Zwei Hände halten mehrere Euro-Banknoten.
Gleiche Arbeit, weniger Geld: Beschäftigte in den neuen Bundesländern verdienen trotz gleicher Qualifikation weniger als im Westen. Bildrechte: Unsplash/Christian Dubovan

Lohnunterschiede in Ost und West Trotz gleicher Qualifikation: Sachsen-Anhalter verdienen deutlich weniger

Gleicher Beruf, gleiche Qualifikation und trotzdem 17 Prozent weniger Gehalt: Beschäftigte in Sachsen-Anhalt verdienen fast 30 Jahre nach der Wende immer noch deutlich weniger als Arbeitnehmer in den westdeutschen Bundesländern. Laut Hans-Böckler-Stiftung ist vor allem die geringe Tarifbindung ein Grund dafür.

Zwei Hände halten mehrere Euro-Banknoten.
Gleiche Arbeit, weniger Geld: Beschäftigte in den neuen Bundesländern verdienen trotz gleicher Qualifikation weniger als im Westen. Bildrechte: Unsplash/Christian Dubovan

Stellt man Beschäftigte aus Ost und West gegenüber, die den gleichen Beruf ausüben, das gleiche Geschlecht haben und vergleichbare Berufserfahrung haben, unterscheiden sie sich am Ende nur noch in einem Punkt: dem Gehalt. 16,9 Prozent weniger verdienen die Menschen durchschnittlich zwischen Ostsee und Erzgebirge.

In Sachsen-Anhalt liegt der Entgeltunterschied bei 17,1 Prozent, nur Sachsen schneidet noch schlechter ab. Das ist das Ergebnis einer Auswertung von fast 175.000 Datensätzen des Internetportals lohnspiegel.de – einer konituierlichen Online-Umfrage unter Erwerbstätigen, die vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung betreut wird. In Brandenburg hingegen liegt – auch wegen des florierenden Berliner Umlandes – der Rückstand auf die alten Ländern bei nur knapp 14 Prozent.

Tarifbindung im Westen höher

Neben Unterschieden in der regionalen Wirtschaftskraft ist nach WSI-Analyse die geringere Verbreitung von Tarifverträgen in den neuen Bundesländern ein wesentlicher Grund für den Gehaltsrückstand in den neuen Bundesländern. Denn einerseits haben sich die Tariflöhne in den alten und neuen Bundesländern immer weiter angeglichen, andererseits werden ostdeutsche Beschäftigte seltener nach einem Tarifvertrag bezahlt als ihre westdeutschen Kollegen.

Bezogen auf Sachsen-Anhalt sieht Dr. Malte Lübker, WSI-Experte für Tarif- und Einkommensanalysen, die Lohnunterschiede besonders für einkommensschwache Arbeitnehmer kritisch:

Problematisch ist es vor allem in Berufen, in denen die Bezahlung ohnehin nicht üppig ist. Wenn ein Gehalt die ganze Familie ernähren muss, dann wurmt es aus nachvollziehbaren Gründen natürlich enorm, wenn für die gleiche Arbeit deutlich weniger gezahlt wird als in den alten Bundesländern.

Dr. Malte Lübker, WSI

Ein weiteres Ergebnis der Datenanalyse: Unterteilt man die Berufe nach ihren Qualifikationsniveaus, schneiden vor allem die meisten Ausbildungsberufe schlecht ab und solche, für die nach der Ausbildung eine kaufmännische Fortbildung oder eine weiterführende technische Qualifikation nötig waren. Einfache Helfertätigkeiten und hoch komplexe Berufe, für die in der Regel ein Hochschulabschluss nötig ist, sind hingegen nicht ganz so stark betroffen.

Einen detaillierten Gehaltsvergleich können Arbeitnehmer für über 500 Berufen mit Hilfe des Lohn- und Gehaltschecks auf lohnspiegel.de einsehen.

Informationen zur Methodik (ausklappen)

Die Gehaltsunterschiede beziehen sich auf Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Ost und West, die sich hinsichtlich wichtiger Eigenschaften nicht voneinander unterscheiden. Neben dem ausgeübten Beruf wurden Lohnunterschiede statistisch herausgerechnet, die sich mit Faktoren wie der Berufserfahrung, dem Geschlecht, der Größe des Betriebes oder einer innerbetrieblichen Leitungsfunktion erklären lassen.

Die Daten des Portals lohnspiegel.de beruhen auf einer kontinuierlichen Online-Umfrage unter Erwerbstätigen in Deutschland. Für die Analyse wurden 174.600 Datensätze berücksichtigt, die seit Anfang 2017 erhoben wurden. Die Umfrage ist nicht-repräsentativ, erlaubt aber aufgrund der hohen Fallzahlen detaillierte Einblicke in die tatsächlich gezahlten Entgelte.

Alle Angaben beziehen sich auf die Bruttoverdienste pro Stunde, sodass Unterschiede in der Arbeitszeit nicht zum Tragen kommen. Nicht berücksichtigt wurden Sonderzahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld. Der Lohnspiegel ist ein nicht-kommerzielles Angebot der Hans-Böckler-Stiftung.

Quelle: MDR/mm

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 01. Oktober 2019 | 08:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Oktober 2019, 08:28 Uhr

1 Kommentar

fcm-magdeburg vor 1 Wochen

Trotz gleich........
Das wird sich auch in 20 Jahren sich nicht ändern, wir sind ein billig Sektor. Schaut mal, wie lange Saarland gebracht hat, in der BRD angekommen zu sein.

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