Rentner aus brennendem Haus befreit Retter von Niederndodeleben: "Keine Sekunde gezögert"

Ein Rentnerehepaar aus Niederndodeleben in der Börde verdankt Christoph Lampe und seiner Freundin Juliane Valentin wohl das Leben. Als in der Nacht zu Dienstag das Haus der Rentner in Flammen aufging, zögerten die Ersthelfer nicht lange – und brachten die Bewohner aus dem brennenden Haus ins Freie. MDR SACHSEN-ANHALT hat mit einem der Retter gesprochen.

Ein junger Mann steht in einem Feuerwehrdepot vor zwei Einsatzfahrzeugen.
Christoph Lampe und seine Freundin haben einem Rentnerehepaar wohl das Leben gerettet. Bildrechte: MDR/Heiko Kunzmann

Die Reaktionen haben ihn dann doch überrascht. Unzählige Nachrichten hat Christoph Lampe seit Dienstagnacht bekommen – zeitweise waren es so viele, dass der Handyakku den Geist aufgegeben hat. In den SMS, Facebook-Nachrichten und Anrufen wird Lampe als Held von Niederndodeleben gefeiert. Kein Wunder, haben Lampe und seine Freundin Juliane Valentin einem Rentnerpaar aus dem Bördedorf wohl das Leben gerettet. Als das Haus der Eheleute in der Nacht zu Dienstag in Flammen aufging, zögerten Lampe und Valentin nicht lange. Sie retteten die Rentner aus den Flammen – noch bevor die Feuerwehr eintraf.

Es war in der Nacht zu Dienstag. Kurz nach 2 Uhr. Lampe und seine Freundin waren noch einmal nach Niederndodeleben gefahren. Sie hatten die Einkäufe vergessen. Wollten noch einmal nach dem Opa von Christoph Lampe sehen. "Ob er auch die Lichter ausgemacht hat im Haus und im Hühnerstall." Plötzlich sahen die beiden, dass Rauch aus einem anderen Haus quoll. Sie hielten an, stiegen aus. Rannten zum Fenster. "Da stand der ältere Herr schon", erzählt Lampe. Der Ersthelfer wählte den Notruf, hievte den 85-jährigen Hausbewohner gemeinsam mit seiner Freundin durch das Fenster.

Technischer Defekt als Ursache? Das Feuer in dem Einfamilienhaus in Niederndodeleben könnte nach Einschätzung der Polizei durch einen Kabelbrand ausgelöst worde sein. Die Ermittlungen dazu laufen. Die 78 und 85 Jahre alten Bewohner des Hauses wurden mit einer Rauchgasvergiftung in die Uniklinik nach Magdeburg gebracht. Das Haus ist nicht mehr bewohnbar.

Wo aber ist die Frau?

Lampe erzählt, dass er Hilferufe aus dem hinteren Teil des Hauses hörte. Erkennen, wo die Rentnerin genau ist? Bei dem starken Rauch unmöglich. Lampe und Valentin hatten ja weder eine Taschenlampe noch Schutzkleidung dabei. Was also tun? "Ich habe mich entschlossen, dass ich da rein musste", erzählt der Retter. Er ging durchs Hoftor, verschaffte sich über die Haustür Zutritt zu dem Einfamilienhaus. Im Flur aber war kein Weiterkommen. Zu stark war der Rauch, der Lampe entgegenquoll. Der Retter schlug mehrere Fensterscheiben ein, hoffte, so könnten die Rauchgase ein wenig abziehen. Es half. Lampe sah die 78-jährige Bewohnerin, schaffte sie ins Freie. Zwei Menschenleben waren gerettet. Kurze Zeit später war die Feuerwehr vor Ort.

Helfen? Für die beiden selbstverständlich.

Christoph Lampe
In seiner Freizeit engagiert Lampe sich in der Freiwilligen Feuerwehr. Bildrechte: Christoph Lampe

Wenn Christoph Lampe einen Tag später über das spricht, was da in der Nacht passiert ist, sagt er, er habe keine Sekunde darüber nachgedacht, auf die Feuerwehr zu warten. Dass er sich selbst in Lebensgefahr begeben hat, ist ihm klar: Lampe ist selbst Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr. "Und als Feuerwehrmann weiß man, dass man manchmal nur eine Chance hat", erzählt er. Dass er und seine Freundin geholfen haben, ist für das Paar selbstverständlich. Das habe auch etwas mit Menschlichkeit und Nächstenliebe zu tun, sagt Lampe.

Als Lampe am nächsten Morgen aufwacht, sieht er auf seinem Handy die vielen Nachrichten. Viele Menschen haben offenbar das Bedürfnis, sich bei Christoph Lampe zu bedanken; ihm Respekt zu zollen. Sie feiern ihn und seine Freundin Juliane Valentin als die Helden von Niederndodeleben.

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Bildrechte: MDR/Matthias Strauß

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 05. Dezember 2018 | 08:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2018, 17:56 Uhr

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3 Kommentare

07.12.2018 08:46 Wolpertinger 3

@06.12.2018 13:00 Yannick Cohr
1. Weil es immer Leute wie Sie gibt, die alles schlecht reden wollen.
2. Weil er MEHR als seine Pflicht getan hat (..ohne erhebliche eigene Gefahr).
StGB :323c"Wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten, insbesondere ohne erhebliche eigene Gefahr....... "
3. Weil es genügend Menschen gibt, die hilflose Personen ignorieren, weil es ihnen einfach egal ist.

06.12.2018 13:00 Yannick Cohr 2

Weshalb muss aus der Pflicht, Menschen aus Gefahrenlagen zu befreien und ihnen zu helfen immer eine mediale Heldenehrung folgen?! Wenn das die einzige Intention der Leute heutzutage ist, nehme ich meinen Hut nicht ab.

Anmerkung MDR SACHSEN-ANHALT:
Zivilcourage kann man nicht hoch genug bewerten. Deswegen thematisieren wir das auch immer wieder und werden das weiterhin tun. Und: Herrn Lampe ging es zu keinem Zeitpunkt um mediale Aufmerksamkeit. Er hat schlichtweg einfach geholfen.

05.12.2018 21:09 Tröstlich 1

Große Klasse und
Dank für den selbstlosen Einsatz.

Es gibt sie also doch noch: Menschen, die nicht nur brüllen, sondern zupacken.