Mehr Grün gefordert Oschersleben geht gegen Schottergärten vor

Kevin Poweska
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

In Oschersleben soll es zukünftig wieder mehr Grün und Pflanzen in den Vorgärten geben. Die Stadt möchte Schottergärten unterbinden. Ein generelles Verbot auf Landesebene ist derzeit aber nicht geplant.

Am Stadtrand von Oschersleben gibt es viele Schottergärten vor den Hauseingängen.
Die "Schottersiedlung" am Stadtrand von Oschersleben. Vor vielen Hauseingängen sind Kies und Schotter zu finden. Bildrechte: MDR/Kevin Poweska

Carsten Breier wohnt in Oschersleben am Stadtrand unweit des Seehäuser Wegs. Eine relativ neue Siedlung, die von Anwohnern der umliegenden Straßen auch gerne als "Schottersiedlung" bezeichnet wird. Auch Carsten Breier hat einen Vorgarten aus Schotter und Kies. Wenn es nach der Stadt geht, sollen diese Gärten aber schon bald der Vergangenheit angehören, erklärt Steffen Czerwienski, der stellvertretende Bürgermeister der Stadt.

In Plänen zukünftiger Baugebiete solle klargestellt werden, dass die Flächen vor dem Haus gärtnerisch zu nutzen seien. Wenn die Maßnahmen keinen Erfolg haben, werde die Stadt explizit über eine Regelung zur Vorgartengestaltung nachdenken, meint der stellvertretende Bürgermeister. Schottergärten würden keinen Beitrag zum Klimaschutz leisten – man brauche auch in Innenstädten eine Artenvielfalt von Insekten, Tieren und Pflanzen.

Von Grün zu Schotter – "weniger Aufwand"

Schottergarten
Schotter im Vorgarten ist in den letzten Jahren immer weiter zum Trend geworden. (Archivbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Dass diese Überlegungen generell da sind, kann ich schon verstehen", sagt Anwohner Carsten Breier. Er sei aber nicht dafür, dass so etwas auf den Weg gebracht werde. Jeder müsse selbst entscheiden können, was er mit seinem Vorgarten und seinem Grundstück mache, erklärt Breier. "Ich bin zwar nicht dafür, denke aber, dass die Stadt mit ihrem Vorhaben durchkommen wird", meint er. Änderungen in seinem eigenen Vorgarten schließt Breier aus. Für ihn sei der Hauptgrund für einen Schottergarten die einfachere Pflege gewesen.

Noch vor einem Jahr sah die Fläche vor dem Haus von Carsten Breier anders aus, berichtet er. Statt Schotter und Kies seien damals Erde, Büsche und Bäume in seinem Vorgarten zu finden gewesen. "Es ist jeden zweiten Tag Unkraut gewachsen und deswegen mussten wir dann auch jeden zweiten Abend ran. Man will ja auch, dass es optisch gut aussieht", meint Breier. Dieser Aufwand habe aber dazu geführt, dass bei ihm und seiner Lebensgefährtin schließlich die Entscheidung für Schotter und Kies vor dem Haus fiel.

Es ist weniger Aufwand und mit dem Schotter sieht es aus unserer Sicht besser aus.

Carsten Beier aus Oschersleben

Grüner Fleck der "Schottersiedlung"

Ein Mann arbeitet im Garten und schaut in die Kamera. Mit der Hand zeigt er ein "Peace - Zeichen".
Tim Blume arbeitet gerne mit Pflanzen im Garten als auch im Vorgarten. Bildrechte: privat

Ein paar Meter weiter ist Tim Blume zu Hause – und bei ihm ist der Name Programm. Auch er wohnt zwar in der sogenannten "Schottersiedlung", hat aber einen Vorgarten mit einer Vielfalt von Pflanzen. "Ein Vorgarten mit Pflanzen ist schön und hilft vor allem auch den Insekten", meint Blume. Für ihn sehen Vorgärten mit Erde und Pflanzen nicht nur optisch schöner aus, vielmehr macht es dem Oschersleber Spaß, dort auch zu arbeiten. "Schön wäre es schon, wenn etwas Rücksicht auf einen grünen Vorgarten genommen wird – aber man kann ja keinen dazu zwingen", meint Tim Blume, der seit etwa fünf Jahren in der "Schottersiedlung" lebt.

