Integration Experte zu Konflikt in Bahrendorf: "Der Dialog ist der entscheidende Faktor"

Im Sülzetal bei Magdeburg hat sich ein Streit zwischen Anwohnern und zugezogenen Rumänen zugespitzt. Konkret geht es um Lärm und Müll auf dem Spielplatz im Ort Bahrendorf. Der Konflikt endete damit, dass den betroffenen rumänischen Familien den Ort nun wieder verlassen. MDR SACHSEN-ANHALT fragt Krysztof Blau, den Vorsitzenden des Beirats für Integration und Migration Magdeburg, wie es besser hätte laufen können.

MDR SACHSEN-ANHALT: Finden Sie, dass das Problem in Bahrendorf verlagert wird?

Krysztof Blau: Ich finde es grundsätzlich sehr traurig, dass sich die Situation so entwickelt hat und dass man keinen Konsens gefunden hat. Aus meiner Erfahrung ist der Dialog der entscheidende Faktor. Man sollte mit den Menschen reden und vor allen Dingen sollte man Menschen einbinden, die den Kulturkreis beziehungsweise die Sprache kennen, um eine Moderation auf Augenhöhe zu ermöglichen.

Unabhängig von der Kultur, ist es nicht immer so einfach einen Dolmetscher zu finden – ist das Land da vielleicht mehr in der Pflicht?

Aus meiner Erfahrung ist das Engagieren eines Dolmetschers nicht das Problem. Wir haben ja Agenturen, die alle Sprachen der Welt bedienen. Man muss nur diese Sensibilität haben, dass, wenn ich meine Botschaft überbringen will, ich ein Interesse daran haben muss, möglichst verständlich zu übersetzen. Es liegt in unserem eigenen Interesse, die Botschaft so zu vermitteln, dass die andere Person sie auch versteht.

Es gibt Situationen, in denen sich Menschen nicht gemeinsam an einen Tisch setzen wollen, weil vielleicht vorher schon zu viel passiert ist. Was gibt es dann noch für Möglichkeiten?

Es gibt Mediation. Das ist zwar ein neumodisches Wort, aber das hilft. Es gibt Migrantenorganisationen, die sich in Magdeburg und auch in Sachsen-Anhalt gegründet haben mit dem Ziel, zwischen neu dazugekommenen Menschen und Menschen, die schon hier leben, zu vermitteln. Das sind die Brückenbauer.

Deshalb sollte man überlegen, inwieweit man solche Organisationen in Integrationsprozesse einbindet. Ob in einer Großstadt oder im ländlichen Raum – unsere Erfahrungen zeigen, dass es notwendig ist, mit Menschen, die hier schon leben, diesen Erfahrungsaustausch auch weiter zu gehen.

Vielleicht sollte man die Probleme von Anfang an gar nicht erst entstehen lassen. Solche Konflikte entstehen, das sind ja Prozesse. Integration geschieht nicht über Nacht. Wir brauchen wirklich Ausdauer und viele Jahre, um zueinander zu finden. Das ist eine wechselseitige Anpassung, Verständigung und auch Wertschätzung, die man da aufbaut. Deshalb sollte man auch versuchen, sich möglichst zeitnah, wenn man merkt, dass irgendetwas nicht funktioniert, Gedanken machen, wie man hier moderieren kann.

Diese Probleme gibt es nicht nur in Bahrendorf, sondern beispielsweise auch in Magdeburg-Neustadt. Da gab es auch Verständigungsprobleme. Wie sieht es dort jetzt aus?

Ich denke, wir, also die Landeshauptstadt und die Initiative "Moritz hilft", haben das gemeinsam gut gepackt. Aber es hat gezeigt, wie wichtig die Informationsvermittlung ist. Je eher wir miteinander in der Sprache kommunizieren, die die Menschen verstehen, desto eher kommen wir zu einem Konsens. Natürlich ist das oberste Ziel des Integrationsprozesses, dass man Deutsch lernt, aber wir können ja nicht warten, bis die Menschen Deutsch lernen – mit unseren Informationen, die sie nachvollziehen können müssen. Zum Beispiel: Was ist die Hausordnung, was die Stadtordnung? Wenn wir da warten, bis sie das auf Deutsch verstehen, gehen natürlich Jahre rum.

Läuft es zwischen Menschen verschiedener Kulturen in der Neuen Neustadt jetzt besser?

Mein Eindruck ist, dass man durch die gesellschaftliche Solidarität, die man dort sehr schnell auf die Beine gebracht hat, auch ein Miteinander erzielt hat. Die Menschen sind sich näher gekommen und man redet miteinander. Ich habe einfach das Gefühl, dass Probleme auch verbinden. Und ich persönlich glaube, das hat für den Stadtteil einen positiven Effekt gebracht, weil man jetzt besser miteinander kommuniziert.

Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 08. Juli 2020 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

Rotti vor 4 Wochen

Der Fehler im System ist dass hier Leute Geld in die Hand bekommen, die noch nie hier gearbeitet haben. Und da meine ich alle.
Meiner Meinung nach dürften Leute, die nichts in die Steuerkasse eingezahlt haben, nichts bares bekommen. Auch kein Kindergeld. Nur Gutscheine, auf die wieder Gutscheine rausgegeben werden. Und das sollte für alle gelten. Geht in Italien beispielsweise prächtig.
Und so kommt es auch nicht, dass dann zum Beispiel Rumänien sich hier niederlassen, mit geschäftstüchtigem Hintergrund, die dann Selbständigkeiten kreieren. Und so wird auch nicht die halbe Welt mit deutscher Sozialhilfe versorgt. Die können dann Gutscheine verschicken.

Rotti vor 4 Wochen

Wenn Leute in woanders hinziehen, dann sollten sie Respekt vor denjenigen Menschen und den Zuständen haben, die sie dort antreffen.
Ich kenne das nicht anders und bin gut damit gefahren.
Das ist übrigens auf der ganzen Welt so.

jackblack vor 4 Wochen

Wechselseitige Anpassung- ich will mich nicht an bestimmte Kulturen anpassen.

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