Gegen Lebensmittelverschwendung Meitzendorfer Bäcker verkauft Brot und Kuchen-Reste per App

Was passiert mit den restlichen Lebensmitteln bei Bäckereien, Hotels oder Cafés, wenn Feierabend ist? Der Bäckermeister einer kleinen Bäckerei im Kreis Börde hilft mit, dass überschüssige Brötchen, Brote und Kuchen nicht im Müll landen – er nutzt die App "Too Good to Go" und hat damit Erfolg.

Mario Köhne
Bildrechte: MDR/Olga Patlan

von Mario Köhne, MDR SACHSEN-ANHALT

Ein Mann steht in einer Backstube und hält ein aufgeschnittenes Brot in die Kamera.
Marcus Ostendorf will nicht, dass die Überbleibsel aus dem Verkauf am Abend in der Mülltonne landen. Bildrechte: MDR/Mario Köhne

Schon auf den ersten Blick ist Marcus Ostendorf kein typischer Bäckermeister. Der junge Mann trägt lange Rastazöpfe und empfängt mich nach Feierabend in kurzen Hosen im Verkaufsraum der kleinen Bäckerei Möhring in Meitzendorf bei Barleben im Landkreis Börde. Er nenne sich manchmal Creative Director des Betriebs, sagt Ostendorf und erzählt lachend von neuen Kreationen und neuen Rohstoffen in seiner Backstube. Und er erzählt von der App "Too Good To Go". Mit der können Kunden abends günstig die Reste des Tages abholen.

"Bei allen Vorplanungen und Kalkulationen bleibt am Ende des Tages von den Produkten etwas über. Das war mir zu schade. Und das war Anstoß dafür, umzudenken und einen neuen Weg zu finden", sagt Ostendorf. Und der Weg führte ihn vor rund zwei Jahren zur App "Too Good To Go" (zu Deutsch: "Zu gut, um es wegzuwerfen").

Überraschungstüte für den Kunden

Ein Bäcker packt Bröctchen in eine Tüte.
Ein halbtes Brot, Brötchen und auch Kuchen landen immer in der Tüte. Bildrechte: MDR/Mario Köhne

Und so funktioniert die App: Kunden laden sie sich aufs Handy, registrieren sich, geben die Zahlungsmethode an und können dann in ihrer Umgebung nach Angeboten verschiedener Bäcker, Cafés oder Supermärkte suchen. Findet der Kunde ein passendes Angebot, reserviert und bezahlt er es direkt und kann es dann abends zu einer bestimmten Zeit abholen. Dabei wissen die Käufer aber vorher nicht, was genau sich in ihrer Tüte befinden wird. Denn tagsüber ist noch unklar, was übrig bleibt. Sollte es gar keine Reste geben, bekommt der Kunde eine Push-Mitteilung auf sein Handy und das Geld zurücküberwiesen.

Dass es die sprichwörtliche Katze im Sack ist, die der Kunde kauft, muss Ostendorf zugeben. Aber er rechnet auch vor, dass der Kunde 3,50 Euro ausgebe und einen Warenwert bekomme, der zwischen zwölf und 17 Euro liege. Es seien immer ein halbes Brot, Brötchen und auch Kuchen mit dabei. "Das ist nicht zu unterschätzen, vor allem wenn viele Esser in einem Haushalt sind", sagt Ostendorf und berichtet davon, dass anfangs vor allem junge Familien das Angebot genutzt haben.

Skepsis bei Bäckerkollegen

Mittlerweile sei es so, dass auch Senioren mitmachen. Und er habe immer wieder andere Unternehmer im Laden stehen, die das Prinzip testen wollten. "Ein bunt gemischter Haufen", nennt Ostendorf die Kunden. Viele Bäckerkollegen seien aber noch skeptisch.

Dabei spricht der Erfolg für den jungen Meitzendorfer. 2018 habe die Bäckerei Möhring mehr als 2.000 solcher Tüten verkauft. An manchen Tagen seien bis zu zehn "Too Good To Go"-Tüten über die Ladentheke gegangen. Man habe heute keine Reste mehr. Die App sei eine Bereicherung.

Mehr als 40 Teilnehmer im Land

Und das erkennen offenbar immer mehr Unternehmen. In Sachsen-Anhalt machen mehr als 40 mit. Vor allem in Magdeburg und Halle sind Supermärkte, Cafés, Restaurants oder Hotels dabei. Dass das Prinzip aber auch auf dem Land funktionieren kann, zeigt Marcus Ostendorf mit seiner kleinen Bäckerei in Meitzendorf.

Mario Köhne
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Über den Autor Mario Köhne kommt gebürtig aus dem Emsland und arbeitet seit Anfang 2017 als freier Journalist bei MDR SACHSEN-ANHALT. Er ist für den Hörfunk in der Nachrichtenredaktion und als Reporter unterwegs. Für das Studio Magdeburg berichtet er regelmäßig aus dem Landkreis Börde. Er schreibt außerdem für mdrsachsenanhalt.de. Bevor er zu MDR SACHSEN-ANHALT kam, arbeitete er als Radiojournalist im niedersächsischen Lokalfunk. Seine Lieblingsorte in Sachsen-Anhalt sind Schloss Hundisburg mit dem alten Steinbruch und das Elbufer in Magdeburg.

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Quelle: MDR/cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 19. August 2019 | 08:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. August 2019, 17:15 Uhr

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