Ein Polizeiauto steht im Tor des Paketdienstleisters Hermes.
Bei Hermes in Haldensleben haben zwei Todesfälle kurz hintereinander einen Großeinsatz der Feuerwehr ausgelöst. Bildrechte: dpa

Nach ersten Ermittlungen Zwei Tote: Polizei gibt Entwarnung für Hermes-Paketzentrum Haldensleben

Nach den noch ungeklärten Todesfällen beim Hermes-Versand in Haldensleben hat die Polizei am Mittwochabend Entwarnung gegeben. Die Arbeit wurde in der Nacht wieder aufgenommen. Die beiden Leichen werden nun obduziert.

Ein Polizeiauto steht im Tor des Paketdienstleisters Hermes.
Bei Hermes in Haldensleben haben zwei Todesfälle kurz hintereinander einen Großeinsatz der Feuerwehr ausgelöst. Bildrechte: dpa

Nach zwei Todesfällen im Hermes-Paketzentrum Haldensleben hat die Polizei am Mittwochabend Entwarnung gegeben. Nach Angaben eines Polizeisprechers wurde das Gelände umfangreich und akribisch untersucht. Es gebe keinerlei Hinweise auf gesundheitsgefährdende Stoffe.

Auf dem Gelände des Versandzentrums waren am Dienstag innerhalb weniger Stunden zwei Mitarbeiter gestorben. Die Leichen der beiden Männer sollen obduziert werden, um die genaue Todesursache zu ermitteln. Mit einem Ergebnis ist laut Polizei frühestens am Donnerstag zu rechnen.

Arbeitsstart verzögerte sich

Die Mitarbeiter von Hermes haben noch in der Nacht zu Donnerstag die Arbeit wieder aufgenommen. Das bestätigte der Geschäftsführer von Hermes Fulfilment, Andreas Stumpf, MDR SACHSEN-ANHALT. Zuerst hieß es, in dem Logistikzentrum solle zu Beginn der Spätschicht ab 14:30 Uhr wieder gearbeitet werden. Später hier es vom Unternehmen, man müsse erst die Ergebnisse der Spurensicherung abwarten.

Die Feuerwehr hatte am Mittwochmorgen ihren Großeinsatz beendet. Bis zu 160 Rettungskräfte waren zeitweise vor Ort im Einsatz. In dem Logistikzentrum ruht seit Dienstagabend die Arbeit. Voraussichtlich werde es zwei Tage dauern, um den entstandenen Arbeits-Rückstau abzuarbeiten. An dem Standort werden täglich 700.000 Artikel verschickt. Rund 300.000 Sendungen seien aufgrund des Betriebsstillstandes liegen geblieben. Die meisten Pakete werden von dem Anbieter Bon Prix verschickt.

Feuerwehr-Großeinsatz bei Hermes beendet

Feuerwehreinsatz im Hermes-Versandzentrum in Haldensleben
In Haldensleben im Landkreis Börde waren Feuerwehr und Polizei seit Dienstagabend im Großeinsatz. Zeitweise waren 160 Einsatzkräfte vor Ort. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich
Feuerwehreinsatz im Hermes-Versandzentrum in Haldensleben
In Haldensleben im Landkreis Börde waren Feuerwehr und Polizei seit Dienstagabend im Großeinsatz. Zeitweise waren 160 Einsatzkräfte vor Ort. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich
Feuerwehreinsatz im Hermes-Versandzentrum in Haldensleben
Grund waren zwei Todesfälle innerhalb kürzester Zeit in dem Versandzentrum. Die Mitarbeiter waren am Dienstag unter noch ungeklärten Umständen gestorben. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich
Feuerwehreinsatz im Hermes-Versandzentrum in Haldensleben
Um eine Kontamination auszuschließen, hatte die Feuerwehr einen Transporter auf giftige Schadstoffe untersucht. Darin war ein Fahrer verstorben. Stand Mittwochmorgen hat die Untersuchung keine nennenswerten Ergebnisse gebracht. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich
Großeinsatz der Feuerwehr bei Hermes in Haldensleben
Nachdem sämtliche Pakete geöffnet und untersucht wurden, wurde der Transporter abgeschleppt. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich
Feuerwehreinsatz im Hermes-Versandzentrum in Haldensleben
Das Versandzentrum wurde evakuiert. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich
Großeinsatz der Feuerwehr bei Hermes in Haldensleben
Gearbeitet wird bei Hermes in Haldensleben auch am Mittwochvormittag vorerst nicht. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich
Ein Absperrband ist vor einem Eingang des Geländes des Versandzentrums von Hermes in Haldensleben gespannt
Laut Geschäftsführer soll am Mittwochabend wieder in dem Versandzentrum gearbeitet werden. Bildrechte: dpa
Ein Absperrband ist vor einem Eingang des Geländes des Versandzentrums von Hermes in Haldensleben gespannt, davor stehen Mitarbeiter der Frühschicht
Spezialisten der Berliner Polizei unterstützen die Ermittlungen. Es gehe darum, das Risiko für medizinisches Personal bei einer Obduktion der Toten zu minimieren, sagte ein Polizeisprecher. Bildrechte: dpa
Feuerwehreinsatz im Hermes-Versandzentrum in Haldensleben
Die Polizei war am Dienstag stutzig geworden, nachdem in kurzer Zeit zwei Todesfälle aus Haldensleben gemeldet worden waren. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich
Einsatzkräfte der Feuerwehr in ABC-Ausrüstung
Inzwischen verdichten sich die Hinweise, dass die beiden Todesfälle wegen einer Verkettung unglücklicher Umstände zustande gekommen sind. Beide Mitarbeiter hatten laut Polizei jedenfalls beruflich nichts miteinander zu tun. Auch haben sie nicht dieselben Pakete in den Händen gehabt.

