Chirurgen bei Operation
Silvester 2016/2017 endete für Julian Stephan mit einer Not-OP. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Silvester-Unfall Zweite Chance nach Böllerexperiment

In der Silvesternacht haben Handchirurgen viel zu tun. Zum Jahreswechsel 2016/17 musste in der Magdeburger Uniklinik Julian Stephans Hand operiert werden. Ein Böller war sofort nach dem Zünden explodiert. Inzwischen kann der junge Mann wieder arbeiten, die Behandlung läuft aber noch immer.

von Annette Schneider-Solis, MDR SACHSEN-ANHALT

Chirurgen bei Operation
Silvester 2016/2017 endete für Julian Stephan mit einer Not-OP. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

An Autos schrauben – das ist Julian Stephans Ding. Schon als Kind hat er davon geträumt, Mechatroniker zu werden. Mit 16 klappte es mit einer Lehrstelle in Schönebeck. Doch dann kam Silvester 2016, und mit dem Traum wäre es fast vorbei gewesen. Julian feierte den Jahreswechsel mit Freunden. Vorher hatten sie noch Böller besorgt. Böller, die richtig schön laut knallten – aus Tschechien. Gegen Mitternacht hantierten die Teenager mit den Knallern, und dann passierte es.

"Der Böller ist sofort nach dem Zünden explodiert", erinnert sich Julian. "Wir waren alle erschrocken, sind rein und haben den Rettungsdienst gerufen." Julians Hand war ein blutiges Etwas, schmerzte trotz des Schocks. Mit Blaulicht und Martinshorn ging es in die Notaufnahme des Universitätsklinikums in Magdeburg, wo das Handzentrum über den Zugang informiert wurde.

Dort bereitete sich Oberarzt Armin Kraus auf eine Operation vor. Nach dem Röntgen stand fest: Julians Hand war nicht nur oberflächlich verletzt. Auch die Knochen hatten etwas abbekommen und natürlich die Gefäße. Im OP säuberte Dr. Armin Kraus die Wunde. Unter dem Röntgengerät trieb er einen Draht in den Zeigefinger, um den Knochen zu stabilisieren. Zwei Stunden dauerte das.

So ein Unglück ist kein Einzelfall

Junger Mann hält Werkzeug
Inzwischen kann Julian wieder arbeiten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Solche Verletzungen haben wir immer wieder", resümiert der Oberarzt, der auch in diesem Jahr Dienst in der Plastischen, Ästhetischen- und Handchirurgie hat. "Illegale Böller verursachen schwere Sprengverletzungen – kombiniert aus Verbrennungen, Druckverletzungen und großflächigen Gewebezerstörungen. Nicht immer können wir Finger oder Hand retten."

Als Julian im Krankenhaus wieder aufwachte, die rechte Hand in einem dicken Verband, da war nicht klar, ob er jemals in seinem Traumberuf als Mechatroniker arbeiten würde. "Wenn man dann so im Krankenhaus liegt und die ganze Hand komplett verbunden ist, wird einem klar, dass es einem das ganze Leben versauen kann", erzählt er.

Meine ganze Hand hätte weg sein können.

Julian Stephan über sein Böller-Unglück

Noch immer in Behandlung

Dreieinhalb Monate lang war Julian krankgeschrieben, immer wieder musste er nach Magdeburg zur Behandlung, die bis heute nicht abgeschlossen ist. Die Lehrstelle war futsch, Julians Traum zerplatzte wie eine Seifenblase. Er suchte nach einem neuen Betrieb, fand einen, absolvierte ein Praktikum. Und verletzte sich den Finger, dessen letztes Glied ohnehin steif geblieben ist nach dem Böllerunfall.

Für Betriebsleiter Mandrin Krietsch nicht gerade eine Empfehlung, doch er gab dem Jugendlichen eine zweite Chance in seinem Autohaus. Dort werden auch LKW repariert, wo Julian trotz seines Handicaps gute Chancen hat, als Mechatroniker seinen Berufswunsch realisieren zu können. Im Sommer hat er in dem Schönebecker Autohaus zum zweiten Mal eine Ausbildung zum Mechatroniker begonnen. Dass ihm diese Arbeit Spaß macht, sieht man ihm an. Er will seine Chance nutzen.

