Forderung nach einheitlicher Bezahlung Warnstreiks bei Ameos-Kliniken gehen weiter

An der Ameos-Klinik in Haldensleben ist am Donnerstag gestreikt worden. Auch an anderen Standorten der Ameos-Kliniken wurde in dieser Woche bereits gestreikt. Die Gewerkschaften fordern mehr Geld und einen Tarifvertrag. Ameos lehnt Tarifverhandlungen bislang ab.

Streikende mit ver.di-Westen protestieren mit Schildern
Die Beschäftigen bei Ameos verdienen eigenen Angaben zufolge im Schnitt rund 500 Euro weniger als Kollegen an anderen Kliniken. (Archivbild) Bildrechte: MDR/Tom Gräbe

Die Warnstreiks an den Ameos-Kliniken in Sachsen-Anhalt gehen weiter. Am Donnerstag haben Mitarbeiter in Haldensleben ab sechs Uhr die Arbeit niedergelegt. Konkret geht es um eine einheitliche Tarifbezahlung. Momentan werden die Ameos-Beschäftigten nach Haustarifen bezahlt. Damit liegen sie im Schnitt rund 500 Euro unter dem regionalen Durchschnittsgehalt der Branche.

In dieser Woche hatten bereits mehrere hundert Krankenschwestern, Krankenpfleger und Ärzte an anderen Standorten gestreikt, darunter Aschersleben, Staßfurt und Bernburg.

Ver.di: Tarifvertrag ist einzige Option

Dem Ver.di-Verhandlungsführer Bernd Becker zufolge sind bisher alle Forderungen nach Tarifverhandlungen von der Ameos-Regionalleitung ignoriert worden. Das Unternehmen wolle sich erst im Januar äußern. Daher hatte die Gewerkschaft dazu aufgerufen, den Druck in den ersten Dezembertagen zu erhöhen.

Den Mitarbeitern hatte Ameos eine Lohnsteigerung von zehn Prozent über fünf Jahre angeboten. Für diese Zeit komme ein Kündigungsschutz hinzu – allerdings nur für den Fall, dass die Beschäftigten in eine Betriebsgesellschaft eintreten. Damit müssten sie auf Rechtsstreitigkeiten mit dem Unternehmen verzichten und damit auch auf mögliche Nachzahlungen, falls laufende Verfahren gewonnen werden. Laut Becker sollen die Beschäftigten so von der allgemeinen Einkommensentwicklung abgehängt werden. Ein Tarifvertrag sei für Ver.di daher die einzige Option.

Ameos: Schlechte Erfahrungen mit Ver.di

Der zuständige Ameos-Regionalleiter, Lars Timm, betonte hingegen, man habe mit Ver.di schlechte Erfahrungen gemacht. Bereits 2012 habe man zur Übernahme der Kliniken im Salzlandkreis Tarifverhandlungen aufnehmen wollen. Damals habe sich Ver.di jedoch nur für Mitglieder einsetzen wollen. Man wolle daher direkt mit den Beschäftigten verhandeln, so Timm.

Den Forderungen von Ver.di kann Ameos laut Timm nicht nachkommen. Andernfalls müsse man mindestens 800 Stellen streichen, so der Regionalleiter. Außerdem müssten Mitarbeiter mit längeren Anfahrtszeiten rechnen. Ver.di auf der anderen Seite wertet diese Ankündigungen als Erpressung und fordert die politisch Verantwortlichen auf, einzugreifen.

Landkreis will vermitteln

Der Landrat des Salzlandkreises, Markus Bauer, teilte mit, dass Drohungen kein probates Mittel seien. Er wolle vor dem Hintergrund möglicher Schließungen mit Ameos in Kontakt treten. Eine Berechtigung, in den Tarifstreit einzugreifen, habe man jedoch nicht. Der Landrat stellte sich aber als vermittelnde Partei zur Verfügung. 

Das Unternehmen Ameos gehört zu den größten Arbeitgebern in Sachsen-Anhalt. Es beschäftigt in seinen Kliniken insgesamt rund 4.000 Mitarbeiter.

Quelle: MDR/cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 05. Dezember 2019 | 07:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Dezember 2019, 08:15 Uhr

3 Kommentare

ElBuffo vor 17 Wochen

Vielleicht ist Ihnen entgangen, dass genau diese Kliniken in öffentlicher Hand waren und grandios und sehenden Auges in die Insolvenz geführt wurden. Zuletzt wurde dazu noch die Bilanz gefälscht, gedeckt vom damaligen Landrat als oberste Aufsichtsinstanz. Anschließend mussten die Kliniken verkauft werden.
Die öffentliche Hand war hier offenkundig unfähig einen halbwegs wirtschaftlichen Betrieb sicherzustellen. Gehandelt wurde erst, als das Kind in den Brunnen gefallen war.
Klar, wäre schön, wenn die öffentliche Hand das besser könnte. Kann sie aber aus irgendeinem Grund offenkundig nicht. Und es war genauso klar, dass ein anderer Betreiber nicht genau die gleiche Misswirtschaft so weiter macht.
Davon abgesehen, verdienen die Angestellten nicht so schlecht. Würden sonst doch längst in andere Krankenhäuser/Pflegeeinrichtungen abwandern. Erst recht, wenn es dort angeblich für die gleiche Arbeit mindestens 500€ mehr gibt.
Hier könnte der mdr mal hinterfragen, ob das stimmt.

Steffen 1978 vor 18 Wochen

Krankenhausangestellte bekommen doch einen guten Lohn und haben einen ziemlich sicheren Arbeitsplatz jedem. Vielleicht erstmal nachdenken bevor man Streikt in der freien Wirtschaft bekämen diese Leute ihre Kündigung .außerdem ist jedem freigestellt sich einen neuen Arbeitgeber zu suchen in der Pflege zum Beispiel aber da ist ja die Entlohnung schlechter oder...

harzer vor 18 Wochen

Mein Kommentar; Krankenhäuser müsste in der öffentlichen Hand gehören !

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