Tipps für Eltern So kommen Kinder sicher zur Schule

Nach der Diskussion um die Elterntaxis an einer Magdeburger Grundschule fragen sich Eltern: Was kann ich tun, damit mein Kind auch ohne mich sicher zur Schule kommt? MDR SACHSEN-ANHALT hat einige Tipps für Eltern zusammengetragen, um Kindern mehr Sicherheit im Straßenverkehr zu geben.

Junge Frau lächelt in Kamera
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

von Vera Siebnich, MDR SACHSEN-ANHALT

Grundschülerin wartet 2007 an einem Zebrastreifen
Wenn Eltern einige Tipps beachten, kommt ihr Kind auch alleine sicher zur Schule. (Symbolbild) Bildrechte: imago/emil umdorf

Wie kann ich den Schulweg für mein Kind möglichst sicher gestalten? Diese Frage stellen sich nicht nur Eltern von Erstklässlern. Für viele ist die Antwort das sogenannte Elterntaxi – das Kind also bis direkt vor die Schule, teilweise sogar auf den Schulhof bringen. Doch gerade das kann besonders gefährlich sein.

Denn durch das hektische Hin- und Herfahren vor dem Schulgelände sind die Kinder besonders gefährdet. Generell ist die Verkehrsituation vor Schulen oft unübersichtlich und das Verhalten der Erwachsenen nicht angemessen. "Eltern ignorieren Verkehrsregeln oder nötigen sogar Schülerlotsen", sagt Roland Stimpel, Geschäftsführer des Fachverbandes Fußverkehr Deutschland.

Fünf Tipps, worauf Eltern achten können, damit ihre Kinder sicher zur Schule kommen:

1. Kinder an Straßenverkehr gewöhnen

Doch das größte Problem sind seiner Meinung nach nicht die Autos selbst. "Die größte Gefahr für die Kinder ist, wenn sie nicht daran gewöhnt werden, mit Verkehr umzugehen. Das passiert durch Elterntaxis", erklärt Roland Stimpel. Dass die Kinder den Umgang mit Verkehr früh lernen und so eine "Verkehrsroutine", wie Stimpel es nennt, entstehen kann, ist ein wichtiger Schritt in ihrer Entwicklung. Das sieht auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) so. "Kinder müssen die Chance haben, den aufmerksamen Umgang im Straßenverkehr auch auf dem konkreten Schulweg zu erlernen", empfiehlt der Vorsitzende des ADFC Sachsen-Anhalt, Martin Hoffmann. 

2. Den Schulweg üben

Damit das gelingt, können Eltern ihr Kind gezielt darauf vorbereiten, den Schulweg alleine zu bewältigen. Hoffmann schlägt vor, dass Eltern und Kinder gemeinsam den Schulweg möglichst in den Ferien oder vor der Einschulung üben und die erste Zeit gemeinsam zur Schule gehen, oder mit dem Fahrrad fahren. Dabei können Schulwegpläne helfen, die es an vielen Schulen gibt und die Eltern im Dialog mit ihren Kindern und der Schulleitung entwickeln können. Generell gilt: Wenn Eltern ihre Kinder aktiv im Straßenverkehr begleiten, helfen sie ihnen, sich dort sicher zu bewegen. "Eltern sollten erklären, was sie im Straßenverkehr tun und warum", sagt Verkehrspsychologin Susann Richter von der TU Dresden.

Wer sein Kind trotzdem nicht alleine zur Schule schicken möchte, für den könnte der Laufbus eine Idee sein. Das Konzept dahinter ist einfach: "Ein Elternteil begleitet mehrere Kinder zu Fuß beim Weg in die Schule", sagt Stimpel. Die Eltern könnten sich dabei abwechseln.

#MDRklärt So sicher ist Fahrradfahren für Schulkinder

Eine Gruppe von Kindern fährt Fahrrad.
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Eine Gruppe von Kindern fährt Fahrrad.
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Eine Grafik mit zehn Fahrradsymbolen, von denen eines rot eingefärbt ist.
Nimmt man die Gruppe von Kindern zwischen sechs und 15 Jahren, dann waren diese 2018 an lediglich 14 Prozent der Fahrradunfälle beteiligt, bei denen eine Person zu Schaden gekommen ist. Diese Altersgruppe war in 297 von insgesamt 2.140 Unfällen verwickelt. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Eine Grafik, die elf Kalenderblätter zeigt, von denen vier rot eingefärbt sind.
Vor allem in den wärmeren Monaten stiegen die Unfallzahlen stark an. Lagen sie im März 2018 noch bei acht, stiegen sie im Sommer auf etwa 50 pro Monat an. Ein Monat bildet dabei jedoch eine Ausnahme in Sachsen-Anhalt. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Eine Grafik, die ein blaues Kalenderblatt zeigt, auf dem Juli steht.
Im Juli gab es im Vergleich zu den anderen Sommermonaten deutlich weniger Vorfälle, nämlich nur 20.
Eine mögliche Erklärung: Der gesamte Juli ist in Sachsen-Anhalt für Schulkinder meist frei, da er in die Sommerferienzeit fällt. Daher fahren viele Familien zu dem Zeitpunkt in den Urlaub. Es gibt also sowohl weniger Kinder, als auch Autofahrer, die einen Unfall verursachen könnten.
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Texttafel: "Mehr Erklärgrafiken und -videos auf Instagram @mdrklaert"
Bildrechte: MDR/Max Schörm
Alle (5) Bilder anzeigen

