Radarfallen - Blitzer - auf der Autobahnbrücke A1 Leverkusen.
Radarfallen dieser Art werden auch auf sachsen-anhaltischem Gebiet der A2 gebaut. Bildrechte: imago/Manngold

Erstmalig in Sachsen-Anhalt Feste Blitzer für A2 werden installiert

In Sachsen-Anhalt sollen in Kürze die ersten stationären Blitzer an der A2 in Betrieb gehen. Bei Magdeburg und Bornstedt haben die Bauarbeiten begonnen. Die Anlagen sollen helfen, die Unfallzahlen zu verringern.

Radarfallen - Blitzer - auf der Autobahnbrücke A1 Leverkusen.
Radarfallen dieser Art werden auch auf sachsen-anhaltischem Gebiet der A2 gebaut. Bildrechte: imago/Manngold

Die Pläne für stationäre Blitzer an der Autobahn 2 in Sachsen-Anhalt kommen voran. Nach Angaben des Unternehmens Jenoptik hat bei Magdeburg-Rothensee in Richtung Magdeburg-Zentrum bereits der Aufbau einer Anlage begonnen. Laut Projektleiter Christian Keller sollen bis Ende Juli sechs Säulen mit Kameras und Blitzgeräten aufgestellt werden. Zuerst hatte die "Magdeburger Volksstimme" darüber berichtet.

Blitzen (vorerst) ohne Folgen

Nach aktuellem Zeitplan könnten die Messgeräte von September an aktiv im Einsatz sein. Laut Keller handelt es sich noch um einen Testbetrieb. Die Techniker prüften lediglich, ob die Anlage die aktuelle Tempobegrenzung übermittelt bekommt und verlässlich auslöst. Erst wenn das Eichamt die neuen Anlagen überprüft habe, werde auch geblitzt. Bis dahin müssten Autofahrer noch keine Knöllchen befürchten.

Ein zweiter stationärer A2-Blitzer entsteht in Richtung Berlin zwischen Bornstedt und dem Rasthof Börde. Hier gibt es jedoch Verzögerungen: Ein Bohrer, mit dem Platz für Kabel geschaffen werden sollte, wurde durch den Untergrund beschädigt. Die Baufirma vermutet, dass unter der Fahrbahn noch eine sehr alte Autobahn liegt. Nun soll ein Spezialbohrer die Sache vollenden. Projektleiter Keller ist jedoch optimistisch, dass die Anlage trotzdem zeitgleich mit der Gegenrichtung in Betrieb gehen kann.

Tempo-Kontrolle nur im Bedarfsfall

Geblitztes Auto an der stationären Geschwindigkeitsmessanlage
Die Radaranlage ist mit dem Tempolimit der sogenannten Verkehrsbeeinflussungsanlage gekoppelt (Symbolbild). Bildrechte: imago/Hubert Jelinek

Eine Polizeisprecherin betonte am Dienstag, die Anlagen würden nur angeschaltet, wenn ein Tempolimit gilt. Das sei etwa bei Baustellen, erhöhtem Verkehrsaufkommen oder widriger Witterung denkbar. Bei den Geräten der Firma Jenoptik handelt es sich um ein anderes als das jüngst vom Verfassungsgerichtshof im Saarland für ungeeignet erklärte Modell.

Die Tempomessanlagen für die A2 in Sachsen-Anhalt sind schon seit mehreren Jahren im Gespräch. Sie sollen helfen, die Unfallzahlen zu verringern. In Sachsen-Anhalt gab es laut Polizei-Statistik im vergangenen Jahr rund 4.500 Verkehrsunfälle, 2017 lag die Zahl noch bei gut 4.800. Der Anteil der Autobahn-Unfälle ist mit rund sechs Prozent dabei relativ konstant.

Posse um A2-Blitzer in Niedersachsen

Überregional bekannt wurde eine ähnliche Blitzer-Anlage an der Autobahn 2 Höhe Helmstedt, die Ende 2011 installiert wurde. Auch sie ist an die sogenannte Verkehrsbeeinflussungsanlage gekoppelt, die nur bei Bedarf elektronisch Tempolimits vorgibt. Der Landkreis Helmstedt zeigte sich enttäuscht, dass die Anlage zu selten eingeschaltet und der Blitzer kaum aktiv sei, worüber auch das NDR-Satire-Magazin "extra3" berichtete. Nach einer 100-Tage-Bilanz wurde schließlich nur ein Viertel der prognostizierten Einnahmen durch Verwarn- und Bußgelder erzielt. Für Streit sorgten zudem Warnschilder, die Niedersachsens Innenministerium vor den Blitzern aufstellen ließ. Der Landkreis befürchtete dadurch Unfälle durch abrupte Bremsmanöver.

