Ansiedlung in Osterweddingen Amazon in der Börde: Fluch und Segen

Mario Köhne
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Amazon baut sukzessive die Arbeit im neuen Logistikzentrum im Sülzetal auf. Bis Ende des Jahres sollen mehr als 1.000 Mitarbeiter Pakete für ganz Europa packen und verschicken. Das wird Folgen für die Region haben.

Große leere Lagerhalle mit Fließbändern und gelben Treppen
Noch sind die Bänder leer, doch bald werden von hier aus tausende Pakete verschickt. Bildrechte: MDR/Mario Köhne

Das neue Logistikzentrum von Amazon in Osterweddingen hat eine beeindruckende Größe. Auf 100.000 Quadratmetern werden Pakete verpackt und auf die Reise geschickt – in die Region und quer durch Europa. Aus der Börde werden Produkte wie Gardinen, Staubsauger, Gartenschläuche oder Spielzeug-Burgen versandt.

Der Internetriese hat nach eigenen Aussagen einen "hohen zweistelligen Millionen-Betrag" im Sülzetal investiert. Der Standort sei gut gewählt. Das Gewerbegebiet liegt direkt an der Bundesstraße 81. Über die nahe Autobahn 14 sind auch die A2 und die A9 schnell zu erreichen.

Zahlt Amazon im Sülzetal Steuern?

Das Gewerbegebiet ist erschlossen. Und es gab genug Platz für die große Halle. Amazon ist nicht der erste namhafte Logistiker in Osterweddingen. Auch DHL ist dort mit einem Standort vertreten.

Und die Ansiedlung des Weltkonzerns ist weitere Werbung für den Standort in der Börde. Das dürfte vor allem Sülzetals Bürgermeister Jörg Methner (SPD) freuen. Hinzu kommt, dass Amazon laut Methner angekündigt hat, im Sülzetal Steuern zahlen zu wollen. Wie hoch die Zahlungen ausfallen, ist aber nicht bekannt.

Was bleibt – der MDR SACHSEN-ANHALT Wochenrückblick

Wanderratte (Rattus norvegicus)
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Polizei vor einem Döner Imbiss in Halle, Mundschutze an der Wäscheleine.
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Der Angeklagte Stephan B. (r) kommt zum fünften Prozesstag in den Verhandlungssaal im Landgericht.
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Ver.di fordert höhere Löhne

Bekannt ist dagegen, was Amazon seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zahlt. 11,66 Euro ist das Einstiegsgehalt für Ungelernte. Das Unternehmen weist zudem auf Boni, Versicherungen, Aktien und eine betriebliche Altersvorsorge hin.

Ein Amazon-Sprecher nannte die Löhne "in der Branche gut und konkurrenzfähig". Schon als bekannt wurde, dass sich das Versandunternehmen in Osterweddingen ansiedeln will, hat die Gewerkschaft Ver.di die Forderung aufgemacht, die Amazon-Mitarbeiter nicht wie Logistiker sondern nach dem höheren Handelstarif zu bezahlen.

Torsten Furgol von Ver.di in Magdeburg sagte MDR SACHSEN-ANHALT nach dem Start von Amazon im Sülzetal, das Unternehmen mache an jedem Standort große Gewinne. Außerdem sei Amazon mittlerweile Mitglied im Arbeitgeberverband des Deutschen Einzelhandels. All das solle sich auch in den Löhnen widerspiegeln. Die Gewerkschaft fordert rund einen Euro mehr pro Stunde.

Magdeburger Einzelhandel bedroht

Und auf einen weiteren Punkt macht Furgol aufmerksam: Die Folgen für die Innenstädte in der Region. "Wenn Amazon noch schneller liefert, wird der Druck noch größer", so der Gewerkschaftsvertreter. Das gilt natürlich fürs nahe Magdeburg. Aber auch kleinere Innenstädte im Umland wie Oschersleben oder Haldensleben würden die Ansiedlung spüren.

Und Amazon drängt immer weiter in die Fläche: Das Unternehmen hat angekündigt, in Gera ein weiteres Logistikzentrum errichten zu wollen. Die Nachfrage dafür stimme. Amazon gilt als ein großer Gewinner der Coronavirus-Pandemie. An Spitzentagen sollen künftig bis zu 100.000 Pakete das Zentrum in Osterweddingen verlassen.

