorgesehen.

Sie sollen lediglich kontrollieren, ob Unternehmen für ihren Lkw Maut gezahlt haben – und das auf mehr als 2.200 Kilometern Bundesstraße in Sachsen-Anhalt. Denn auch dort ist die Maut für Lkw seit Sonntag fällig. 48 blaue Mautsäulen wurden deshalb im Land aufgestellt. Dazu kommen mobile Kontrollen vom Bundesamt für Güterverkehr.

Was ist mit Müllautos?

Jürgen Leindecker
Jürgen Leindecker vom Städte- und Gemeindebund Bildrechte: MDR/Stephan Schulz

Sachsen-Anhalts Städte- und Gemeindebund rechnet deshalb mit einer Entlastung der Städte. Landesgeschäftsführer Jürgen Leindecker geht auch davon aus, dass die Schäden an Straßen sinken, wenn weniger Laster durch Städte und Dörfer rollen. Leindecker sagte MDR SACHSEN-ANHALT, dass das zwei Vorteile der neuen Mautbestimmung seien. Mögliche finanzielle Vorteile müsse man jedoch abwarten.

Geklärt werden muss nach Ansicht von Leindecker noch, ob kommunale Abfallentsorger von der Maut ausgenommen werden. "Anscheinend wurde vom Gesetzgeber vergessen, dass Müllautos technisch auch unter die Maut fallen", sagte Leindecker. Der Verband kommunaler Unternehmen habe sich deshalb an Bundestag und Bundesrat gewandt, um eine Ausnahmeregelung zu finden.

Da muss man abwarten, wohin die Reise geht.

Matthias Schollmeyer, Geschäftsführer vom Landesverband des Verkehrsgewerbes

Wenig begeistert von der neuen Maut-Regel sind dagegen viele Spediteure im Land. Sie erwarten erhebliche Mehrkosten. "Die Mehrkosten sind stark abhängig davon, wo die Unternehmen sitzen, welche Touren bedient werden", denkt Matthias Schollmeyer, Geschäftsführer im Landesverband des Verkehrsgewerbes. "Wer in Magdeburg sitzt und zum Beispiel über die A2 nach Hannover fährt, der hat eine andere Kostenstruktur, als beispielsweise jemand in der Altmark, wo die Mautkosten bisher nicht vorhanden waren." Man müsse abwarten, wohin die Reise gehe. Pro Kilometer werden im Schnitt künftig 14 Cent für Unternehmer fällig.

Dass einzelne Unternehmen bei ihren Touren jetzt auf kleine Landstraßen ausweichen, glaubt Schollmeyer allerdings nicht. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Unternehmen der Maut ausweichen, das ist unsinnig. So viele Ausweichstrecken gibt es auch gar nicht, da haben wir auch das Problem der Baustellen, das kann keine Alternative sein."

Zehnmal so viele Mautkilometer

Mit steigenden Kosten rechnet auch der Geschäftsführer des Speditionsunternehmens "Magdeburger Flitzer", Klaus Peter Kaiser. Die zusätzlichen Kosten würde Kaiser an seine Kunden weitergeben. "Wir müssen das zum Glück nicht kompensieren, sondern haben eine Vereinbarung mit unseren Kunden, dass wir das weitergeben können. Das wird in vollem Umfang auf den Verbraucher umgelegt." Was an Mehrkosten entstehe, könne niemand einfach auffangen. In den vergangenen Jahren habe sein Unternehmen jährlich etwa 7.000 Mautkilometer abgerechnet. Kaiser geht davon aus, dass sich diese Zahl verzehnfachen wird.

In Estedt bei Gardelegen hoffen sie dagegen, dass die Zahl sinkt – jedenfalls die der Lkw, die durch das Dorf fahren.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 30.06.2018 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/ld

Zuletzt aktualisiert: 01. Juli 2018, 10:43 Uhr

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13 Kommentare

02.07.2018 14:10 Sr.Raul 13

Prima, so bleibt alles schön im Fluss, der "Souverän" ist beschäftigt. Steigende Kosten-> steigende Preise->Tarifrunden->steigende Gehälter-> steigende... . Wenigsten etwas Konstanz im ganzen Wirrwarr, geht doch. Wenn wenigstens der Staat komplett kassieren würde aber nö, ist natürlich privat und so gibbet weniger. Toll...! Hach, Kapitalismus ist doch echt was Feines und immer schön sportlich in Bewegung bleiben!

02.07.2018 08:36 Ekkehard Kohfeld { selbst ernannter Jesus,Ziegelstein,MDR Donald [ (X) Notorischer Lügner ] } 12

@ Enrico Pelocke 11 Gute Sache. Endlich Gerechtigkeit. Wenn Güter auf der Schiene fahren, muß der Fahrweg schon seit Jahrzehnten mitbezahlt werden. Hoffentlich überlegen sich jetzt die Wirtschafter, wie man Verkehr einsparen oder auf die Bahn bringen kann.##Das glaube ich nun mal gar nicht 1. wird die Kosten der Verbraucher zahlen wie immer,und auf die Schien hat man das seid Jahrzehnten nicht geschafft wie wollen sie das mit so einer unzuverlässigen Einrichtung schaffen fragen sie mal die Pendler und Just-in-Time schon mal gar nicht.

02.07.2018 04:36 Enrico Pelocke 11

Gute Sache. Endlich Gerechtigkeit. Wenn Güter auf der Schiene fahren, muß der Fahrweg schon seit Jahrzehnten mitbezahlt werden. Hoffentlich überlegen sich jetzt die Wirtschafter, wie man Verkehr einsparen oder auf die Bahn bringen kann.