Ein Förderband transportiert Rüben durch die Landschaft
Bildrechte: MDR/Mario Köhne

Besuch in der Zuckerfabrik Vom Bördeacker in den Zuckertopf

Seit mehr als einer Woche läuft die Zuckerrübenernte in Sachsen-Anhalt. Die Anbauer rechnen mit einem guten Ertrag. Wie aus der Rübe am Ende der Zucker wird, hat sich MDR SACHSEN-ANHALT in der Zuckerfabrik in Klein Wanzleben genauer angesehen.

von Mario Köhne, MDR SACHSEN-ANHALT

Ein Förderband transportiert Rüben durch die Landschaft
Bildrechte: MDR/Mario Köhne

Es muss traditionell schnell gehen bei der Rübenernte, die die Bauern selbst Kampagne nennen: Nur rund vier Monate ist über den Winter Zeit, die Rüben von den Äckern zu den Zuckerfabriken in Sachsen-Anhalt zu bringen. Eine dieser Fabriken steht in Klein Wanzleben in der Börde. Schon von weitem sind die Dampffahnen aus den Schornsteinen zu erkennen. Die Fabrik mit ihren 130 Mitarbeitern hat zur Zeit gut zu tun: Täglich kommen hier rund 800 Lastwagen aus dem gesamten Magdeburger Raum an und bringen bis zu 20.000 Tonnen Rüben. Die festen Mitarbeiter werden während der Kampagne von 30 externen Kräften unterstützt.

Erste Station: Waschanlage

Der Laster wird nach seiner Ankunft zunächst gewogen. Anschließend wird eine Stichprobe von der Fuhre genommen, bevor der Lkw seine Ladung in eine Grube kippt. Über große Schnecken und Laufbänder geht es für die Rüben zu ihrer ersten Station: die Waschanlage. Anders als bei einer Auto-Waschanlage sind die Feldfrüchte hier aber auf sich allein gestellt. Wasser und das gegenseitige Aneinander-Reiben müssen reichen, um am Ende eine weiße Rübe zu haben, die bereit für die weitere Verarbeitung ist.

Schon auf dem Acker werden übrigens mechanisch großer Dreck und Steine herausgefiltert. In der Waschanlage werden Geröll und die restlichen grünen Blätter von den Früchten getrennt.

Für die Rüben geht es hoch hinaus

Danach beginnt die eigentliche Verarbeitung: Die Rüben werden mit messerscharfen Klingen zu kleinen Schnitzeln zerhackt. Wer in ein solches Stück Rübe beißt, der merkt: Es fühlt sich an wie Kohlrabi, schmeckt aber süß. Über Förderbänder geht es für die Schnitzel ganz hoch hinaus. In etwa 25 Meter hohen Silos werden sie auf bis zu 70 Grad erhitzt. So setzen sich Wasser und Zucker vom Rest der Frucht ab.

Werksleiter Udo Harten erklärt den Vorgang so: "Es ist wie das Suppe kochen zuhause. Durch die Hitze öffnen sich die Zellen und das, was dort drin ist, kommt heraus." Bei der Suppe sind das Vitamine, in Klein Wanzleben ist es Zucker. Genauer gesagt: Zuckerwasser. Es hat einen Zuckergehalt von rund 15 Prozent. Aus der noch trüben Brühe wird durch eine weitere Reinigung klarer Saft, der nochmals erhitzt wird.

So kann Flüssigkeit verdampfen und es entsteht eine Art Sirup. In dieser zähen Flüssigkeit wachsen nun die Zuckerkristalle. Harten erklärt weiter: "Dann ist es eine Frage der Zeit, die wir den Kristallen geben, wie groß sie am Ende werden. Kluntjes für den Tee in Ostfriesland reifen teilweise bis zu zwei Wochen in der Fabrik."

Um die Zuckerkristalle am Ende von der zähen Flüssigkeit zu trennen, kommen Zentrifugen zum Einsatz. Bei den herkömmlichen Zuckersorten ist es übrigens deutlich anders: Von der Rübe bis zum fertigen Kristallzucker dauert es in Klein Wanzleben gerade mal gut fünf Stunden.

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Quelle: MDR/cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 22. September 2017 | 11:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. September 2017, 08:22 Uhr

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1 Kommentar

22.09.2017 12:52 K.Morasch 1

Wer weiß wie lange der Anbau von Zuckerrüben in Sachsen-Anhalt noch erlaubt ist. Vielleicht stoppt die Ministerin für Umwelt und Landwirtschaft in Sachsen-Anhalt (Frau Dalbert, Psychologin, Partei: Grüne) ja bald dieses klimabelastende Treiben. Industrielle Landwirtschaft geht mit Grüner Ideologie ja nunmal garnicht zusammen.

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