Concordiasee bei Nachterstedt Behörden sehen Erdrutsch entspannt

Seit 2009 ist Nachterstedt im Salzlandkreis mit einem tragischen Ereignis verbunden: einem Erdrutsch am Concordiasee, bei dem drei Menschen in die Tiefe gerissen wurden. Seitdem laufen rund um den See Sicherungsarbeiten. Es gibt auch immer noch Hoffnungen, den früheren Braunkohletagebau umfangreich touristisch nutzen zu können. Am Dienstagabend kam dann die Nachricht von einem erneuten Erdrutsch. Zwei Baumaschinen stürzten ab, ein Arbeiter wurde leicht verletzt.

Nach dem Erdrutsch am Dienstag in Nachterstedt im Salzlandkreis geben sich die zuständigen Behörden entspannt. Vom Bergamt heißt es, dass das Ereignis nicht mit dem Erdrutsch von 2009 zu vergleichen sei. Vielmehr handele es sich um eine Folge der Rüttel- und Verdichtungsarbeiten, sagte Uwe Schaar, Abteilungsleiter im Landesamt für Bergwesen Sachsen-Anhalt. So ein Erdrutsch könne bei dieser Art von Arbeiten passieren. "Mit diesem Ereignis ist aus unserer Sicht kein Aus für das Seeland-Projekt des Concordiasees gegeben", so Schaar. Alles, was bereits saniert sei, habe gehalten.

Auch Wirtschaftsminister Jörg Felgner bleibt gelassen. Die Sanierung an der Abbruchstelle könne auf jeden Fall weitergehen. Er sehe allenfalls Verzögerungen beim Zeitplan. Der SPD-Politiker sagte MDR SACHSEN-ANHALT, auch nach dem neuerlichen Erdrutsch werde am touristischen Konzept für Nachterstedt festgehalten.

Untersuchungen am Unfallsort

Zwei Feuerwehrmänner sprechen mit einem Autofahrer
Die Anwohner im Sperrgebiet wurden in Sicherheit gebracht. Bildrechte: MDR/Matthias Strauß

Die Untersuchungen an der Abbruchkante gingen am Mittwoch weiter. Am Vormittag waren mehrere Experten mit einem Boot unterwegs, um die Unfallstelle von der Seeseite aus zu begutachten. Außerdem überprüfen Mitarbeiter Absperrungen, sammeln Daten und befragen Zeugen.

Der Rutsch geschah am Dienstag in dem Gebiet, in dem die Böschung wegen des Vorfalls von 2009 saniert wird. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums war am Dienstag Kippenmaterial in einer Größenordnung von ungefähr einer Million Kubikmetern aus der Böschung ausgeflossen und hatte sich im See abgelagert. Damit ist der Erdrutsch aber deutlich kleiner als 2009. Er fand an einer Stelle statt, wo die Böschungssanierung des Sees noch nicht abgeschlossen ist. Vor rund sieben Jahren waren an dem ehemaligen Braunkohletagebau mehrere Häuser in den Concordiasee gestürzt, als ein 350 Meter breiter Uferstreifen in Bewegung geriet. Dabei kamen damals drei Menschen ums Leben. Ein ganzes Wohngebiet wurde damals evakuiert und war unbewohnbar.

Feuerwehrleute stehen bei ihren Einsatzfahrzeugen
Feuerwehrleute bei ihrem Einsatz am Concordiasee in Nachterstedt. Bildrechte: MDR/ Matthias Strauß

Das Unglück am Dienstagnachmittag verlief glimpflich: Ein Bauarbeiter wurde leicht verletzt, als sein Fahrzeug von dem herabrutschenden Hang stürzte und der 51-Jährige sich mit einem Sprung in Sicherheit brachte.

Der Bauarbeiter wollte mit einem Baufahrzeug Kies zur Böschung bringen und abladen. Dabei sei der Hang plötzlich weggerutscht und das Fahrzeug heruntergestürzt. Feuerwehren im Seeland wurden 17:45 Uhr per Sirene informiert, alle Ortswehren aus den Ortsteilen der Stadt waren im Einsatz. Es handelte sich um insgesamt rund 70 Feuerwehrleute.

