Training in der Coronazeit Wie der Sport im Land wieder zum Leben erwacht

Sören Thümler
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Nach der Corona-Zwangspause erwachen die Sportvereine im Land nach und nach wieder zum Leben. Sie alle müssen sich neuen Regeln unterwerfen, um trainieren zu können. Mit Kreativität und Optimismus soll das gelingen.

Füße in Turnschuhen
Viele Vereinsmitglieder im Land warten darauf, endlich wieder mit ihren Sportgruppen aktiv werden zu können. (Symbolbild) Bildrechte: colourbox

In den rund 3.100 Sportvereinen des Landes stand der Sportbetrieb wochenlang still. Die Verantwortlichen in ganz vielen Vereinen hatten sich aber Gedanken gemacht, wie der Sport trotz der Auflagen möglich sein wird. Denn überall müssen Abstands- und Hygieneregel beachtet werden. Bislang darf nur im Freien und in kleinen Gruppen trainiert werden. Wettkämpfe, insbesondere in Kontaktsportarten bleiben noch länger verboten.

Für einige Sportarten, gerade in den Mannschaftsspielen macht das natürlich eine komplette Umstellung des Trainingsbetriebes nötig. Kleingruppentraining bei Jugendmannschaften, die etwa einen ehrenamtlichen Trainer haben, ist nach wie vor eine kaum zu bewältigende Herausforderung. In anderen Sportarten konnten die vorbereiten Konzepte schon gut umgesetzt werden.

Reha- und Gesundheitssport mit ganz besonderer Bedeutung

Sport hält fit und gesund. Doch darauf mussten in den letzten Wochen auch die Mitglieder der rund 160 Rehabilitationssportvereine in Sachsen Anhalt verzichten. Und gerade hier, bei Vorerkrankungen oder einer Anschlussbehandlung, kommt dem Sport ja noch eine weitere Bedeutung zu. Deswegen war der Ausfall besonders dramatisch. Beim Verein für Sporttherapie und Behindertensport 1980 Magdeburg war man sich der Verantwortung bewusst und hatte schon seit Wochen Konzepte zur schrittweisen Rückkehr zum Sportbetrieb erarbeitet. Seit 18.Mai laufen nun die täglichen Kurse auf dem Außengelände neben dem Vereinshaus.

Keine coronabedingten Kündigungen

Der mit über 2.600 Sporttreibenden mitgliederstärkste Verein im Behinderten- und Rehabilitationssportverband Sachsen-Anhalts kann nun erste Angebote für die unterschiedlichen Sportformen anbieten. Dabei profitiert er auch vom Rückhalt seiner Mitglieder, berichtet Geschäftsführer Jörg Möbius:

Der Gerschäftsführer des Rehabilitationssportverbandes auf einem Sportplatz
Bildrechte: MDR/Sören Thümler

Wir hatten in den letzten Monaten nur ganz wenige coronabedingte Kündigungen von Mitgliedern. Diese Solidarität ist toll und Motivation, weiter für unsere Sportlerinnen und Sportler da zu sein.

Jörg Möbius, Geschäftsführer Verein für Sporttherapie und Behindertensport 1980 Magdeburg

Die Verantwortung für die Mitglieder wird beim VSB besonders beachtet: Spezielle Sportgruppen mit Haupterkrankungen wie die Herzgruppe oder Sport mit Atemwegserkrankungen dürfen zum Beispiel noch nicht starten. Hier wird sich der Verein in Beratung mit den Vereinsärzten ein Konzept überlegen, wie es nach Pfingsten mit den ersten Gruppen aus diesen Risikobereichen losgehen kann.

Tennis plant Wettkampfbetrieb unter besonderen Bedingungen

Auch auf den Tennisplätzen im Land kann seit Anfang Mai wieder trainiert werden. Der Tennisverband Sachsen Anhalts hat seine Mitglieder befragt und herausgefunden, dass ein Spielbetrieb erwünscht ist. Er hat deshalb für dieses Jahr die Durchführung einer "Übergangssaison" mit Start am 8. Juni beschlossen, die sich streng nach den behördlichen Vorgaben richtet, unter anderem mit den vorgeschriebenen Hygiene- und Abstandsregelungen.

Eine Gruppe macht Sport an der frischen Luft
Lange war Sport im Verein, wenn überhaupt, nur unter freiem Himmel möglich. Bildrechte: MDR/Sören Thümler

Die Regelung schließt damit auch die Gastronomie, die sanitären Anlagen, die Anreise zum Punktspiel und eventuell das Tennis-Doppel ein, das nach derzeitiger Verordnung nicht gespielt werden darf. Zudem muss die Freigabe zum Wettkampfsport in einer neuen Verordnung ermöglicht werden.

Viele neue Regelungen

Eine Frau aus einem Tennissportverein auf einem Sportplatz
Katrin Lenk vom MTC Germania: "Wir haben für unsere Anlage ein Hygienekonzept entwickelt." Bildrechte: MDR/Sören Thümler

Auch die Aktiven beim MTC 1926 Germania in Magdeburg, wo rund 200 Menschen regelmäßig Tennis spielen, wissen nun, wie es weitergehen könnte. Der Verein hat sehr schnell für seinen Alltag eine Corona-Handlungsempfehlung für die Freiluftsaison verfasst.

In der steht unter anderem: Alle Mitglieder müssen sich in eine Liste eintragen und mit Unterschrift die Anerkennung Handlungsempfehlungen bestätigen.

Corona-Infizierte und Menschen, die corona-artige Symptome zeigen, dürfen die Anlage nicht betreten. Das Clubhaus und die Gastronomie bleiben geschlossen. Solange der Mindestabstand gewahrt bleibt, können maximal vier Personen sowie eine Trainerin oder ein Trainer auf den Platz.

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Beim Verein zeigt man sich froh. "Es war ein schönes Gefühl, den Schläger zu nehmen und einfach wieder zu spielen", sagt Katrin Lenk vom MTC Germania. "Wir haben für unsere Anlage ein Hygienekonzept entwickelt, mit dem wir alle Auflagen erfüllen können. Beim Doppel müssen wir dann auf das Abklatschen verzichten." Vieles ist also auch im Tennissport neu. Aber um endlich wieder aktiv zu sein, sind auch diese Regeln für die Tennisspielerinnen und Spieler sicher das kleinere Übel.

Mit der neuen Landesverordnung wird für den Sport im Land noch mehr möglich: In den kommenden Wochen soll auch das Training in Sport- und Schwimmhallen wieder erlaubt werden. Bisher war das nur auf Sportanlagen im Freien gestattet. Eine Genehmigung der örtlichen Gesundheitsbehörde ist für den Betrieb einer Sportstätte weiterhin erforderlich.

Sören Thümler
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Über den Autor
Sören Thümler arbeitet seit 2010 im Studio Magdeburg und der Sportredaktion von MDR SACHSEN-ANHALT. Sein Ursprungsziel, einmal Lehrer für Deutsch und Sport zu werden, hat er dem Radio zu Liebe aufgegeben. Seine Interessensschwerpunkte sind die Magdeburger Lokalpolitikpolitik und das Sportgeschehen rund um unsere Vereine in Sachsen Anhalt.

Nebenbei engagiert er sich als Projektleiter des Audio-Angebotes für Blinde und Sehschwache beim 1.FC Magdeburg und ist Vorstandsmitglied der Stiftung Behindertensport des Landes Sachsen-Anhalt. In seiner Freizeit zieht es ihn immer wieder in den Norden Großbritanniens, wo er auch eine Zeit lang zuhause war.

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Quelle: MDR/mg

MDR SACHSEN-ANHALT

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