Asylunterkunft in Halberstadt Nach Angriff auf Asylbewerber: Wachpersonal wird angeklagt

Die Staatsanwaltschaft Magdeburg hat drei ehemalige Wachmänner der Zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber in Halberstadt wegen Körperverletzung angeklagt. Das teilte das Innenministerium mit. Im April 2019 sollen zwei Security-Mitarbeiter zwei Flüchtlinge geschlagen und getreten haben. Ein Video des Vorfalls wurde im Internet veröffentlicht.

Nach dem Übergriff auf Flüchtlinge in der Zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber (ZASt) in Halberstadt hat die Staatsanwaltschaft Magdeburg drei ehemalige Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes angeklagt. Ihnen wird Körperverletzung vorgeworfen. Das geht aus einem Schreiben des Innenministeriums Sachsen-Anhalts hervor, das MDR SACHSEN-ANHALT vorliegt. Demnach sind die Ermittlungen inzwischen abschlossen. Zuerst hatte t-online berichtet.

Verfahren gegen einen Wachmann eingestellt

Die ehemaligen Security-Mitarbeiter sollen im April 2019 einen Asylbewerber zu Boden gestoßen, geschlagen und getreten haben. Die Ermittlungen liefen gegen vier Wachmänner, die in Videos zu sehen waren. Die Videos wurden auf YouTube veröffentlicht. Gegen einen der Beschuldigten wurde das Verfahren laut Innenministerium jedoch eingestellt, da nicht mit einer Verurteilung zu rechnen sei. Drei weitere Mitarbeiter müssen sich vor dem Amtsgericht Halberstadt wegen Körperverletzung verantworten.

Tätlicher Angriff vom Sicherheitspersonal auf Asylbewerber in der ZASt in Halberstadt
Videos zeigen den Übergriff auf zwei Flüchtlinge. Bildrechte: youtube/halberstadt camp

Weiter teilte das Innenministerium mit, dass sich das Opfer des Übergriffs nicht an den Vorfall erinnern könne. Der Mann habe zudem keine Folgeschäden erlitten. Während der Ermittlungen sollten auch zwei Begleiter des angegriffenen Asylbewerbers als Zeugen vernommen werden. Da deren Aufenthaltsort jedoch nicht bekannt sei, konnten die Befragungen nicht stattfinden.

Grünen-Politiker begrüßt Anklage

Der Landesvorsitzende der Grünen, Sebastian Striegel, begrüßt die Anklage der ehemaligen Security-Mitarbeiter. Er sagte MDR SACHSEN-ANHALT, dass das Land die Verantwortung für die Situation in der ZASt trage und die körperliche Unversehrtheit der Menschen schützen müsse. "Sicherheitskräfte, die dort durch das Land eingesetzt werden, müssen über jeden Zweifel erhaben sein", so Striegel. Zudem fordert der Grünen-Politiker, dass Deeskalation und interkulturelle Kompetenz eine größere Rolle in der Aus- und Fortbildung von Wachpersonal spielen sollte.

Angriff auf YouTube veröffentlicht

Der Übergriff auf einen Asylbewerber in der ZASt in Halberstadt war im August vergangenen Jahres öffentlich geworden. Auf YouTube-Videos war zusehen, wie zwei Flüchtlinge von zwei Wachmännern gestoßen und geschlagen werden. Ein zu Boden gegangener Asylbewerber wird getreten und geschüttelt. Weitere Sicherheitsmitarbeiter sehen zu. Die Videos sind auf den 14. April 2019 datiert. Innenminister Holger Stahlknecht hatte zur Aufklärung des Falls eine Ermittlungsgruppe eingerichtet. Die vier Wachleute waren suspendiert worden.

Quelle: MDR/sp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 01. August 2020 | 11:00 Uhr

22 Kommentare

Heike1986 vor 17 Wochen

Es sind wohl weder bestellte Filmemacher gewesen, noch wurden sie dafür bezahlt. Ich denke, es sind einfach Menschen, die ein Handy besitzen und zufällig Zeugen des Angriffs der Wachmänner geworden sind.

SZ Rentner vor 17 Wochen

Was halten sie davon wenn Asylbewerber nach Stellung ihres Asylantrages als erstes den von ihnen erwähnten Art. 1 GG auswendig lernen müssen? Woher wissen sie wer zuerst gegen genannten Artikel verstoßen hat?

winfried vor 17 Wochen

"Die wichtigste Lektion ist m.E. immer noch Art. 1 GG. Jeder von diesen Wachleuten sollte einen Aufsatz schreiben müssen:"
... der mit dem Zitat der GG-Präambel, letzter Satz, beginnt:
"Damit gilt dieses Grundgesetz für das gesamte Deutsche Volk."

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