500-jähriges Domjubiläum Dieser 3D-Künstler aus Magdeburg setzt den Dom in ein neues Licht

Kevin Poweska
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

3D-Künstler Stefan Haberkorn wollte schon lange seine Lichtbilder an den Magdeburger Dom projizieren. Anlässlich des 500. Domjubiläums bekommt er vom 27. September bis zum 4. Oktober erstmals diese Möglichkeit. Fast ein dreiviertel Jahr habe es gedauert, das aktuelle Projekt "Magdeburg in Light" zu kreieren. Andere Projekte würden zum Teil in wenigen Wochen fertig werden.

Visual Impressions: Dom von vorne mit Lichtvisualisierungen an der Fassade an der Seite mit den beiden Türmen
In der Zeit vom 27. September bis zum 04. Oktober gibt es am Magdeburger Dom 3D-Visualisierungen zum Anschauen. Bildrechte: Visual Impression

Seit über über 15 Jahren macht Stefan Haberkorn bereits 3D-Visualisierungen mit Licht. Er erzählt, dass er damit einer der Ersten in Deutschland gewesen sei, der dies auch als eine Kunstform betrachtet habe. "Heute ist das gang und gäbe", meint Haberkorn.

Ein Mann guickt in die Kamera und steht vor der Seite mit den Türmen am Magdeburger Dom
Stefan Haberkorn macht seit über über 15 Jahren 3D-Visualisierungen mit Licht. Bildrechte: MDR / Kevin Poweska

Er hatte eigentlich gelernt, mit verschiedenen Methoden zu malen und wollte dann schließlich Kunst in Halle studieren. "Über tausend Umwege bin ich dann nach Magdeburg zum Architektur-Studium gekommen", erklärt Haberkorn seinen Werdegang. Einer der Gründe sei auch die treibende Kraft seines Vaters gewesen. "Mach was Vernünftiges", nur ein Kommentar, der den angehenden Studenten in Richtung Architektur gebracht haben.

Über die Entscheidung, doch Architektur statt Kunst zu studieren, ist der 42-Jährige heute sehr froh. Im Studium hatte er dann auch erste Berührungspunkte mit 3D-Visualisierungen. "Von Fußballstadien bis Kirchen – eigentlich haben wir alles in 3D visualisiert, was man sich vorstellen kann." Für ihn sei dies aber nur der Anfang gewesen. Schnell habe er überlegt, was man noch alles daraus machen kann. Und so kam er dann eines Tages zu dem Entschluss: "Mit 3D kann ich doch auch Bilder malen."

Der etwas andere 3D-Künstler

Ein Mann guckt in die Kamera und steht vor der langen Seite des Magdeburger Doms
Stefan Haberkorn mag den Magdeburger Dom schon seit vielen Jahren. Bildrechte: MDR / Kevin Poweska

Normalerweise sei der Arbeitsalltag als 3D-Künstler eher eintönig. "Eigentlich sitze ich als 3D-Künstler zu 99 Prozent vor dem Computer", meint Stefan Haberkorn. Die Freude der Kunden könne er von dort aus aber leider nie wirklich sehen. Er habe schnell gemerkt, dass er daran etwas ändern möchte. Und das tat er dann auch und ging mit seinen Projekten aktiv in Magdeburg vor die Tür: "Wir waren mit die Allerersten. Da gab es zum Beispiel "Berlin leuchtet" noch gar nicht und wir haben schon kleine Projekte mit ganz normalen Beamern gemacht", erzählt Haberkorn. Mit der Zeit habe sich 3D langsam auch als Kunstform entwickelt – und da war für Stefan Haberkorn schnell klar: "Wir machen Projektionen auf Häuserfassaden und spielen mit der Magie."

Von Magdeburg nach Berlin und wieder zurück

Eine Videoinstallation projiziert Herzen auf das Brandenburger Tor in Berlin
Das Lichterfest in Berlin zieht jährlich Tausende auf die Straßen. Bildrechte: MDR/André Plaul

Er probierte sich aus und schnell habe sich gezeigt, dass diese Art der Visualisierung gut bei den Leuten ankomme, berichtet Haberkorn. Und so zog es ihn nach Berlin, wo er in weitaus größeren Dimensionen mit Licht gestalten konnte: ob am Brandenburger Tor, an der Siegessäule oder auf dem Leipziger Platz. Markante Orte in Berlin wurden von Haberkorn und dem Projekt "Berlin leuchtet" mit 3D-Visualisierungen bestückt.

