Entwicklung des Problemviertels Faktencheck zur Neuen Neustadt in Magdeburg

Die Neue Neustadt von Magdeburg gilt als Problemviertel. Anwohner haben sich über Müll und Lärm beschwert. Um die Probleme in den Griff zu bekommen, hat die Stadtverwaltung die Entwicklung des Viertels beleuchtet, in dem viele Rumänen leben. Die Ergebnisse sind bei einem Runden Tisch vorgestellt worden. MDR SACHSEN-ANHALT mit einem Faktencheck.

Blick auf eine Grünfläche in Magdeburg Neue Neustadt.
Die Stadtverwaltung Magdeburg hat Daten zum Viertel Neue Neustadt ausgewertet. Bildrechte: MDR/Christine Warnecke

Anwohner des Magdeburger Stadtteils Neue Neustadt beschweren sich immer wieder über Lärm und Müll. Vertreter der Stadt und Anwohner hatten sich daher im November 2017 zu einem Runden Tisch getroffen. Die Stadtverwaltung war damals beauftragt worden, einige Daten zu erheben, um die Entwicklung des Viertels genauer zu analysieren und faktisch zu prüfen, welche Probleme wo nachweisbar sind.

Insgesamt steht die Neue Neustadt laut der jüngsten Berichte und Zahlen der Stadt lange nicht so schlecht da, wie der Ruf es vermuten lässt. Indikatoren wie etwa die Zahl der Hartz-IV-Bezieher hätten sich leicht positiv entwickelt, die Polizei stufe das Gebiet weiterhin nicht als Kriminalitätsschwerpunkt ein, sagt der Leiter der Stadtordnungsdienstes, Gerd vom Baur. Im Vergleich mit anderen Stadtteilen habe sich die Neue Neustadt sogar positiv entwickelt, heißt es von der Beigeordneten für Soziales, Jugend und Gesundheit, Simone Borris. Die Ergebnisse wurden bei einem zweiten Runden Tisch vorgestellt:

Zusammensetzung der Anwohner

Nach Angaben der Stadt leben derzeit rund 1.500 rumänische Staatsbürger in Magdeburg, 648 davon in der Neuen Neustadt. Von diesen wiederum lebt der Großteil in der Umfassungsstraße. Die Gesamtzahl hat sich von 2014 bis 2017 etwa verzehnfacht. Allerdings gab es auch früher schon einen hohen Ausländeranteil in dem Viertel. Die nächstgrößeren Bevölkerungsgruppen sind aktuell Syrer, Afghanen, Bulgaren und Griechen. "Magdeburg wächst und so verhält es sich auch mit der Neuen Neustadt", fasst der Beigeordnete für Stadtentwicklung und Bau, Dieter Scheidemann, zusammen.

Das Müllproblem nahm erst stark zu, jetzt wieder ab

Müll auf einer Wiese.
Das Müllproblem in der Neuen Neustadt soll sich wieder verbessert haben. (Archivbild) Bildrechte: MDR/Christine Warnecke

Ein Problem des Stadtteils ist die Müllentsorgung. Das Müllproblem ist in den letzten Jahren messbar größer geworden: 2015 hatte die Müllabfuhr 35 zusätzliche Einsätze wegen Abfalls auf öffentlichen Straßen und öffentlichen Bereichen. 2016 waren es 51 Einsätze und 93 im Jahr 2017. Die Tendenz ist demnach deutlich steigend. Allerdings, so meinen viele Anwohner und Vermieter, habe sich die Lage seit November letzten Jahres deutlich gebessert. "Der Abfallwirtschaftsbetrieb bekommt nun nicht mehr einzelne Aufträge, dort extra vorbeizufahren, sondern fährt das Gebiet regelmäßig häufiger ab", erklärt Scheidemann. Ein Problem sei aber, wenn Unrat auf privatem Gelände liege. Dann könne die Stadt nicht direkt eingreifen. Ähnlich ist es bei einfach auf der Straße abgestellten Autowracks: 2017 wurden 32 Wracks entfernt. "Wir beobachten, dass jetzt viele auf Privatgeländen stehen", berichtet Stadtordungsdienstleiter Gerd vom Baur, "das ist erlaubt."

Auch bauliche Maßnahmen sollen helfen. Die Brachfläche am nördlichen Ende der Umfassungsstraße soll keine Freifläche bleiben – auch, damit sie nicht mehr als illegale Müllhalde dienen kann. Zudem sollen Plätze, wie der vor dem Gesundheitsamt, attraktiver gestaltet werden.

Lärmbelästigung vor allem im Sommer

Anwohner haben sich zudem wegen Ruhestörung beschwert. Die Beschwerden sind vorwiegend in den warmen Monaten eingegangen, während es etwa im Dezember keine einzige Klage gab. 2017 sind 38 Beschwerden wegen Lärms gezählt worden – für dieses recht kleine Gebiet sei das eine "ordentliche" Zahl, sagt vom Baur. Die blockartige Bebauung im Viertel verstärke den Lärm zusätzlich.