3. Selbstständigkeit belohnen

Eine mögliche Ergänzung dazu könnte eine Belohnung für Kinder sein, die zu Fuß zur Schule kommen. "Durch Gamification kann man die Kinder dazu anregen, den Schulweg selbst zurücklegen zu wollen", schlägt Susann Richter vor. Kinder sollten durch spielerische Elemente an das Thema herangeführt werden. Sie können Bonusmeilen sammeln, wenn sie den Schulweg mit dem Rad alleine bestreiten oder ohne Begleitung der Eltern laufen. So wird ein Anreiz für sie geschaffen, alleine zur Schule gehen zu wollen.

4. Falschparker melden – per App oder bei der Polizei

Geparkte Autos stehen auf einem Radweg.
Falsch geparkte Autos können Gehwege blockieren und die Sicht einschränken. Bildrechte: dpa

Falsch parkende Autos können auf dem Schulweg gefährlich werden. Wenn der Gehweg nicht benutzbar ist, müssen Kinder häufig auf die Fahrbahn ausweichen. Parken Autos in Kreuzungen, können gefährliche Situationen entstehen, weil Kinder und Autos sich gegenseitig erst spät sehen. Wenn man weiß, dass es diese Probleme auf dem Schulweg des Kindes gibt, kann man als Elternteil aktiv dagegen vorgehen. "Falschparker kann man entweder durch die Polizei beseitigen lassen oder dafür eine App nutzen", empfiehlt Stimpel.

5. Gespräche mit der Schulleitung suchen

Hoffmann schlägt vor, dass sich Eltern und Schulleitung gemeinsam an einen Tisch setzen und überlegen könnten, wie ein sicherer Schulweg aussehen muss. Auch die Schulkinder seien einzubeziehen, denn diese seien die kleinen Expertinnen und Experten, die die Situation aus ihrer Perspektive am besten einschätzen können. Je konkreter die Vorschläge seien, desto besser, rät er.

Auf einen Blick: Das können Eltern tun

  • Den Schulweg mit dem eigenen Kind üben: Am Wochenende oder in den Ferien in Ruhe den Schulweg mit dem Kind ablaufen. Dabei auf mögliche Gefahrenstellen aufmerksam machen und erklären, wie man ihnen am besten begegnet.
  • Anreize schaffen: Spiele oder kleine Belohnungen können Kinder dazu motivieren, dass sie zu Fuß zur Schule gehen wollen. So könnte man mit Kindern vereinbaren, dass sie Bonusmeilen sammeln können wenn sie den ganzen oder einen Teil des Weges alleine zur Schule laufen.
  • Einen Laufbus gründen: Mehrere Kinder aus der Nachbarschaft gehen gemeinsam zur Schule, ein Elternteil begleitet sie dabei. Die Eltern können sich dabei untereinander abwechseln.
  • Runder Tisch in der Schule: Gemeinsam mit der Schulverwaltung überlegen, wie sie den Schulweg für die Kinder am sichersten gestalten können. Dabei sollte man möglichst konkrete Vorschläge erarbeiten.
  • Hilfe von der Polizei in Anspruch nehmen: Die Polizei kann kontrollieren, dass sich vor der Schule alle an die Verkehrsregeln halten. Außerdem kann sie Autofahrer abmahnen, die Gehwege blockieren oder Kreuzungen unübersichtlich machen, weil sie falsch parken. Es gibt auch Apps, mit denen man Falschparker melden kann.

Junge Frau lächelt in Kamera
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über die Autorin Vom Süden Deutschlands über die Schweiz, Franken und Köln zum MDR: Vera Siebnich hat schon sehr viel von Deutschland gesehen. In der letzten Station ihres Volontariats schaut sich die studierte Onlineredakteurin Sachsen-Anhalt genauer an. Bisher kennt sie vor allem die Region Halle, das soll sich nun ändern.

Quelle: MDR/sie

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 15. Januar 2020 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Januar 2020, 19:20 Uhr

0 Kommentare

Mehr aus Sachsen-Anhalt