Eine blaue Mautsäule an einer Bundesstraße erfasst einen Lkw.
Seit dem 1. Juli 2018 müssen Transportunternehmen mehr Maut bezahlen. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO

Ein Jahr nach Einführung Warum die Lkw-Maut nicht nur Transportunternehmen belastet

Manche Unternehmen müssen seit der Einführung der Lkw-Maut auf Bundesstraßen 20 Mal mehr Mautgebühren bezahlen. So wird nicht nur der Transport teurer, sondern wahrscheinlich auch die Produkte für Verbraucher. Doch das ist nicht das einzige Problem des Transportgewerbes.

Eine blaue Mautsäule an einer Bundesstraße erfasst einen Lkw.
Seit dem 1. Juli 2018 müssen Transportunternehmen mehr Maut bezahlen. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO

Lkw-Fahrer müssen nun schon seit über einem Jahr auch auf Bundesstraßen Maut zahlen. Die großen blauen Mautsäulen blitzen alles und jeden, löschen die Bilder aber sofort wieder, wenn nicht-mautpflichtige Fahrzeuge fotografiert wurden.

Als die Maut im Juli 2018 eingeführt wurde, sorgten sich die Spediteure, dass ihre Arbeit durch die Maut deutlich teurer werden würde. Ein Jahr nach Einführung der neuen Regelung hat sich die Befürchtung für einige Unternehmen bestätigt. Das Transportunternehmen "Magdeburger Flitzer" muss nun in der Altmark mindestens 20 Mal so viel Mautgebühren bezahlen wie vor einem Jahr. Die Mehrkosten gibt das Unternehmen laut Geschäftsführer Klaus Peter Kaiser an seine Kunden weiter.

Die lassen für den teureren Transport nach Angaben der Spediteure häufig die Verbraucher zahlen. Wenn die Spediteure mehr Maut bezahlen, werden theoretisch also die Produkte in den Supermärkten teurer. Ob das seit der Einführung der Maut für Bundesstraßen tatsächlich passiert ist, lässt sich aber noch nicht mit Sicherheit sagen.

Deutlich mehr Aufwand für die Unternehmen

Für das Transportgewerbe bedeutet die Lkw-Maut auch mehr Aufwand. Durch die höheren Summen müssen beispielsweise die "Magdeburger Flitzer" die Mautkosten jetzt monatlich abrechnen. Vor der Lkw-Maut sei laut dem Unternehmen nur halbjährlich abgerechnet worden. Ähnlich geht es vielen Unternehmen in Sachsen-Anhalt, sagt der Landesverband des Verkehrsgewerbes.

Danilo Ebel ist Geschäftsführer der Kran- und Transport GmbH Brandt und Wangler mit Standorten unter anderem in Magdeburg und Stendal. Laut ihm hat das Transportgewerbe schon seit Jahren mit finanziellem Druck zu kämpfen. Ebel sagt: "Wenn wir überleben wollen, müssen wir die Kosten umlegen."

7,5 Milliarden Einnahmen

Für Ebel ist die Maut aber nicht das einzige Problem im Verkehrsgewerbe: "Maut, nicht vorhandenes Fahrpersonal, andere Kostenerhöhungen – all das kann dazu führen, dass Unternehmen pleitegehen." Woran die Transportunternehmen letztendlich scheiterten, könne man nicht sagen. Zu einer offensichtlichen Pleitewelle bei den Spediteuren hat die Lkw-Maut bisher nicht geführt.

Der Ruf der Lkws sei nach wie vor schlecht, kritisiert Ebel: "Jeder sieht nur einen großen Lkw, versperrt die Straßen, stößt Schadstoffe aus." Dabei sei das Transportgewerbe notwendig, um alle Menschen mit Nahrungsmitteln und allen nötigen Gütern zu versorgen.

Der Staat plant 2019 mit insgesamt 7,5 Milliarden Euro Einnahmen aus der Lkw-Maut. Der Großteil davon soll direkt in den Bau und Erhalt der Bundesstraßen fließen. Drei Städte in Sachsen-Anhalt haben für ihre Ortsdurchfahrten bereits Geld aus 2018 bekommen: Dessau-Roßlau rund 223.000 Euro, Halle rund 280.000 und Magdeburg knapp 640.000 Euro.

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Quelle: MDR/aso

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 20. August 2019 | 14:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. August 2019, 17:44 Uhr

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