Verstärkte Kontrollen

Die Stadt hat mit verstärkten Polizeipräsenz und häufigeren Müllabholungen auf die Probleme reagiert. Diese Maßnahmen sollen laut Beigeordnetem für Umwelt, Personal und Allgemeine Verwaltung, Holger Platz, mit der gleichen Intensität fortgeführt werden. Außerdem sehe die Stadt Magdeburg beim Ordnungsamt zwei Planstellen vor, die sich speziell mit den Problemen im Gebiet der Umfassungsstraße beschäftigen sollen. Wenn möglich solle auch noch einmal ein Seminar für die ausländischen Nachbarn gegeben werden, in denen die Verhaltensregeln in Deutschland erklärt werden (Nachtruhe, Mülltrennung u.ä.). Ein erstes Seminar dieser Art habe gut funktioniert, sagt Platz.

Mehr Licht

In der Neuen Neustadt soll zudem für eine bessere Beleuchtung gesorgt werden. Mehr Licht sorge für ein höheres Sicherheitsgefühl, erklärt der Stadtentwicklungsbeigeordnete Scheidemann. Bei einer Begehung habe man schon defekte Lampen austauschen lassen und vermerkt, wo es mehr Laternen oder auch LED-Beleuchtung bräuchte. Da diese Maßnahmen mehrere hunderttausend Euro kosten werden, hofft die Stadt auf Fördermittel vom Land. Dementsprechend brauche es bei der Beantragung eine Vorlaufphase, die Umsetzung könnte also erst 2020 kommen.

Grundschule "Am Umfassungsweg" entlasten

Ab dem kommenden Schuljahr wird außerdem die Grundschule "Am Umfassungsweg" entlastet – derzeit besuchen sie Kinder aus 24 Nationen, der Ausländeranteil liegt bei 65 Prozent. Das Einzugsgebiet wird so zugeschnitten, dass die Kinder auf weitere Schulen verteilt werden. Schulleiter Dirk Schumeier betont aber, dass kein Kind mit Migrationshintergrund in der derzeitigen 4. Klasse versetzungsgefährdet sei. Gerade diese Kinder, die beim Lernen auf Deutsch zu Hause keine Unterstützung finden können, seien erfreulicherweise selbstständig. Vorschulische Bildungskurse, die für Kinder ohne Kita-Platz kurzfristig eingerichtet worden waren, seien sehr hilfreich gewesen. Von 20 angemeldeten Kindern seien 17 regelmäßig erschienen. Die Fälle, in denen das Ordnungsamt Kinder morgens aus ihrem Zuhause holen und zur Schule bringen musste, hätten sich stark reduziert: "Früher hatten wir etwa 10 solcher Einsätze im Monat, heute ist es vielleicht noch einer", so Schumeier.

Bolzplatz für ein spielerisches Miteinander

Für mehr Miteinander soll demnächst auch ein Bolzplatz sorgen. "Die Fläche hinter dem Kinder- und Jugendhaus 'Knast' wird von den Anwohnern wieder hergerichtet – Startschuss ist der 14. April", kündigt Quartiersmanagerin Lisa Schulz an. Gemeinsam soll der Rasen gemäht, die Wege hergerichtet, Netze gespannt und natürlich gespielt werden.

Das weitere Vorgehen

Moritzplatz Magdeburg am Vorabend
Der Moritzplatz ist ein Problem-Schwerpunkt der Neuen Neustadt. (Archivbild) Bildrechte: MDR/Astrid Wulf

Scheidemann betont: "Wir haben innerhalb der Neuen Neustadt drei Problem-Schwerpunkte: den Moritzplatz, die Umfassungsstraße und den Bereich Charlottenstraße. Es geht nicht um das gesamte Viertel." Daher haben sich die Teilnehmer des Runden Tisches in drei Gruppen aufgeteilt und wollen nun in kleineren Arbeitsgemeinschaften direkt vor Ort vor allem versuchen, in Kontakt mit den rumänischen Nachbarn zu kommen.

Denn beim zweiten Runden Tisch war kein rumänischer Nachbar dabei. Etwa 100 Einladungen wurden verschickt, doch die letzten Willigen hätten abgesagt, als sie erfuhren, dass dieses Mal die Presse dabei sein würde. Die Ergebnisse der drei Arbeitsgemeinschaften sollen später in einem größeren Rahmen präsentiert und zusammengeführt werden.

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Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 17. Februar 2018 | 12:00 Uhr

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12 Kommentare

18.02.2018 21:17 Kritischer Bürger 12

@D.Friedrich 10: Dem kann nur zugestimmt werden! Sollte aber nicht nur für eine Nationalität gelten, sondern für alle die sich hier nicht integrieren wollen.

18.02.2018 18:51 Jürgen 11

Runde Tische und Arbeitsgruppen und und und. Warum eigentlich? Es gibt Verhaltensregeln, daran haben sich auch diese Leute zu halten. Da die meisten eh von Leistungen des Staates leben, muss man sie halt über entsprechende Sanktionen "erziehen". Ansonsten raus!

18.02.2018 09:24 D.Friedrich 10

Wenn ich das ganze gelabere „runder Tisch“ usw. höre geht mir der Hut hoch. Das sind Leute die nicht integriert werden wollen. Diese Leute sind auch in Rumänien nicht willkommen, warum wohl? Hier gehören ganz klare Ansagen her, entweder es wird sich so benommen wie es in Deutschland Gesetz ist, oder Tschüss. Das hat nichts, aber auch gar nichts mit Rassismuss oder Ausländerfeindlichkeit zu tun, sondern mit klaren Regeln des Zusammenlebens.

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