Weniger Aufwand und dafür Kies oder Schotter vor dem Haus – für Tim Blume ist dies keine Option. Auch sei die Siedlung erst in den letzten Jahren zu einer "Schottersiedlung" geworden. "Letzten Endes muss das jeder für sich entscheiden – wir sind alle alt genug und es ist halt auch Geschmackssache", sagt Tim Blume.

Ein Schottergarten ist für mich optisch nicht schön. Der Vorgarten soll leben.

Tim Blume aus Oschersleben

Oschersleben will Klimaschutz in den Fokus rücken

Ein Mann sitzt in Anzug im Büro und schaut in die Kamera.
Der stellvertretende Bürgermeister von Oschersleben, Steffen Czerwienski, hat selbst im Moment noch einen Schottergarten. Bildrechte: Stadt Oschersleben (Bode)

Das Thema Vorgärten ist für die Stadt Oschersleben gerade im Bezug auf Klimaschutz ein wichtiger Punkt. Der stellvertretende Bürgermeister Steffen Czerwienski meint, dass Schottergärten leblose Flächen sind – für Pflanzen und Tiere gleichermaßen. "Die Flächen heizen sich stärker auf als bepflanzte Flächen. Auch können Insekten, Pflanzen und Vögel solche Flächen nicht für sich nutzen", erklärt Czerwienski. Die Stadt möchte eine Artenvielfalt auch in den Vorgärten in Oschersleben sehen. Zudem sei auch die Wasserrückhaltung ein nicht zu unterschätzendes Thema.

Ein generelles Verbot von Schottergärten sei in Deutschland aber ein schwieriges Thema, erklärt Czerwienski. In Oschersleben möchte die Stadt ihr Vorhaben deswegen durch verschiedene Satzungen regeln. Für ein Verbot sei die Landesregierung gefragt.

Man sieht sich langsam satt an dem Grau.

Steffen Czerwienski, stellvertretender Bürgermeister von Oschersleben

Steffen Czerwienski hat selbst noch einen Schottergarten vor der Tür. Er erzählt, dass dieser schon beim Haus dabei gewesen sei. "Wir haben uns damals auch gefreut", meint Czerwienski. "Pflegearm und auf den ersten Blick immer ordentlich – bei zwei Kinder und berufstätigen Eltern ist das schon eine Erleichterung", sagt Czerwienski. Aber mit der Zeit bröckele die Wahrnehmung. Im Vorgarten müsse sich etwas ändern.

Land: Verbot nicht geplant

Abgeordnete sitzen im Sitzungssaal des Landtags.
Wenn es ein Verbot für Schotter und Kies in Vorgärten geben sollte, muss dies durch den Landtag beschlossen werden. Bildrechte: MDR/Katharina Buchholz

Sachsen-Anhalts Umweltministerium setzt sich für naturnahe und artenreiche Vorgärten ein. Ein Sprecher sagte MDR SACHSEN-ANHALT, ein gesetzliches Verbot von Vorgärten aus Kies und Schotter sei nicht geplant. Städte und Gemeinden könnten in ihren Bebauungsplänen aber Vorgaben zu den Vorgärten machen. Als erste Stadt in Deutschland hatte die Stadt Erlangen in Bayern Schottergärten verboten. Mittlerweile hat das Land Baden-Württemberg ebenfalls ein Verbot ausgesprochen. Auch andere Bundesländer, wie beispielsweise Thüringen, erwägen ein Verbot von Schottergärten.

Das Umweltministerium hat in diesem Jahr den Wettbewerb "Mut zum Grün – Rettet unsere Vorgärten" ausgerufen. Dazu gab es dem Sprecher zufolge mehr als 90 Einsendungen. Eine Bewertungskommission werde nun die Bewerber in Augenschein nehmen und die schönsten Vorgärten auszeichnen am 15. September auszeichnen.

