Ehrung des Gemeinderates "Das ging ans Herz": Sporthalle in Völpke trägt nun den Namen von Gerhard Reimann

In Völpke im Landkreis Börde hat die Sporthalle einen neuen Namen. Sie heißt nun Gerhard-Reimann-Sporthalle. Der Gemeinderat will auf diese Weise den ehemaligen Sportlehrer der örtlichen Schule ehren. Gerhard Reimann initiierte 1954 nicht nur den Bau von Sportstätten in Völpke, sondern auch verschiedene Projekte. Ein bisschen verlegen macht ihn die Ehrung aber trotzdem.

Ein alter Mann steht vor einer nach ihm benannten Sporthalle in Völpke im Landkreis Börde.
In Völpke heißt die Turnhalle nun Gerhard-Reimann-Sporthalle – benannt nach einem, der sich um den Sport in dem Börde-Ort verdient gemacht hat. Bildrechte: MDR/Finn Schröder

Für seine 92 Jahre ist Gerhard Reimann noch fit. Daher fällt auch der kurze Weg aus seiner Wohnung über die Straße nicht schwer – der Weg zur Sporthalle in Völpke, die jetzt seinen Namen trägt. "Gerhard-Reimann-Sporthalle".

Bereits im vergangenen Jahr hatten Bürgermeister Kai Bögelsack und der Gemeinderat die Namensänderung der Sporthalle beschlossen, um das Wirken Gerhard Reimanns in Völpke zu ehren. Denn im Ort gibt es kaum etwas, was mit Sport und nicht mit Reimann zu tun hat. So auch die Sporthalle, deren Taufpate er nun ist.

Beim Blick aus dem Fenster plötzlich den Schriftzug gesehen

Von seinem Glück hat der ehemalige Sportlehrer erst erfahren, als er aus dem Küchenfenster schaute und den Schriftzug sah. Das hat ihn dann doch in Verlegenheit gebracht. "Für mich war es nicht ganz so leicht, denn ich habe dann doch überlegt: Hast du das wirklich verdient? Aber ich habe mich sehr gefreut, es wurde sehr gut aufgenommen. Die Feierlichkeiten gingen dann doch sehr ans Herz." Einige Bekannte beschwerten sich trotzdem bei ihm – allerdings nur, weil sie nichts von den Feierlichkeiten mitbekommen hatten. Gerne wären noch mehr Menschen gekommen, um ihm zu gratulieren. 

Hast du das wirklich verdient?

Gerhard Reimann
Ein betagter Mann steht vor einer nach ihm benannten Sporthalle in Völpke im Landkreis Börde.
Gerhard Reimann steht vor der nach ihm benannten Sporthalle in Völpke. Bildrechte: MDR/Finn Schröder

Der 92 Jahre alte Reimann hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Als angehender Sportlehrer stand er nach seinem Studium in Leipzig vor der Frage, in welchen Ort es denn für ihn im Kreis Oschersleben gehen soll – Gröningen oder Völpke? Reimann hatte da schon bestimmte Kriterien: "Gröningen war mir durch Fußball bekannt, da wollte ich nicht hin." Denn seine Begeisterung galt eher dem Turnen. Also radelte er nach Völpke. Dort angekommen, musste er sich erstmal mit den schwierigen Bedingungen arrangieren. Denn die Schule war zwar groß, aber Räumlichkeiten für guten und effektiven Sportunterricht rar gesät. "Die Sportanlagen waren ganz schlecht – es war keine Sporthalle, sondern nur ein Sportplatz da." Doch gerade das zog Gerhard Reimann nach Völpke.

Denn er hatte Lust, etwas aufzubauen.

"Da hab' ich gesagt: das ist ne Perspektive, die Möglichkeit nutzt du und gehst nach Völpke. Und die Freude, mal was aufzubauen, war in dem Moment gegeben." So ging es mit der Leichtathletik-Anlage los – vier Weitsprung-Gruben, zwei Hochsprung-Gruben, zwei Kugelstoßanlagen und eine Hindernisbahn. Ganz ohne Hindernisse lief Reimanns Anfangszeit in Völpke aber auch nicht. "Sie haben mich als Feldwebel bezeichnet, weil ich auf dem Sportplatz sehr laut sprechen musste." Aber auch hier wusste Reimann anzupacken. Bei einer Eltern-Beiratssitzung stellte er mit den Schülern ein Turnprogramm auf die Beine – und der Feldwebel war weg. 

Viel Zeit und Arbeit kostete ihn der Bau einer Sporthalle. Bis zur Fertigstellung dauerte es zehn Jahre, da Patenbetriebe gefunden werden mussten. Das Fundament legte Reimann auch zusammen mit seinen Schülern in Eigenregie – oft musste auch nach Feierabend noch gebuckelt werden.

Am Tag der Goldenen Hochzeit brannte die Sporthalle

Über zu wenig Arbeit konnte sich Reimann nicht beschweren. Denn außerhalb der Baustellen war er ja auch noch Sportlehrer. Ab 1959 führte er zu Beispiel einmal die Woche die "Frauengruppe" an, die bis auf 50 sportbegeisterte Damen anwuchs. 2001 war Reimann wieder dabei, als es an den Wiederaufbau der Halle ging. Just zum Tag der Goldenen Hochzeit Reimanns und seiner Frau fing das Gebäude Feuer. Heute sieht die Gerhard-Reimann-Sporthalle mit ihrem grün-grauen Außenanstrich schick und modern aus. "Ein echtes Schmuckstück", findet auch der Ur-Völpker.

Auch heute hält sich Gerhard Reimann noch sportlich fit. Jeden Tag beansprucht er seinen Körper eine halbe Stunde lang mit Kniebeugen und Dehnungs- oder Kräftigungsübungen. Er lebt sein Lehr-Motto noch immer vor: "Ich wollte die Jugend eigentlich immer nur überzeugen, Sport zu treiben. Und das ist auch sehr gut angekommen."

Der Schriftzug an der Fassade gegenüber von Gerhard Reimanns Wohnung zeigt das.

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 10. Juli 2020 | 16:30 Uhr

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