Schweine schauen durch Gitterstäbe
Tierschützer sind in eine Schweinezuchtanlage eingedrungen, um Missstände aufzudecken. (Symbolbild) Bildrechte: Colourbox.de

Prozess gegen Tierschützer Freispruch nach Einbruch in Mastanlage

Das Landgericht Magdeburg hat am Mittwoch drei Tierschützer freigesprochen. Die beiden Männer und eine Frau waren in eine Schweinezuchtanlage in Sandbeiendorf in der Börde eingedrungen. Dort hatten sie die Haltungsbedingungen der Tiere gefilmt. Die Motivation der Angeklagten sei die richtige gewesen, urteilte der Vorsitzende Richter.

Schweine schauen durch Gitterstäbe
Tierschützer sind in eine Schweinezuchtanlage eingedrungen, um Missstände aufzudecken. (Symbolbild) Bildrechte: Colourbox.de

Freispruch für drei Tierschutz-Aktivisten: Das Landgericht Magdeburg hat es als gerechtfertigt angesehen, dass zwei Männer und eine Frau in eine Schweinezuchtanlage in Sandbeiendorf in der Börde eingedrungen sind. Die Tierschützer von der Organisation "Animal Rights Watch" hatten vor etwa vier Jahren die Haltungsbedingungen in dem Stall der "van Gennip Tierzuchtanlagen GmbH & Co. KG" gefilmt. So wollten sie Missstände dokumentieren. Die Staatsanwaltschaft warf ihnen Hausfriedensbruch vor.

Der Vorsitzende Richter, Ulf Majstrak, sagte am Mittwoch, dass solche Taten gerechtfertigt seien, wenn staatliche Kontrollen versagten. Die Angeklagten hätten zwar Hausfriedensbruch begangen, ihre Motivation sei aber die richtige gewesen. Ein Landgerichtssprecher kommentierte: "Der Richter hat klargestellt, dass keinerlei Schäden angerichtet wurden und die Aktivisten das mildeste Mittel der Nothilfe gewählt haben; nämlich die Zustände zu dokumentieren."

Erleichterung bei den Aktivisten

Der Richterspruch löste bei den Tierschützern Erleichterung aus. Sie nannten die Entscheidung des Richters ein "sehr mutiges Urteil". Der freigesprochene Tierschutz-Aktivist Jürgen Foß von der Organisation „Animal Rights Watch“ sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Ich bin total bewegt und überglücklich. Sowas habe ich noch nicht erlebt. Es tut sehr gut, dass der Richter uns in dem, was wir tun, bestärkt hat. Ich bin gespannt, ob die Staatsanwaltschaft in die nächste Instanz geht." Etwa 30 weitere Aktivisten hatten den Prozess im Gerichtssaal verfolgt.

Die ebenfalls freigesprochene Tierschützerin Sandra Franz erklärte, bei dem Verfahren sei es auch darum gegangen, die rechtliche Lage grundsätzlich zu klären.

Für uns ist es ganz klar, dass der Hausfriedensbruch ein rechtfertigender Notstand ist und das einzige Mittel, um den Tieren zu helfen.

Tierschützerin Sandra Franz

Die Veröffentlichung von Filmmaterial sei eines der wirkungsvollsten Mittel, um eine Tierhaltung wie in Sandbeiendorf in der Gesellschaft zum Diskussionsthema zu machen.

Stärkere Kontrolle der Anlage

Der Landkreis Börde erklärte auf Anfrage des MDR, dass das Veterinäramt die Einhaltung der Tierschutzverordnung in Sandbeiendorf besser kontrolliert, seit die Zustände dort bekannt geworden seien. Unangemeldete Kontrollen seien aber nicht geplant.

Freispruch schon in erster Instanz

Das Amtsgericht Haldensleben hatte die Tierschützer bereits in einem ersten Verfahren freigesprochen. Die Begründung lautete ebenfalls, dass ihr Handeln gerechtfertigt gewesen sei. Die Tierschützer hätten die Haltung der rund 63.000 Tiere filmen dürfen, um auf Missstände aufmerksam zu machen. Die Staatsanwaltschaft hatte gegen die Entscheidung Berufung eingelegt. Deshalb hat das Landgericht Magdeburg den Fall noch einmal verhandelt.

Mehr zum Thema

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 11.10.2017 | 11:00 Uhr

Quelle: MDR/mh

Zuletzt aktualisiert: 11. Oktober 2017, 12:47 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

55 Kommentare

13.10.2017 18:27 bunter Rheinländer 55

Und was ist mit der Privatsphäre der Schweine? Sie wurden ungefragt gefilmt und die Filme dann ohne ihre Zustimmung (oder die ihres Betreuers) ins Internet gestellt.
Die Persönlichkeitsrechte am eigenen Bild wurden mißachtet.
Bei anderen Straftätern wird der Täterschutz immer so mit 'Datenschutz' begründet und die Ermittlungen verhindert.

13.10.2017 16:07 ExBauer 54

Sr.Raul @42 Der Vergleich ist falsch. Für mich muss er so formuliert werden: Ich habe den Verdacht!, dass in einem fremden! Gebäude möglicherweise jemand misshandelt wird. Dann rufe ich die Polizei! Keinesfalls werde ich mir mit der Brechstange Zutritt verschaffen und das filmen um es später als Skandal im Fernsehen zu veröffentlichen.

13.10.2017 15:30 Carsten Klatt 53

Sachbeschädigung, Einbruch, Nötigung und Verleumdung sind nach BGB schwere Straftaten. Was hier unter dem Deckmantel des Gutmenschetums abläuft grenzt schon fast an Rechtsbeugung. Die Leute gehören empfindlich bestraft. Man kann nur hoffen, das die Staatsanwaltschaft gegen dieses Skandalurteil Widerspruch einlegt. Wo kommen wir hin, wenn solche Typen machen können was sie wollen. Frage mich immer warum sowas noch in Deutschland lebt, wo doch alles hier so schlecht ist?