Stau im Rückspiegel. Es fehlt die Rettungsgasse.
Die Autobahn 2 ist als Transitstrecke deutlich dichter befahren als die Autobahn 14 in Sachsen-Anhalt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das ist die Autobahn 2 Die 473 Kilometer lange A2 führt fast durchgängig sechsspurig vom Berliner Ring bis in die Ruhrgebietsstadt Oberhausen – und gilt somit als eine der wichtigsten Ost-West-Verbindungen in Europa, Spitzname: "Warschauer Allee". Schon 1934 begannen die ersten Arbeiten an der A2. Während der deutschen Teilung war die Trasse für Bundesbürger zwischen Helmstedt und West-Berlin eine wichtige Transitstrecke.

Der am meisten befahrene Abschnitt der A2 liegt in NRW, gleich zu Beginn der Autobahn. Bei Oberhausen-Sterkrade waren laut Bundesanstalt für Straßenwesen 2017 täglich 63.000 Fahrzeuge je Richtung unterwegs, davon gut 16 Prozent Lkw. Das geringste Verkehrsaufkommen der Autobahn wurde statistisch bei Theeßen erfasst, mit 25.000 Fahrzeugen pro Tag und Richtung, bei einem Lkw-Anteil von 27 Prozent.

Am meisten ruckelt es auf der A2 in Niedersachsen. 2017 zählte der Verkehrsclub ADAC dort fast 35.000 Staukilometer – besonders zwischen Peine und Lehrte. Nirgendwo gab es in dem Bundesland mehr Staus.

Auf der A2 steht zudem eine von Deutschlands ertragreichsten, aber wohl auch berüchtigtsten Radaranlagen. Sie befindet sich an der abschüssigen Strecke am Bielefelder Berg in Richtung Hannover. Allein 2017 wurden täglich im Schnitt 330 Fahrer erwischt, die schneller als mit den erlaubten 100 Stundenkilometern unterwegs waren. Sie mussten durchschnittlich 51,50 Euro an die Stadt Bielefeld zahlen.

Quelle: dpa, MDR/ap

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 23. Juli 2019 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Juli 2019, 17:26 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

4 Kommentare

25.07.2019 14:10 kein Otto 4

Ok, zählen wir mal die Fakten auf: da wurde eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h auf einer 4-spurigen Straße, die zu einem von nur 2 Elbübergängen einer Landeshauptstadt führt, mit der Begründung, daß die größtenteils alkoholisierten Weihnachtsmarktbesucher, die die Fußgängerampeln mißachten gefährdet würden bzw den Fahrzeugverkehr gefährdeten. Und nun blitzt man außerhalb der Öffnungszeiten des Weihnachtsmarkrtes im Sekundentakt die Berufspendler, die eben über einen dieser beien Elbübergänge müssen. Zudem freut sich der OB öffentlich,daß sich die Blitzer so schnell amortisiert haben. Das soll keine Abzocke sein? Wirklich nicht?

Sie wundern sich, daß an der "Kreuzung" A2/B189 so wenig passiert, fordern aber trotzdem eine Geschwindigkeitsbeschränkung. Kann es vielleicht sein, daß SIE mit der Verkehrtssituation dort einfach nur überfordert sind?

24.07.2019 15:05 Speedy Gonzales 3

Das ist keine Abzocke. Wer der Meinung ist, das Tempolimits für ihn/sie nicht gelten, der soll die Konsquenzen spüren.
Es gibt jeden Tag haarsträubende Szenen am Kreuz B189/A2 Da wird auf der Einfädelspur auf Endgeschwindigkeit beschleunigt und dann über 5 Spuren ohne jede Rücksicht auf die ganz linke Spur quergezogen. Ein Wunder dass es so wenig Unfälle gibt.
Ein Tempolimit innerhalb der Auffahrten speziell Richtung Berlin wäre sinnvoll. Der Abstand zu ersten Schilderbrücke ist viel zu groß.

24.07.2019 13:32 kein Otto 2

Wers glaub, wird seelig. Man sollte mal beobachten, ob nun bei Rothensee öfter Geschwindigkeitsbeschränkungen durch die Schilderbrücken angewiesen werden. Die Erfahrungen mit dem Magdeburger Weihnachtsmarktblitzer, mit dem tausende Berufspendler frühmorgens(!) zur ausgesprochenen Freude vom OB Trümper abgezockt wurden, läßt ganz üble Blitzerorgien auf der A2 befürchten.

Mehr aus Sachsen-Anhalt