Sauerstoffmangel See gekippt: Fischsterben in der Börde

Feuerwehreinsatz zur Rettung für Hunderte Fische im Landkreis Börde: In Meseberg war wegen der starken Temperaturschwankung ein See gekippt. Feuerwehrleute und Angler arbeiteten bei der Rettungsaktion zusammen. Doch für hunderte Tiere kam der Einsatz zu spät.

Tote Fische liegen im Schilf.
Für diese Fische kam jede Hilfe zu spät. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich

Im Landkreis Niedere Börde hat es am Montag eine spektakuläre Tierrettung gegeben. In Meseberg (Gemeinde Niedere Börde) war wegen der starken Temperaturschwankung ein See an der Plankener Straße gekippt. Rund 400 Fische verendeten aufgrund der plötzlichen Sauerstoffknappheit in dem Gewässer.

Zuvor war nach der starken Hitze der vergangenen Woche der Wasserpegel des Sees um zwei Meter zurückgegangen. "Großes Fischsterben", klagt Mike Poese vom Anglerverein Meseberg. Um die restlichen Fische zu retten, wurden seine Angler aktiv. "Wir haben auch lebende Fische umgesetzt." Zudem rückten die Angler mit Pumpen an. Doch deren Leistung reichte nicht aus, berichtet Poese. "Wir haben parallel dazu die zuständigen Behörden, wie zum Beispiel das Umweltamt informiert."

Feuerwehr rettet Fische

Vier Feuerwehrleute stehen an einem See und sprühen mit einer Maschine Wasser hinein.
Feuerwehrleute führen dem See Wasser zu. Dadurch soll der Sauerstoffgehalt steigen. Bildrechte: Tom Wunderlich

Schließlich musste die Feuerwehr ausrücken, um die Fische zu retten. "Wir haben bis in die späten Abendstunden insgesamt vier Pumpen parallel laufen lassen", berichtet Einsatzleiter Mathias Wolff, Wehrleiter der Feuerwehr Samswegen. Etwa 6.000 Liter Wasser pro Minute habe man somit aus dem See gepumpt und wieder zurückgeführt. Durch die Umwälzung des Wassers werde dem See Sauerstoff zugeführt. Das soll den verbliebenen Fischen neue Lebenskraft geben. "Wir haben sowas schon lange nicht mehr gehabt".

Ein Mann hockt vor einer Vielzahl toter Fische und hält einen besonders großen toten Fisch in beiden Händen.
Mike Poese vom Angerverein Meseberg vor einer Vielzahl toter Fische. Einen besonders großen Fisch hält er in seinen Händen. Bildrechte: Tom Wunderlich

Allerdings würden solche Einsätze regelmäßig trainiert, so der Einsatzleiter. Ungewiss blieb zunächst, wie viele Fische tatsächlich gerettet werden konnten. 24 Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren Meseberg und Samswegen kamen zum Einsatz, außerdem packten zahlreiche Angler mit an. "Wir haben sowas schon lange nicht mehr gehabt." Mike Poese zeigte sich optimistisch. "Wir können richtig beobachten, wie die noch lebenden Fische zu den Wasserfontänen hinschwimmen. Das ist eine deutliche Verbesserung." Man sei wirklich froh über jede helfende Hand, so der Mann vom Anglerverein. "So ein kleiner Dorfverein kriegt das alleine gar nicht gestemmt.

Ökologe macht für Gewässerprobleme intensive Landwirtschaft verantwortlich

Ökologe Ernst-Paul Dörfler
Der Ökologe Ernst-Paul Dörfler im Studio von MDR um 11. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Ökologe Ernst-Paul Dörfler machte im Interview mit MDR SACHSEN-ANHALT für die Gewässerprobleme auch die intensive Landwirtschaft verantwortlich. Dort werde zuviel gedüngt. Stickstoff-Dünger und Gülle gelangten über das Grundwasser in die Gewässer. "Der Wassermangel führt dazu, dass im Wasser mehr Düngestoffe sind." Algen würden in Massen im Wasser entstehen, dann absterben und Faulschlamm bilden und so den Fischen den Sauerstoff wegnehmen. Es handele sich um Folgen eines vernachlässigten Umweltschutzes, kommentierte Dörfler, der auch beim Bund für Umwelt- und Naturschutz aktiv ist.

Nach Dröflers muss der Faulschlamm aus Seen und Teichen herausgeholt werden. Das sei aber sehr aufwendig, da die Selbstreinigung nur im Fluss funktioniere. Außerdem müssten die Auswirkungen durch Tierhaltung, Gülle und chemische Düngemittel reduziert werden. Zum Beispiel durch ökologische Landwirtschaft.

Quelle: MDR/fw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | MDR SACHSEN-ANHALT | 03. September 2019 | 06:30 Uhr

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