Ähnliches plant auch die Stadt Oschersleben. Der Vorgarten und dessen Gestaltung solle in der Stadt wieder etwas in den Fokus geraten, erklärt der stellvertretende Bürgermeister Steffen Czerwienski. Dabei solle die Gestaltung des Vorgartens mehr definiert werden. "Verbote schließen wir aus. Deswegen haben wir überlegt, ein Programm für den schönsten Vorgarten auszuloben."

Schottergärten oder Grün? Diskutieren Sie mit!

Auch auf unserer MDR SACHSEN-ANHALT-Facebookseite sorgt die Bepflanzung der Vorgärten für Gesprächsstoff. So schreibt etwa Nutzer Jens Heinicke: "Ein gepflegter Schottergarten sieht auf jeden Fall besser aus als ein verunkrauteter, den keiner pflegt. Es gibt Leute, die haben kein Interesse oder auch keine Zeit dafür. Ralf Malzahn dagegen findet "die Steinwüsten einfach nur schrecklich."

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Kevin Poweska
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Kevin Poweska arbeitet trimedial im Funkhaus von MDR SACHSEN-ANHALT. Aktuell ist er im sechsten Semester seines Bachelor-Studiengangs Journalismus an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Während seines Studiums absolvierte er bereits ein Praktikum bei der Braunschweiger Zeitung. In seiner Freizeit ist Kevin gerne sportlich aktiv: Seine Hauptambitionen liegen in den Sportarten Basketball, Tennis und Fußball – aber auch da probiert er sich gerne immer wieder neu aus. Zudem ist er journalistisch sportlich voll dabei: Kevin führt einen Blog zu den Deutschen Tennisherren und steht dabei mit den Spielern für Postgame-Interviews in regem Kontakt.

Quelle: MDR/pow

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 07. September 2020 | 06:40 Uhr

6 Kommentare

Denkschnecke vor 6 Wochen

Mal ehrlich, ich darf auf meinem eigenen Grund und Boden auch nicht einfach (größere) Bäume fällen. Schon immer. Stichwort kommunale Baumschutzsatzung. Als Stadtkind könnte man wissen, dass das Zusammenleben vieler Bürger auf begrenztem Raum wie in einer Stadt durch gewisse Vorschriften geregelt werden muss, die erfahrungsgemäß immer irgendwer "unsinnig und zweifelhaft" findet.

Saxe vor 6 Wochen

Naja, es gibt Bebauungspläne. Dort wird auch vorgeschrieben, wie gebaut werden darf. Dachneigung, Anzahl der Stockwerke, teilweise Farbe der Dachpfannen.
Aber gesetzt, der Besitzer darf auf seinem Grund machen, was er will: Warum dürfen dann auf den Feldern keine Pestizide versprüht werden?
Mal im ernst: Felder dienen kommerziellen Interessen. Von daher hinkt Ihr Vergleich. Und was machen Besitzer von Schottergärten gegen Unkraut? Glauben Sie wirklich jeder krabbelt auf allen Vieren über die Steine und zieht die Gräser raus? Da wird genauso Chemie eingesetzt. Übrigens: Konzentrierte Salzlösung und Essig sind genauso schlimm.

Stadtkind vor 6 Wochen

Also wenn wegen der Schottergärten die Dinos aussterben bin ich sauer. Aber jetzt mal ehrlich, was soll diese unsinnige Diskussion. Auf unseren Feldern werden tonnenweise Pestizide versprüht aber die Vorgärten sollen naturbelassen sein? Dabei gehören auch Steine zur Natur. Übrigens gehört der Grund und Boden den Besitzern, von daher ist es zweifelhaft ob so etwas überhaupt rechtlichen Bestand haben dürfte. Warum legen die Städte und Gemeinden nicht grüne Oasen an anstatt Rasenflächen beständig auf Zentimeterniveau zu kürzen? Aber wahrscheinlich ist es einfacher seinen Bürgern mit unsinnigen und zweifelhaften Vorschriften zu konfrontieren.

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