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 15.10.2019 | 21:00 Uhr

Quelle: MDR/ld
Bildrechte: MDR/Matthias Strauß
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Hermes-Paketzentrum in Haldensleben

Im Hermes Paketzentrum in Haldensleben werden Warensendungen sortiert und bearbeitet. Das Logistikzentrum liegt etwa 30 Kilometer nordwestlich von Magdeburg und ist, laut Unternehmen, eines der europaweit größten seiner Art.

Am Standort Haldensleben werden etwa 3.000 Mitarbeiter beschäftigt und jährlich bis zu 200 Millionen Artikel bearbeitet. Hermes gehört wie unter anderem der Versandhandel Baur und Bon Prix zur Otto-Group.

Was ist passiert?

Einsatzkräfte der Feuerwehr in ABC-Ausrüstung
Spezialisten der Feuerwehr haben das Gelände auf giftige Stoffe untersucht. Bildrechte: MDR/Matthias Strauß

Am Dienstag waren zwei Mitarbeiter des Hermes-Verteilzentrums in Haldensleben gestorben. Ein 58-jähriger Mann war am Dienstagmorgen kurz vor 1 Uhr auf dem Gelände zusammengebrochen. Ein zweiter Mann, ein 45-Jähriger, war am Nachmittag gegen 16 Uhr tot am Steuer seines Zustellfahrzeugs gefunden worden.

Außerdem ist am Dienstagvormittag ein weiterer Hermes-Mitarbeiter, ein 42-Jähriger, plötzlich zusammengebrochen.

Die Polizei sperrte das Hermes-Gelände ab, der Betrieb vorläufig still gelegt. Mitarbeiter wurden nach Hause geschickt.

Wie ist der Stand der Ermittlungen?

Bisher geht die Polizei von einer Verkettung von Zufällen aus. Erste Untersuchungen eines Rechtsmediziners hätten "keine Hinweise auf Zusammenhänge zwischen beiden Todesfällen und keine spezifischen Hinweise auf Vergiftungserscheinungen" ergeben. Außerdem hätten beide Verstorbenen an unterschiedlichen Stellen in dem Werk gearbeitet und nicht die gleichen Pakete in den Händen gehabt.

Was weiß man zum Tod des 58-Jährigen?

Der 58-jährige Mann war auf dem Gelände am Dienstagmorgen um 1 Uhr zusammengebrochen. Bei einer ersten Untersuchung ging der Notarzt von einem natürlichen Tod aus. Er starb laut Polizei vermutlich an einem Herzinfarkt.

Was wurde über den Tod des 45-Jährigen herausgefunden?

Bei dem 45-jährigen Lieferwagenfahrer ist die Todesursache noch unklar. Die Untersuchung des Transporters auf eine Kontamination mit giftigen Stoffen habe einige Stunden gedauert, so die Polizei. Sämtliche Pakete mussten geöffnet werden.

Was weiß man über die plötzliche Krankheit des 42-Jährigen?

Laut Hermes Geschäftsführer Andreas Stumpf hat der 42-Jährige Mitarbeiter eine Krankheitsvorgeschichte. "Der ist überhaupt nicht schwer verletzt. Der hatte einen epileptischen Anfall." Es sei nicht das erste Mal, dass so etwas vorkommen, so Stumpf. Dem Mitarbeiter gehe es wieder gut.

In ersten Meldungen war die Rede von einer plötzlichen Erkrankung oder sogar einer schweren Verletzungen des Mitarbeiters.

Wurden Gifte gefunden?

Nach Angaben der Polizei hat die Feuerwehr den Lieferwagen auf giftige Stoffe untersucht. Ein Gerät habe sehr kleine Mengen eines handelsüblichen Stoffs angezeigt, der in großen Mengen gefährlich sein könnte. "Die Dosis, die man braucht, um zu sterben, wurde nicht erreicht", sagte ein Sprecher. Auch das Gelände wurde umfangreich und akribisch untersucht, es gab aber keinerlei Hinweise auf gesundheitsgefährdende Stoffe.

Quelle: MDR,dpa,afp/mp,cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 16. Oktober 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Oktober 2019, 04:45 Uhr

5 Kommentare

SHK vor 3 Wochen

Na klar,natürlicher Tod,aber durch den Stress ,weil keine Rücksicht auf Gesundheit genommen wird,wenn es nach der Arbeit passiert wäre,hätte niemand nur ein Wort darüber verloren.Aber dieses minus was nun Hermes entstanden ist,muß das arme Fußvolk nun aufholen....bei DHL ist es nicht anders,werden Mitarbeiter krank,muß der Rest übertragen bis zum Umfallen....Kapitalismus pur...

part vor 3 Wochen

Tod durch totarbeiten kann leider keine Obduktion ans Tageslicht bringen aber wohl die Zollbehörde und Gewerbeaufsicht durch Ermillungen wegen Verstößen gegen das Bundearbeitszeigesetz.

Wenzel vor 3 Wochen

In unserem Hausflur war auch mal ein Hermes-Paketbote am Freitagnachmittag ohnmächtig zusammengebrochen. Riesige Platzwunde am Kopf, Erste Hilfe geleistet, Krankenwagen gerufen ... das volle Programm. Am Montag sah ich den Mann mit einem riesigen Kopfverband wieder Pakete ausfahren und das Paket zustellen, was er am Freitag nicht geschafft hatte.
... nur eine Verkettung von unglücklichen Umständen

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