Kurz vor Weihnachten AMEOS kündigt Mitarbeitern nach Streik

In den vergangenen Wochen gab es an AMEOS-Standorten in Sachsen-Anhalt immer wieder Streiks. Das Unternehmen hat daraufhin mehreren Mitarbeitern die Kündigung erteilt. Der Klinikbetreiber nennt Kostenabsenkungen als Grund. Ver.di spricht von Einschüchterung der Beschäftigten.

Streikende Personen mit Schildern und Bannern.
Wurde den Mitarbeitern von AMEOS gekündigt, weil sie gestreikt haben? Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach den Warnstreiks an den AMEOS-Kliniken hat das Unternehmen 14 Mitarbeitern in Sachsen-Anhalt fristlos gekündigt. Das hat die Gewerkschaft Ver.di mitgeteilt. Demzufolge sind Beschäftigte entlassen worden, die sich an den Warnstreiks in der vergangenen Woche beteiligt hatten; darunter ein schwerbehinderter Kollege. In dem AMEOS-Schreiben werde ihnen respektloses Verhalten gegenüber Mitarbeitern, Patienten und Vorgesetzen vorgeworfen.

Die Gewerkschaft kritisierte dies als dreisten Versuch, die Beschäftigten einzuschüchtern und davon abzuhalten, ihr Grundrecht auf Streik wahrzunehmen. Besonders zynisch sei es, die Kündigungen so kurz vor Weihnachten auszusprechen. Die Begründungen seien hanebüchen und entbehrten jeder Grundlage, heißt es von Ver.di.

AMEOS spricht von Kostenabsenkungen

Warnstreik bei Ameos
AMEOS spricht von Erlösausfällen, auf die es reagieren muss. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Regionalleitung des Klinikbetreibers AMEOS spricht auf Nachfrage sogar von 20 Kündigungen. Das Unternehmen erklärte den Vorgang mit Erlösausfällen, auf die es reagieren müsse, hieß es in einer Mitteilung. Geschäftsführer Lars Timm sagte: "Das habe ich doch vorher angekündigt und damit wird doch wohl jeder gerechnet haben bei den Erlösausfällen." Die Gewerkschaft Ver.di verfolge mit dem Arbeitskampf nur das Ziel, Mitglieder für sich zu gewinnen. Die Zukunft der Arbeitsplätze sei der Gewerkschaft völlig unwichtig.

Ver.di verwies darauf, dass der Regionalgeschäftsführer von AMEOS, Timm, bereits in der Vergangenheit durch "brachiales" Vorgehen gegen gewerkschaftlich aktive Beschäftigte aufgefallen sei. An dem AMEOS-Klinikum im niedersächsischen Hildesheim habe er während eines Streiks mehreren Beschäftigten mit Kündigungen und Versetzungen gedroht. Am Ende musste AMEOS laut Ver.di alle Kündigungen zurücknehmen und einen Tarifvertrag auf dem Niveau des öffentlichen Dienstes schließen.

Schon länger Streiks an AMEOS-Standorten

Die Gewerkschaft fordert für die Beschäftigten mehr Geld. Sie verdienten im Schnitt 500 Euro pro Monat weniger als Kollegen an anderen Kliniken. Der AMEOS-Konzern ist laut Ver.di nicht zu Verhandlungen bereit. In den vergangenen Wochen hatte es an den AMEOS-Kliniken in Schönebeck, Aschersleben-Staßfurt, Bernburg und Haldensleben Warnstreiks gegeben. Mehr als 1.800 Beschäftigte hatten der Gewerkschaft zufolge die Arbeit niedergelegt, um bessere Bezahlung zu erreichen.

AMEOS will sich nach wie vor nicht mit der Gewerkschaft an einen Verhandlungstisch setzen. Der Klinikbetreiber bietet seinen Beschäftigten zwar etwas mehr Geld, dafür müssten die Beschäftigten aber in neue Betriebsgesellschaften wechseln. Ver.di fordert einen Tarifvertrag. 

Quelle: MDR/dpa,ahr

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 17. Dezember 2019 | 16:00 Uhr

14 Kommentare

DER Beobachter vor 50 Wochen

Naja, Schwerhinderte genießen allerdings einen besseren Rechtsschutz. In der Praxis erweist sich dessen Durchsetzungsfähigkeit allerdings tatsächlich erst mittels eines engagierten Anwalts bzw. BR. Daher meine Frage...

Harri vor 50 Wochen

Dieses System nennt sich Kapitalismus und die Politik hat sich ganz klar für die Privatisierung der Krankenhäuser ausgesprochen. Die Betreiber sind Aktiengesellschaften und müssen den Anlegern, z. B. von Pensionsfonds immer das Allerbeste bieten, da geht es nicht um Patienten. Personal ist ein Notwendiges Übel, daß in allen Bereichen systematisch beseitigt wird. Die Automatisierung bereinigt den Markt und Tarifverträge gehören ins Mittelalter und werden dorthin wieder verschwinden.. Die noch verbleibenden Pflegekräfte werden leider wie Sklaven behandelt und sie merken es nichteinmal, weil es ja allen so schlecht geht. Die kollektive Herdentreue vernebelt die Sinne. Privatisierung ist in der Krankenpflege ist der Todesengel für Patient und Personal, er kommt schleichend, wie die Klima - Katastrophe. Kraken wie Ameos verhalten sich in gleicher Weise und dulden bis dahin keinen Ungehorsam.

Andy vor 50 Wochen

Das Gesundheitswesen in die Hände von Unternehmen zu geben, die auf Gewinn ausgelegt sind, ist ein Witz.
Deutschland ist so ein reiches Land, und trotzdem wird sich noch zu Tode gespart. Nur für die Patienten ist kein Geld da.

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