Einblick via Social-Media Erklärbauer: Mit dem Handy über den Acker

Mario Köhne
Bildrechte: MDR/Olga Patlan

Ackerbauer Phillip Krainbring aus Hohendodeleben im Kreis Börde will den Menschen zeigen, wie Landwirtschaft heute funktioniert. Mit dieser Aufklärungsarbeit via Social Media ist der Erklärbauer erfolgreich. Ein Einblick.

Erklärbauer Phillip Krainbring aus Hohendodeleben Börde
Phillip Krainbring gibt über die sozialen Netzwerke Einblick in das Leben als Landwirt. Bildrechte: MDR/Mario Köhne

Phillip Krainbring steht auf seinem Acker bei Hohendodeleben in der Börde. In der Hand hält er sein Handy. Der Arm ist lang ausgestreckt. Er dreht ein Video von sich selbst. "Ja, Moin, Leute. Ich bin heute hier auf der Zwischenfrucht unterwegs und will Euch heute mal wieder zeigen, wie sie sich entwickelt hat." Mit diesen Worten beginnt das kurze Video. Er ist nicht nur Ackerbauer. Er ist auch der Erklärbauer. Seit zweieinhalb Jahren bringt er den Menschen über Facebook, Instagram und einen Blog näher, wie Landwirtschaft heute funktioniert.

Tausende Follower via Social Media

"Das kommt eigentlich ganz gut an", erzählt der Landwirt. "Man bekommt auch gutes Feedback. Manchmal muss man sich auch ein bisschen schärfere Sachen anhören, die mit sachlicher Kritik nichts zu tun haben. Aber im Großen und Ganzen kommt das gut an." Und die Community des Erklärbauers wächst stetig. Kurz vor Ende diesen Jahres ist die Followerzahl bei Facebook über die 5000er-Marke gestiegen. Bei Instagram folgen ihm mehr als 7.300 Menschen. Und nicht alle kommen aus dem Agrarsektor. Laut Krainbring sind nur etwa 70 Prozent seiner Follower Landwirte.

Durchschnittlich verbringt er bis zu zwei Stunden pro Tag mit den Tätigkeiten als Erklärbauer, schätzt Krainbring im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT.

Wunsch nach sachlicher Debatte über Landwirtschaft

Er möchte den Menschen zeigen, wie sein Alltag aussieht: "Ich habe das Gefühl, dass viele von der Landwirtschaft relativ weit weg sind. Wenig Leute haben noch direkten Kontakt zu Landwirten. Deswegen möchte ich die Leute virtuell mit auf meinen Hof nehmen."

Er wünscht sich nach den aufgeladenen Diskussionen um die Landwirtschaft in den vergangenen Wochen auch, dass wieder mehr Sachlichkeit in die Debatte kommt. Einerseits hat sich bei den Landwirten viel Frust angestaut, glaubt Krainbring: "Den ganzen Druck, den wir jetzt haben, auch die Demos, die von den Landwirten gelaufen sind, da ist eigentlich explodiert, was sich die letzten 10 bis 15 Jahre aufgebaut hat."

Kritik: Landwirte haben lange keinen Einblick gegeben

Erklärbauer Phillip Krainbring aus Hohendodeleben Börde
Der Landwirt veröffentlicht eine Instagram-Story über Rettich. Bildrechte: MDR/Mario Köhne

Er kritisiert seinen eigenen Berufsstand aber auch: "Wir Landwirte haben uns eine ganze Zeit lang abgeschottet. Wir haben es nicht für nötig gehalten zu erklären, was wir machen und warum wir das machen und haben uns manchmal auch einen Tick zu wenig bewegt, um uns weiterzuentwickeln."

Laut dem Erklärbauer verstehen die Landwirte nicht, warum die Gesellschaft gewisse Dinge von Landwirten fordert und so sieht. Andererseits verstehe die Gesellschaft nicht, warum Landwirte Dinge so tun, wie sie sie tun. Das gebe Konflikte, so Krainbring. Einen Königsweg zur Lösung sieht er nicht. Krainbring erwartet viel Arbeit und geht davon aus, dass eine Umstellung nicht von heute auf morgen funktionieren kann. Deswegen wird der Erklärbauer auch weiterhin mit seinem Handy auf dem Acker unterwegs sein und den Menschen zeigen, wie er auf seinen Feldern in der Börde arbeitet.

Mario Köhne
Bildrechte: MDR/Olga Patlan

Über den Autor Mario Köhne kommt gebürtig aus dem Emsland und arbeitet seit Anfang 2017 als freier Journalist bei MDR SACHSEN-ANHALT. Er ist für den Hörfunk in der Nachrichtenredaktion und als Reporter unterwegs. Für das Studio Magdeburg berichtet er regelmäßig aus dem Landkreis Börde. Er schreibt außerdem für mdrsachsenanhalt.de. Bevor er zu MDR SACHSEN-ANHALT kam, arbeitete er als Radiojournalist im niedersächsischen Lokalfunk. Seine Lieblingsorte in Sachsen-Anhalt sind Schloss Hundisburg mit dem alten Steinbruch und das Elbufer in Magdeburg.

Quelle: MDR/jd

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 04. Januar 2020 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

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