U-Förmige Betonteile ragen neben einem gelben Bagger hervor.
Bildrechte: MDR/André Plaul

Interview zur Großbaustelle "Die Reisenden werden sich freuen"

Seit der Wende wurden und werden die Bahnstrecken um und durch Magdeburg modernisiert, Brücken neu gebaut, Technik ausgetauscht – denn die Landeshauptstadt ist seit jeher ein wichtiger Eisenbahn-Knoten. 2019, 30 Jahre nach der Wende, soll auch der Hauptbahnhof selbst vollständig renoviert sein. MDR SACHSEN-ANHALT hat darüber mit der Gesamtprojektleiterin Birgit Hartmann und Bahn-Sprecherin Erika Poschke-Frost gesprochen.

U-Förmige Betonteile ragen neben einem gelben Bagger hervor.
Bildrechte: MDR/André Plaul

MDR SACHSEN-ANHALT: Der Magdeburger Hauptbahnhof feiert 2018 seinen 145. Geburtstag. Wirklich feierlich sieht er im Großbaustellen-Outfit jedoch nicht aus. Wieso erstrahlt der Jubilar nicht längst in neuem Glanz?

Erika Poschke-Frost: Die Eisenbahnstrecke liegt hier seit 1870, ist gewachsen, hat sich entwickelt. Heute schauen wir darauf anders und denken, Dinge gingen sehr schnell. Dabei gibt es viel zu planen und zu überlegen, wie man künftig überhaupt auf der Schiene fahren möchte und da geht es eben nicht nur um den Eisenbahnknoten Magdeburg, sondern auch um das Netz ringsum. Das trägt alles dazu bei. In einzelnen Abschnitten hat sich seit der Wende schon viel getan – zum Beispiel die elektronische Stellwerkstechnik oder einige Brücken. Wir bauen jetzt weiter in Richtung Zukunft. So ein großes Bauprojekt ist halt nicht in einer Dekade zu schaffen.

Noch bis Mai 2019 muss der Magdeburger Hauptbahnhof mit fünf statt neun Gleisen auskommen. Da wird improvisiert, umgeleitet, manchmal auch knapp kalkuliert. Was entgegnen Sie den Bahn-Fahrern, die sagen: Das dauert alles viel zu lange?

Betonschwellen und Gleise liegen sorgfältig aufgereiht
Gleise machen nur einen kleinen Teil des Bauprojekts aus. Bildrechte: MDR/André Plaul

Birgit Hartmann: Da muss man sehen, was hier alles umgebaut wird, welche Massen hier bewegt werden: Das Baufeld hat eine Länge von zirka zwei Kilometern. Wir gehen komplett bis fast 1,50 Meter in den Boden. Es wird alles neu gebaut, tiefensaniert. Da ist es schon sehr anspruchsvoll, das in dieser Zeit zu schaffen. Nachts kann aus Lärmschutzgründen nur in wenigen Ausnahmen gebaut werden. Wir haben hier drei Jahre Bauzeit, mehr ist das gar nicht. Und der Verkehr läuft weiter. Ich denke, die eigentliche Bauzeit des Hauptbahnhofs ist gar nicht so lang. Was viel Zeit kostet, ist das Verfahren ringsum, mit Vorbereitungen und Genehmigungen. Die Bauzeit selber ist für das, was hier im Hauptbahnhof umgesetzt wird, meiner Meinung nach sehr kurz.

Die Großbaustelle Hauptbahnhof Magdeburg beinhaltet gerade drei Baustellen parallel: Die Gleise und Oberleitungen werden neu gemacht, das Bahnbrückental wird saniert und der Bahnhof selbst mit Bahnsteigen, Tunnel und Empfangshalle. Welche dieser Baustellen ist denn die größte Herausforderung?

Birgit Hartmann: Ich denke, die größte Herausforderung ist, dass das alles irgendwo zusammenpasst. Der Knoten Magdeburg ist tatsächlich vom Umfang her die größte Baustelle. Aber im Bahnhof selber müssen natürlich auch die Schnittstellen zum Bahnhofsmanagement passen, was dort alles gebaut wird. Nicht schön wäre es, wenn man dann am Ende bemerkt, dass hier irgendwo falsch gebaut wurde und zurückgebaut werden muss.

Je länger so eine Baustelle besteht, umso größer werden die Erwartungen ans Ergebnis. Und Bahnfahrer haben traditionell hohe Erwartungen. Wieso lohnt sich das Warten auf Mai 2019?

Aus einer Baugrube ragt ein alter gefliester Treppenaufgang.
Von den Bahnsteigen sind derzeit nur noch die Treppenaufgänge zum Personentunnel zu sehen. Bildrechte: MDR/André Plaul

Birgit Hartmann: Wir sollten den Mai mal ausweiten auf Dezember. Im Mai stehen die neuen Gleise zur Verfügung. Im Dezember ist der Bahnhof dann auch so saniert, dass er auch ansprechend für die Öffentlichkeit ist. Und das zusammen wird einen modernen Bahnhof ergeben, obwohl nicht alles umgebaut ist. Es wird also ein modernes Antlitz sein. Und die Reisenden werden neben dem besseren Bild auch die Bahnsteige als komfortabler empfinden. Die Geschwindigkeit im Bahnhof Magdeburg selber wird man auf den ersten Blick vielleicht nicht merken. Aber tatsächlich wird es etwas schnellere Durchfahr-, sowie Ein- und Ausfahrgeschwindigkeiten geben.

Erika Poschke-Frost: Ich denke, die Reisenden werden sich darauf freuen können. Zwar wird es auch künftig die eine oder andere Einschränkung geben müssen. Aber, wenn der Bahnhof erst einmal hübsch ist und die Leute dort wieder durchgehen und Treppen sowie Aufzüge bequem nutzen können, wird es sich deutlich entspannen.

Birgit Hartmann: Die "Station und Service" hat bis dahin auch unten im Quertunnel einen neuen Wartebereich geschaffen. Die Aufzüge werden an allen Bahnsteigen an der gleichen Stelle zu finden sein. Bislang lagen die unterschiedlich. Das wird dann alles übersichtlicher werden.

Bei aller Modernisierung haben auch traditionelle Dinge ihren Charme. Woran werden die Magdeburger ihren Hauptbahnhof – von der Lage mal abgesehen – unbedingt und gerne wiedererkennen?

Birgit Hartmann: Das Empfangsgebäude wird auf der Rückseite fachmännisch und denkmalgerecht saniert. Man wird also das ein oder andere Detail wiederfinden. Und man wird auch den Kölner Platz wiedererkennen, auch wenn die Fassade des Empfangsgebäudes aus DDR-Zeiten vielleicht nicht so schön aussieht. Es ist nicht so, dass der Bahnhof sein Gesicht komplett verliert.

Erika Poschke-Frost: Ich denke auch, diese rückwärtige Ansicht, da fiebern die meisten drauf hin: Da wird es bestimmt diesen Aha-Effekt geben. Wenn der Bahnsteig zurückgebaut ist und alles schön gemacht ist, das ist der Hammer.

Das Interview führte André Plaul.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 25. Juni 2018 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Juni 2018, 11:02 Uhr