Sachsen-Anhalts Innenminister, Armin Willingmann (Bildmitte), nimmt Netzleitsystem in Betrieb.
Mit einem einfachen Knopfdruck hat Wirtschaftsminister Armin Willingmann (Mitte) das System am Montag offiziell eingeweiht. Bildrechte: MDR/Annette Schneider-Solis

Projekt an der Universität "Superhirn" der Energienetze steht in Magdeburg

Wo früher wenige Kraftwerke ganze Länder mit Strom versorgt haben, sorgen heute Tausende kleine Solar-, Wasser- oder Windkraftanlagen für Energie. Doch der Bedarf ist regional unterschiedlich und die Menge der erneuerbaren Energien nicht planbar. Hier greifen sogenannte Leitwarten ein, die das System im Gleichgewicht halten. Um dies auch künftig bewältigen zu können, arbeiten Magdeburger Forscher an einer intelligenten Leitwarte, die ihre Bediener entlasten soll.

Sachsen-Anhalts Innenminister, Armin Willingmann (Bildmitte), nimmt Netzleitsystem in Betrieb.
Mit einem einfachen Knopfdruck hat Wirtschaftsminister Armin Willingmann (Mitte) das System am Montag offiziell eingeweiht. Bildrechte: MDR/Annette Schneider-Solis

Die Stromnetze Europas intelligenter zu steuern – dafür setzt sich seit Montag ein Projekt an der Uni Magdeburg ein. Die Wissenschaftler haben eine Leitwarte entwickelt, die künftig helfen soll, den Strom besser zu verteilen. Mithilfe des Systems sollen Engpässe, Überlastungen und teure Ausfälle von Kraftwerken vermieden werden. Wissenschaftsminister Armin Willingmann hat das etwa eine halbe Million Euro teure Kontrollzentrum am Nachmittag per Knopfdrück eröffnet.

Engpässe beseitigen, Energie verteilen, Spannung halten

Ein Kontrollraum in einem Labor der Fakultät für Elektrotechnik zeigt, wie diese Leitwarte der Zukunft aussehen könnte: Auf einem fast acht Quadratmeter großen Bildschirm wird das europäische Stromnetz simuliert. Auch sämtliche Havarien lassen sich durchspielen. Ziel der Anlage ist es, möglichst viele Szenarien zu automatisieren und den Bedienern Lösungsmöglichkeiten vorzuschlagen. Elektrotechnik-Professor Martin Wolter nennt dieses System selber das "Superhirn der Energiewende". Es könnte auch Kosten sparen helfen: Bislang müssen konventionelle Kraftwerke bei Überlastung mitunter abgeschaltet und Entschädigungen gezahlt werden. Künftig soll dann auch in Photovoltaik und in die Windenergie eingegriffen werden können.

Hier laufen alle Informationen aus dem Netz zusammen, werden aufbereitet und dem Personal zur Verfügung gestellt. Dieses nimmt diese Informationen und trifft Entscheidungen. Die Leitwarte funktioniert quasi wie das Gehirn des gesamten Netzes.

Martin Wolter, Elektrotechnik-Professor

Der Leitstand wird künftig nicht nur in der Ausbildung von Studenten einen festen Platz haben. Es wird auch genutzt, um Netz- und Systemführungskonzepte zu entwickeln und zu testen. Den Forschern zufolge haben bereits mehrere Netzbetreiber Interesse an der neuen Technik angemeldet. Bund und Land förderten das Projekt mit rund 240.000 Euro.

Quelle: dpa, MDR/ap

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Dieses Thema im Programm: MDR S-ANHALT | MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 08. Januar 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Januar 2018, 20:24 Uhr

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