Instagram-Erklärbauer aus der Börde Wie sich das Coronavirus auf die Arbeit von Landwirten auswirkt

Mario Köhne
Bildrechte: MDR/Olga Patlan

Als Ackerbauer hat sich Phillip Krainbring aus der Börde bei Instagram einen Namen gemacht. Rund 8.300 Menschen folgen ihm dort. Regelmäßig bloggt er zu aktuellen landwirtschaftspolitischen Themen. MDR SACHSEN-ANHALT hat den Landwirt gefragt, wie sich Corona auf seine Arbeit und die von Kollegen auswirkt.

Landwirt Phillip Krainbring
Landwirt Phillip Krainbring wird von Instagram-Nutzern gefragt, wie sich das Coronavirus auf seine Arbeit auswirkt (Archivbild). Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In der Woche, in der die drastischen Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus in Sachsen-Anhalt greifen, ist Phillip Krainbring viel draußen. Und der Ackerbauer zeigt seinen rund 8.300 Instagram-Followern genau, was er da macht. Denn Krainbring ist allein unterwegs und sitzt die meiste Zeit auf seinem Traktor. Er bringt Flüssigdünger aus. Es sei die beste Zeit dafür, weil die Pflanzen nach den frühlingshaften Tagen trocken seien. Der Landwirt aus Hohendodeleben in der Börde nutzt die Phase aus. In den Instagram-Stories ist auch zu sehen, wie er nachts auf den Feldern unterwegs ist. Die Erklärung liefert er direkt mit: Flüssigdünger und Regen vertragen sich nicht so gut.

Von Nutzern ist Krainbring gefragt worden, wie sich das Coronavirus auf seine Arbeit auswirkt. Der selbsternannte Erklärbauer antwortet mit Insta-Stories vom Traktor. Wie er erklärt, hat das Virus bisher keine direkten Auswirkungen auf seine Arbeit. Aber der Landwirt muss vorausplanen. Deswegen hat Krainbring bereits jetzt Betriebsmittel bestellt und besorgt, die er bis zur Ernte und zur Aussaat braucht. Dabei geht es vor allem um Saatgut, Verschleißteile oder auch Dünger. Besondere Probleme bereiten Pflanzenschutzmittel. Die darf der Landwirt nicht auf seinem Hof lagern. Deswegen versuche er heute schon, sich die Mittel beim Händler zu sichern, damit er eingedeckt sei und arbeiten könne. An der einen oder anderen Stelle mache es sich dann doch schon bemerkbar, dass die Logistik nicht mehr rund laufe.

Viele Bauern könnten Probleme bekommen

Erklärbauer Phillip Krainbring aus Hohendodeleben Börde
Phillip Krainbring ist viel draußen und zeigt seinen 8.300 Instagram-Followern genau, was er macht. Bildrechte: MDR/Mario Köhne

Krainbring baut Weizen, Gerste, Mais und Rüben an. Deswegen ist er nicht auf Arbeitskräfte angewiesen. Er dreht alleine auf seinem Traktor seine Runden über die Felder. Und auch auf dem Hof arbeitet er in der Regel allein. Eigentlich sollte auf dem Hof des Erklärbauern Schautechnik aufgestellt werden. Darauf wird aber nun wegen der Coronapandemie verzichtet. Krainbring erklärt auch, dass es Kollegen viel härter trifft. Er spricht von Spargelbauern, die bei der Ernte in den kommenden Tagen und Wochen Probleme bekommen könnten. Und von Obstbauern, die eigentlich bald die Erdbeeren pflanzen müssten. Auch bei den Gemüsebauern könne das Virus einiges durcheinanderbringen. Und bei Landwirten mit Tieren könnten die fehlenden Lagermöglichkeiten für Futter zu Schwierigkeiten führen.

Corona-Krise zeigt, wie wichtig heimische Produktion ist

Nach zwei Dürrejahren hatten Krainbring und die anderen Landwirte auf ein normales Jahr 2020 gehofft. Kann es das noch werden mit Corona? Krainbring hält die langfristigen Folgen für "schwer abschätzbar". Der Erklärbauer kann sich vorstellen, dass es am Ende in der Landwirtschaft zu Verzögerungen kommen könnte. Dafür müsste das Jahr aber bald normal weiter gehen. Gute Voraussetzungen dafür gebe es dank Corona: Viele Bauern hätten bei ihrer Arbeit viel mehr Ruhe als zum Beispiel die Menschen in den Jobs, die das öffentliche Leben aufrecht erhalten müssten.

Erklärbauer Phillip Krainbring aus Hohendodeleben Börde
Erklärbauer Phillip Krainbring aus Hohendodeleben in der Börde ist auf Instagram mit 8.300 Followern unterwegs (Archivbild). Bildrechte: MDR/Mario Köhne

In seinem neusten Instagram-Video kritisiert Krainbring auch Kollegen und deren Umgang mit der Coronakrise. "So eine Krise jetzt zu nutzen, um seine Agenda durchdrücken zu wollen und sich in den Vordergrund zu spielen, das finde ich nicht richtig", sagt der Erklärbauer dort. Im Großen und Ganzen könne die Branche normal weitermachen. Es werde so gearbeitet, als sei keine Krise da. Krainbring fordert: "Vielleicht heißt es jetzt mal, einen Schritt zurücktreten." Es gebe andere Berufsgruppen, die Übermenschliches leisteten, um das öffentliche Leben im Gange zu halten.

Zurzeit ist der Erklärbauer weiter damit beschäftigt, Dünger auf seinen Feldern auszubringen. Eines habe ihm Corona aber einmal mehr gezeigt, so Krainbring: "Wie wichtig die heimische Produktion ist" und welche Probleme es bringe, alles ins Ausland zu verlagern. Politik und Gesellschaft hätten das auch erkannt.

Mario Köhne
Bildrechte: MDR/Olga Patlan

Über den Autor Mario Köhne kommt gebürtig aus dem Emsland und arbeitet seit Anfang 2017 als freier Journalist bei MDR SACHSEN-ANHALT. Er ist für den Hörfunk in der Nachrichtenredaktion und als Reporter unterwegs. Für das Studio Magdeburg berichtet er regelmäßig aus dem Landkreis Börde. Er schreibt außerdem für mdrsachsenanhalt.de. Bevor er zu MDR SACHSEN-ANHALT kam, arbeitete er als Radiojournalist im niedersächsischen Lokalfunk.

Quelle: MDR/jr

1 Kommentar

Maschinist vor 20 Wochen

"Wie wichtig die heimische Produktion ist" und welche Probleme es bringe, alles ins Ausland zu verlagern. Politik und Gesellschaft hätten das auch erkannt.

Es ist nur schade, daß es dafür erst eine Krise in diesem Ausmaß braucht. Globalisierung ist billiger, macht uns aber auch ungemein abhängig. Im Hinblick auf Bergbau, Hütten- und Stahlwerke, Kohlekraftwerke und Atomkraftwerke stehen mir da schon seit längerem sämtliche Haare zu Berge. Wenn das wissen weg ist,(ich rede nicht von der Theorie), sind wir aufgeschmissen in der Not. Es muß Leute geben, die die Arbeit praktizieren.
Nichts wird man lernen. Der Gute Wille wird sich ausschleifen und dem schnöden Mammon geopfert werden. Das ist mein Blick in die Zukunft, denn ich lerne aus der Geschichte und sehe, daß die gleichen Fehler immer wieder gemacht werden. -Wohlan!

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