Nach Gewalt am Hasselbachplatz "Wir müssen reden mit allen Beteiligten"

Nach den Krawallen am Hasselbachplatz in Magdeburg wird über die Folgen diskutiert. Für die Städte-Forscherin Ricarda Pätzold steht fest, nicht jedem trinkenden Jugendlichen könne ein Polizist zur Seite gestellt werden. Im Interview mit MDR SACHSEN-ANHALT schlug sie stattdessen Gespräche mit Anwohnern, Geschäftsinhabern und Behörden vor.

MDR SACHSEN-ANHALT: Vereinzelte Gewaltausbrüche wie auf dem Hasselbachplatz in Magdeburg, mit akoholisierten Jugendlichen, muss man sich an sowas jetzt gewöhnen?

Pätzold: Man sollte sich auf keinen Fall daran gewöhnen, weil eine Eskalation von Gewalt sollte nie zur Normalität werden. Es stellt sich jetzt die Frage, wie man darauf reagiert. Soll man jetzt jedem trinkenden Jugendlichen einen Polizisten an die Seite stellen? Und wie soll ein Stadtteil auf diese Gewalt reagieren?

Und was ist die Antwort?

Dipl.-Ing. Ricarda Pätzold - Deutsches Institut für Urbanistik
Ricarda Pätzold will, dass Kneipenviertel nicht Randalierern überlassen werden. Bildrechte: Annette Koroll

Die Wissenschaft ist ja immer sehr kooperations- und kommunikationsorientiert und würde deswegen vorschlagen, dass man Ursachenforschung betreibt. Jetzt nicht unbedingt die Ursache dieses Tages, sondern der Entwicklung davor. Der Hasselbachplatz verändert sich ja auch. Jetzt stellt sich die Frage, wer sind dabei die Akteure? Es sind ja nicht nur Jugendliche und Polizei. Es sind eine ganze Menge mehr. Die Eigentümer vermieten ihre Ladenlokale. Es gibt immer mehr Straßengastronomie, es gibt vielleicht mehr Spätverkäufe.

Also alle Beteiligten müsste man ja eigentlich einbeziehen in die Debatte, weil niemand will ja urbane Orte trocken legen und Gastronomie auf die ganze Stadt verteilen, das hat noch nie gut geklappt. Also es braucht ja einfach so Orte, an denen mehr los ist als an anderen, da ist die Frage dann wie das für die Anwohner auszuhalten ist.

Was kann man normalen Kneipenbesuchern raten? Wie sollen sie auftreten?

Das Schlimmste ist ja, wenn alle Anderen nicht mehr hingehen. Dann würde es eben ein exklusiver Ort für bestimmte Art von Exzessen. Also eigentlich braucht es ja eine bunte Mischung von Leuten, das man aufeinander einwirkt. Im Eskalationsfall heißt das aber nicht, dass man dazwischen gehen soll. Dies würde einem wahrscheinlich auch jede Polizeidienststelle empfehlen. Aber es sollte insgesamt gemischt bleiben, die Anwesenheit von vielen normalen Menschen verhindert vielleicht, dass es zu weiteren Ausschreitungen kommt.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 27.06.2017 | ab 7:30 Uhr
MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 27.06.2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/ru

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5 Kommentare

28.06.2017 08:56 Frauke Garstig 5

Oh wie überraschend, dass am letzten Schultag etwas heftiger gefeiert wird! Das lukrative Nachtleben konzentriert sich nun mal seit Jahren am Wochenende zunehmends am Hasselbachplatz, dann muss eben für mehr Sicherheitspersonal seitens der Gastronomen und der Stadt gesorgt werden!

27.06.2017 20:37 12 4

Einfach mehr Beamte einsetzen und diese auch durchgreifen lassen. Ich bin gegen Feierverbot oder frühe Schließzeiten. Dann verlagert sich das Klientel nur woanders hin und macht da Rabbatz. Die Leute müssen einfach nur Lernen sich zu benehmen.

27.06.2017 20:31 HERBERT WALLASCH, Pirna 3

Reden, Ursachenforschung alles Schaumschlägerei, die neuen Gesetze sind da, müssen nur konsequent angewendet werden, auch mit Härte. Nicht die Polizei ist der Sündenbock, es sind die politischen Funktionsträger, die sich scheuen ihre eigenen Gesetze anzuwenden und die Handelnten im Regen stehen lassen, wie soll man da jemanden zu solch einer Berufswahl motivieren?

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