Schnell habe er daraus auch ein eigenes Projekt für sich gesehen. "Ich habe mir gedacht: Eigentlich brauchen wir sowas auch in Sachsen-Anhalt – eben in Magdeburg." Warum nicht der Dom? Nun kam, neben seiner Verbundenheit zur Landeshauptstadt, ein neues Argument aus Sicht eines berufserfahrenen 3D-Künstlers hinzu: die Größe der Fläche. Denn: Je größer die Fläche, desto mehr Möglichkeiten gibt es, diese zu gestalten.

Für mich ist das hier am Magdeburger Dom besser als das Brandenburger Tor oder die Siegessäule.

Stefan Haberkorn, Initiator der Domvisualisierungen

Der Dom – ein ganz besonderes Projekt

Visual Impressions: Der Magdeburger Dom an der Westseite mit den Türmen und Lichtvisualisierungen an der Fassade
So oder ähnlich könnte der Dom erstrahlen. Bildrechte: Visual Impression

Für Stefan Haberkorn und sein gegründetes Unternehmen "Magdeburg in Light" seien die diesjährigen Domfestspiele ein idealer Grund gewesen, um ein Projekt mit dem Magdeburger Dom zu realisieren.

Fast ein dreiviertel Jahr habe es gedauert, dieses Projekt zu planen, erzählt Haberkorn. Andere Projekte würden zum Teil in wenigen Wochen fertig werden.

Ich kriege eine Gänsehaut – alleine, wenn ich darüber nachdenke, wie das aussehen wird. Wenn man das erste Mal das Ergebnis sieht, dann ist das schon ein tolles Gefühl. Da steckt einfach so viel Arbeit drin und deswegen tut das dann richtig gut.

Stefan Haberkorn

Haberkorn baue nicht – wie beispielsweise der Künstler Caspar David Friedrich – die einzelnen Instrumente auf einer Leinwand zusammen. "Ich setze mich vor den Rechner, packe zum Beispiel den Stein da hin, wo ich ihn hin haben möchte, und baue mein Werk nach und nach räumlich auf", erklärt Haberkorn seinen Arbeitsablauf als 3D-Künstler. Dies sei ähnlich wie das, was Künstler mit ihrer Fantasie im Bild machen würden – bloß, dass er es eben mit dem Computer im 3D-Raum mache.

Das Blöde ist: Man hat am Ende kein echtes Bild in der Hand – eben nur ein digitales. Und bei digitalen Bildern ist die Wertschätzung bei den Menschen nicht so hoch. 

Stefan Haberkorn

3D-Animationen: Mit "Star Wars" fing alles an

Eine Science-Fiction Reihe hat aus Sicht von Stefan Haberkorn die 3D-Szene geprägt wie keine zweite: "Star Wars" – speziell von den Episoden eins bis drei. "Star Wars hat 3D-Visualisierungen auf eine ganz andere Ebene gebracht", meint der 42-Jährige, der "Star Wars" schätzt, aber selbst nicht unbedingt ein großer Fan ist. Es seien zum Beispiel die Raumschiffe, die in der 3D-Visualisierung real wirkten. "Die haben sich 1.000 Sachen überlegt, wie sie das realisieren können", meint der 3D-Künstler.

Kevin Poweska
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Kevin Poweska arbeitet trimedial im Funkhaus von MDR SACHSEN-ANHALT. Aktuell ist er den letzten Zügen des Bachelor-Studiengangs Journalismus an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Während seines Studiums absolvierte er bereits ein Praktikum bei der Braunschweiger Zeitung.

In seiner Freizeit ist er gerne sportlich aktiv: Seine Hauptambitionen liegen in den Sportarten Basketball, Tennis und Fußball – aber auch da probiert er sich gerne immer wieder neu aus. Zudem ist er journalistisch sportlich voll dabei: Kevin Poweska führt einen Blog zu den Deutschen Tennisherren und steht dabei mit den Spielern für Postgame-Interviews in regem Kontakt.

Quelle: MDR/pow

Dieses Thema im Programm: MDR vor Ort | 06. Juni 2020 | 16:00 Uhr

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