Anwohner fühlen sich an 2009 erinnert

Die Anwohner im Sperrgebiet wurden vorsorglich in Sicherheit gebracht. Anwohnerin Kornelia Püschel aus Nachterstedt sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Wir sollten innerhalb von 30 Minuten das Haus verlassen. Wir haben das 2009 schon miterlebt, das wir raus müssen. Und ich hoffe, dass die entsprechenden Leute auch die richtigen Entscheidungen treffen, dass es für die Bewohner gut wird.“

Bürgermeisterin Heidrun Meyer (parteilos) sprach bei MDR SACHSEN-ANHALT von einer "kleinen Schrecksekunde". Sie sehe aber das Projekt Seeland nicht in Gefahr. Sie sei überzeugt, dass die Arbeiten ordentlich weitergeführt werden könnten. Das hätten ihr Bergamt und Tagebau-Sanierer LMBV versichert. Der Landrat des Salzlandkreises, Markus Bauer (SPD), machte sich noch am Abend vor Ort ein Bild von dem Erdrutsch. Er zeigte sich erleichtert, dass keine weiteren Menschen zu Schaden gekommen sind. "Es ist natürlich schlimm, dass überhaupt etwas passiert ist."

Juni 2016 – Erdrutsch am Concordiasee In Nachterstedt hat sich erneut Erdreich bewegt

Erdrutsch am Concordiasee Nachterstedt
Der kleine Ort Nachterstedt im Salzlandkreis sorgt wieder für Aufregung. Am Dienstagabend gab es dort am Concordiasee einen neuen Erdrutsch. Bildrechte: TNN
Erdrutsch am Concordiasee Nachterstedt
Der kleine Ort Nachterstedt im Salzlandkreis sorgt wieder für Aufregung. Am Dienstagabend gab es dort am Concordiasee einen neuen Erdrutsch. Bildrechte: TNN
Blick auf den Concordiasee
Bei Sicherungsarbeiten an der Böschung des Sees war Erdreich in Bewegung geraten. Zwei schwere Baumaschinen stürzten ab. Ein Arbeiter konnte noch rechtzeitig abspringen. Der 51-Jährige wurde leicht verletzt. Er kam zur Beobachtung ins Krankenhaus, ist inzwischen aber wieder zu Hause. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
An der Abbruchstelle am See steht ein Bagger.
Das Landesamt für Geologie und Bergwesen sieht keinen Grund zur Panik. Sprecher Ehling sagte, die Dimension sei deutlich geringer als beim Erdrutsch 2009. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Absperrungen am Seezugang
Etwa 15 Nachterstedter mussten vorsorglich ihre Häuser verlassen. Am späten Dienstagabend konnten sie aber zurückkehren. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Feuerwehrleute stehen bei ihren Einsatzfahrzeugen
Auch eine Bahnstrecke wurde gesperrt, ebenso Straßen. Diese Vorsichtsmaßnahmen wurden inzwischen wieder zurückgefahren. Bildrechte: MDR/ Matthias Strauß
Zwei Feuerwehrmänner sprechen mit einem Autofahrer
Spezialisten wurden hinzugezogen, die sich das Ausmaß des Unglücks anschauten. Bildrechte: MDR/Matthias Strauß
Gedenktafel des Unglücks 2009 am Seezugang
Die Ereignisse wecken traurige Erinnerungen an den 18. Juli 2009. Damals waren in dem früheren Braunkohletagebau rund 4,5 Millionen Kubikmeter Erdreich in den Concordiasee gerutscht. Drei Häuser wurden in die Tiefe gerissen. Drei Menschen starben. An ihr Schicksal erinnert diese Gedenkstein. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Zuletzt aktualisiert: 29. Juni 2016, 21:07 Uhr

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3 Kommentare

29.06.2016 22:01 Beton 3

Andere Medien zeigen Luftbilder der neuerlichen Bruchstelle. Die zugehörigen Bilder des hier kommentierten Artikels des MDR zeigen nur einen kleinen Ausschnitt, der Schaden betrifft eine viel größere Fläche. Und der Bauarbeiter hat mehr als nur einen Schutzengel gehabt. Ob ihn das Sicherheitskonzept gerettet hätte, wenn die Landzunge auch abgerutscht wäre, auf der der Raupenkran steht, darf starkt bezweifelt werden. Den Geologen und den Anliegern ist viel Glück bei den weiteren Entscheidungen zu wünschen.

29.06.2016 18:41 MeEckhardt 2

Dann ist ja alles in Ordnung, wenn das Bergamt meint, dann kann man sich natürlich entspannen. Bis es den richtigen Schlag tut, Tagesbruch oder mehr, ist ja so entspannend.

29.06.2016 14:44 Dieter Wegerich 1

Es ist erfreulich das man nicht in Panik verfallen ist und die Sache in Ruhe behandet hat.

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