Einblicke ins neue Amazon-Lager in der Börde

Bauarbeiten vor Lagerhalle, davor stehen ein Kran, Container, Lkw und weitere Fahrzeuge
Das neue Amazon-Logistikzentrum in Osterweddingen im Landkreis Börde ist so gut wie startklar. Bildrechte: MDR/Mario Köhne
Bauarbeiten vor Lagerhalle, davor stehen ein Kran, Container, Lkw und weitere Fahrzeuge
Das neue Amazon-Logistikzentrum in Osterweddingen im Landkreis Börde ist so gut wie startklar. Bildrechte: MDR/Mario Köhne
Langer Gang zwischen zwei leeren Regalen in Lagerhalle
In der riesigen Halle sind die Regale schon gut zu erkennen. Bildrechte: MDR/Mario Köhne
Riesige Lagerhalle mit leeren Regalreihen
Auch die Hochlager stehen schon. Bildrechte: MDR/Mario Köhne
Aufbauarbeiten in riesiger Lagerhalle
Aber überall wird noch gebaut und es liegt Baumaterial herum. Bildrechte: MDR/Mario Köhne
Lagerhalle mit gelben Balken und Fließbändern
Noch läuft hier der Probebetrieb. Bildrechte: MDR/Mario Köhne
Große leere Lagerhalle mit Fließbändern und gelben Treppen
Vereinzelt durchlaufen Testpakete den Weg vom Wareneingang über die Lagerung bis hin zum Versand. Bildrechte: MDR/Mario Köhne
Gang zwischen zwei deckenhohen Regalreihen in Lagerhalle
Richtig ernst wird es ab 3. August, dann soll der Betrieb hier losgehen. Bildrechte: MDR/Mario Köhne
Große Lagerhalle von Außen mit Lkw in Einfahrten und Baumaterialien davor
Der erste wirkliche Stresstest kommt zum Weihnachtsgeschäft. An Spitzentagen sollen bis zu 100.000 Pakete von hier aus verschickt werden. Bildrechte: MDR/Mario Köhne
Leere Regalreihen in Lagerhalle, daneben gehen Bauarbeiter
Anfangs werden 150 Mitarbeiter die Waren in alle Welt verschicken. Später sollen mehr als 1.000 Menschen im Logistikzentrum Osterweddingen arbeiten. Bildrechte: MDR/Mario Köhne
Riesiges Amazon-Schild liegt neben neuer Halle, an der ein blauer Bagger arbeitet
Das Unternehmen investierte in der Börde eigenen Angaben zufolge mindestens einen hohen zweistelligen Millionenbetrag. Dafür ist auf dem 45 Hektar großen Grundstück eine etwa 500 mal 200 Meter große Halle entstanden.

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 14. Juli 2020 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/agz
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50 Prozent der Stellen besetzt

Mehr als 1.000 Menschen sollen am Standort insgesamt arbeiten. 2.500 Bewerbungen hat es gegeben. Trotzdem war die Suche nach Angestellten nicht einfach. Schon vor dem Amazon-Start in Osterweddingen hieß es von einem Sprecher des großen Hermes-Standorts in Haldensleben, dass der Markt an Arbeitskräften angespannt sei.

Wie ein Amazon-Vertreter MDR SACHSEN-ANHALT jetzt erklärte, sind bisher 50 Prozent der Stellen vergeben. "Wir sind sehr gut angekommen", ist seine Bilanz.

Quelle: MDR/mx

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 08. September 2020 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

Freies Moria vor 2 Tagen

@ElBuffo: Amazon karrt die Arbeiter von überall her an. Oder externe machen das. Schichtwechsel bei einem Amazon-Lager ist in der Beziehung sehr erhellend.

nilux vor 2 Tagen

Zitat: "Und auf einen weiteren Punkt macht Furgol aufmerksam: Die Folgen für die Innenstädte in der Region. "Wenn Amazon noch schneller liefert, wird der Druck noch größer", so der Gewerkschaftsvertreter. "

Diese Aussage ist kaum nachvollziehbar, schließlich handelt es sich um ein Logistikzentrum und nicht um eine weitere Verkaufsfläche.
Somit hat das für den regionalen Einzelhandel nicht mehr Auswirkung als jedes andere Logostikzentrum. was weltweit gebaut wird.



ElBuffo vor 3 Tagen

Ob Steuern gezahlt werden, hängt also vom Willen des Unternehmens ab. Die Höhe der Zahlung wird dann nach dem großen Vorbild aus Hamburg mit dem OB persönlich ausgemacht?
Und die Gewerkschaft macht sich Sorgen um den Einzelhandel in Magdeburg? Das ist doch die gleiche Gewerkschaft, die sich erst kürzlich darüber gefreut hat, es dem Einzelhandel in Magdeburg etwas schwerer zu machen.
Ist zwar irgendwie niedlich, aber was macht die Einpacker bei amazon aus Sicht der Gewerkschaft zu Einzelhändlern?
Amazon wird schon genug zahlen müssen, wenn es nicht die Arbeiter aus Polen oder sonstwoher ankarren lassen will.

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