Bördekreis Nach teils rassistischer Büttenrede: Süplinger Narrenbund ist zusammengerückt

Mario Köhne
Bildrechte: MDR/Olga Patlan

Im Januar brachte eine in Teilen rassistische Büttenrede den Narrenbund im Bördedorf Süplingen bundesweit in die Schlagzeilen. Die Wogen haben sich gelegt. Die Karnevalszeit ist vorbei. Wie geht es den Karnevalisten nach dieser besonderen Session? Ein Besuch.

Bütt mit Eule.
Die Bütt, in der die schlagzeilenträchtige Rede gehalten wurde Bildrechte: MDR/Mario Köhne

"Schön war es nicht!" Mit diesen vier Worten begrüßt mich Narrenbund-Präsident Uwe Urban in Süplingen. Urban spricht von einer Büttenrede, die im Januar auf einer Festsitzung des Narrenbundes in Süplingen gehalten wurde. Rassistische Ausdrücke brachten den rund 80 Mitglieder starken Verein bundesweit in die Schlagzeilen. Urban hielt damals den Kopf hin, stellte sich den Fragen vieler Journalisten. Auch Polizei und Staatsanwaltschaft ermittelten, stellten ihre Untersuchungen aber ein, weil die Rede strafrechtlich nicht relevant gewesen ist. So hat es ein Polizeisprecher MDR SACHSEN-ANHALT bestätigt. Der Verein selbst hatte über den Fall direkt nach der Prunksitzung diskutiert. Urban hatte nach einer Aussprache die Vertrauensfrage gestellt und war von den Mitgliedern gebeten worden, vorerst im Amt zu bleiben.

Jetzt ist die Karnevalssaison vorbei. Erst am 11.11. geht es weiter. Im April wird bei den Süplingern ein neuer Vorstand gewählt. Direkt nach Bekanntwerden der Rede hatte Urban angekündigt, nicht wieder kandidieren zu wollen. Dabei bleibt es. Dem Verein will er aber die Treue halten. Der Hobbymusiker will sich künftig um das Musikprogramm kümmern. Und er möchte den "Dorfkrug" betreuen.

"Dorfkrug" als Treffpunkt

Dorfkneipe mit Theke.
Die Gaststätte im Dorfkrug: Sie ist Treffpunkt für die Menschen im Ort und wird vom Narrenbund betrieben. Bildrechte: MDR/Mario Köhne

Der "Dorfkrug" ist die alte Gaststätte mitten in Süplingen. 2018 sei der Wirt in Rente gegangen, erinnert sich Urban. Einen Nachfolger habe es nicht gegeben. In einem Dorf in der Altmark habe er gesehen, was passiert, wenn eine Gaststätte verkomme. Deshalb hat der Narrenbund mit seinen rund 80 Mitgliedern entschieden, den "Dorfkrug" selber zu übernehmen. Er ist nun keine Gaststätte mehr, sondern eine Art "Haus der Vereine".

Ein Treffpunkt ist er für die Menschen in Süplingen aber geblieben. Urban berichtet davon, dass der Chor im "Dorfkrug" probt. Die Volkssolidarität richtet Treffen für Senioren aus. Die Kegelbahnen nutzen die Kegler des Sportvereins für ihre Spiele. Und ab September beginnen dann wieder die Proben der Karnevalisten für die nächste Session. Denn die Gaststätte ist weiterhin auch die Zentrale für den Narrenbund.

Narrenbund wird weiter von Stadt Haldensleben unterstützt

Der "Dorfkrug" muss sich durch den "Dorfkrug" finanzieren. Deshalb können der Gaststättenraum und auch der große Saal für Feiern gemietet werden. Im Saal hat der Verein nach der Übernahme den Thekenbereich komplett erneuert. Wieviel Geld und Arbeitsstunden der Süplinger Narrenbund in das Projekt gesteckt hat? Das kann Urban nicht sagen, aber: "Seitdem wissen wir, was ein Wirt leistet." Er möchte zudem Kultur ranholen. Der "Dorfkrug" soll sich als Veranstaltungsort einen Namen machen. Nach der Büttenrede hatte die Stadt Haldensleben überlegt, die Unterstützung für den Narrenbund zu stoppen. Nach einer Prüfung ist davon abgesehen worden.

"Tragweite der Rede nicht bewusst"

Im großen Saal im Obergeschoss des "Dorfkrugs" ist Platz für bis zu 140 Personen. Dort hat auch der Narrenbund seine Prunksitzung gefeiert. Hinter der Bühne steht noch die Bütt, also das Pult, an dem die schlagzeilenträchtige Rede gehalten wurde. Wie genau es im Januar dazu kommen konnte, kann Urban heute auch noch nicht so richtig erklären. Vielleicht sei er einfach zu gutgläubig und zu blauäugig gewesen, so Urban. Die Tragweite der Witze sei ihm in dem Moment vielleicht nicht bewusst gewesen.

Mann steht in geschmücktem Saal.
Noch-Narren-Präsident Uwe Urban im Festsaal des Süplinger Dorfkrugs Bildrechte: MDR/Mario Köhne

Die Session habe man aber noch gut zu Ende gefeiert. "Mit einem lilalen Auge" sei der Verein aus der Sache herausgekommen, sagt Urban rückblickend, "das war schon deftig." Aber der Süplinger Narrenbund ist nach Ansicht seines Noch-Präsidenten gestärkt aus der Sache herausgegangen. "Der Verein ist zusammengerückt", schildert Urban: "Das ist letztendlich trotz dieses Mediensturms ein schönes Gefühl."

Mario Köhne
Bildrechte: MDR/Olga Patlan

Über den Autor Mario Köhne kommt gebürtig aus dem Emsland und arbeitet seit Anfang 2017 als freier Journalist bei MDR SACHSEN-ANHALT. Er ist für den Hörfunk in der Nachrichtenredaktion und als Reporter unterwegs. Für das Studio Magdeburg berichtet er regelmäßig aus dem Landkreis Börde. Er schreibt außerdem für mdrsachsenanhalt.de. Bevor er zu MDR SACHSEN-ANHALT kam, arbeitete er als Radiojournalist im niedersächsischen Lokalfunk.

Er ist selber kein Karnevalsfan, hat aber in der Karnevalshochburg Düsseldorf studiert.

Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 09. März 2020 | 16:40 Uhr

24 Kommentare

DER Beobachter vor 10 Wochen

Erst mal mit "Ich kenne die rede nicht kommen", und dann das Geplapper. "Wenn das Schimpfwort Rassist fällt, kann ich mir denken was das Thema war. Wie zu DDR-Zeiten... Zwischen den Zeilen lesen..". Ich denke mir immer öfter, dass diejenigen, die sowas raushauen, am allerwenigsten von der DDR begriffen haben und in der Lage sind, zwischen den Zeilen zu lesen - und zu verstehen. Thema Nr. 1 ist übrigens, wie unschwer hier auf dieser Seite schon im Auftakt zu erkennen, Corona. Netter Versuch, "Knute"!

DER Beobachter vor 10 Wochen

"GsD gibt es ehrliche unabhängige Medien, die in den Regionalzeitungen auf Seite 23 stöbern und zusammentragen, was jeden Tag für Verbrechen geschehen." Der war jetzt echt gut! Ach ja, ich denke, Sie wissen gar nicht, worum es geht, "Knute"?

Knute vor 10 Wochen

Das ist Politikversagen jeden Tag.
GsD gibt es ehrliche unabhängige Medien, die in den Regionalzeitungen auf Seite 23 stöbern und zusammentragen, was jeden Tag für Verbrechen geschehen.

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