Aus der Sache gelernt

Silvester in diesem Jahr? Es wird garantiert knallerfrei. "Ich mache mit meiner Freundin einen Filmabend", verrät Julian. Auch seine Freunde werden wohl die Finger von Knallern lassen. Was Julian im vorigen Jahr passiert ist, war auch für sie ein heilsamer Schock.

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Quelle: MDR/kb

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 30. Dezember 2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. Dezember 2017, 09:25 Uhr

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6 Kommentare

31.12.2017 22:11 Tim 6

"Jedes Jahr das gleiche Spiel, das Leute durch nicht zugelassenen Feuerwerkskörper und Böller verletzt, sogar schwer verletzt werden. Ändern tut sich nichts.
Damit sollte der Staat reagieren und die Behandlungs- und OP-Kostenkosten für solche durch Leichtsinn und auch Vorsatz herbeigeführten Verletzungen den betreffenden Personen in Rechnung stellen und die Krankenkassen und damit die Allgemeinheit davon entlasten." Und der Diabetiker der ein leben lang ungesund gegessen hat zahlt auch ? Der Raucher und Alkoholiker ?
Einfach eine schwachsinnige Aussage.

30.12.2017 14:43 Helmut 5

es wird jedes Jahr darauf hingewiesen und immer wieder das gleiche Theater, mir tun die Leute leid
die zu diesem Tag arbeiten müssen wegen solche die nicht belehrbar sind, solche leute sollten man keine
KH kosten usw. bezahlen , sondern aus ihrer eigenen Tasche das wäre richtig und bestimmt auch eine Maßnahme davon Abstand zu nehmen von solchen Feuerwerk.

30.12.2017 14:38 Max. W. 4

@30.12.2017 10:39 Matthias - Verletzungen dorch Böller aus Krankenkassenbezahlung rausnehmen!

Es ist unglaublich: Auch hier wird uns die Geschichte einer intelligenzdefizitären Persönlichkeit als Weihnachtsgeschichte zum "Freuen" verkauft. Es geht zu wie auf der Demenzstation. Derartige, selbst verschuldete, selbst verursachte und trotz jahrzehntelanger öffentlicher Kommunikation mutwillig herbeigeführte Schädigungen sollten unverzüglich aus dem Pflichtenheft des Gesundheitssystems herausgenommen werden.

30.12.2017 11:16 Heinz-Robert Blasius 3

Sehr geehrte Mitarbeiter, habe mir die Berichte angeschaut bzw. durchgelesen. Natürlich passieren Unfälle, dies überwiegend durch falsche Handhabung, Alkohol usw.. Vor allen aber müßte mal darauf hingewiesen werden, das bestimmte Sachen aus anderen Ländern, zwar verboten, bei richtiger Handhabung aber nicht gefährlicher sind, als zugelassene. Deshalb sind diese ja nur für Erlaubnisscheininhaber. Das schlimmste war heute morgen aber der Bericht über den jungen Mann, der bedauerlicherweise sein Augenlicht verloren hatte. Dies passierte aufgrund der Zündung einer Kugelbombe, die nicht frei verkäuflich ist. Außerdem was sind "Raketenbatterien"? Es gibt nur Feuerwerksbatterien und/oder Raketen. Nicht alles an Silvesterfeuerwerk sind "Böller".
Schade das durch solche Erfindungen und teilweise Falschberichte, alle guten Bericht in Frage gestellt werden. Es gibt auch Feuerwerk aus Polen und Tschechien, das eine CE Nummer hat und in D zugelassen ist. Alles Gute Heinz

Anmerkung MDR SACHSEN-ANHALT: Danke für die Anmerkung.

30.12.2017 11:03 Rasselbock 2

Die Warnungen werden nichts nützen: Dazu ein Zitat von Urban Priol: "Die Summe der irdischen Intelligenz ist eine Konstante, aber die Bevölkerung wächst."

30.12.2017 10:39 Matthias - Verletzungen dorch Böller aus Krankenkassenbezahlung rausnehemen! 1

Jedes Jahr das gleiche Spiel, das Leute durch nicht zugelassenen Feuerwerkskörper und Böller verletzt, sogar schwer verletzt werden. Ändern tut sich nichts.
Damit sollte der Staat reagieren und die Behandlungs- und OP-Kostenkosten für solche durch Leichtsinn und auch Vorsatz herbeigeführten Verletzungen den betreffenden Personen in Rechnung stellen und die Krankenkassen und damit die Allgemeinheit davon entlasten. Wie sagt man doch: "Wer nicht hören will muss fühlen."