Edith-Goldstein-Haus ASB Halberstadt: Späte Ehrung für jüdische Ärztin

Das Pflegezentrum des Arbeiter-Samariter-Bundes in Halberstadt trägt jetzt den Namen Edith Goldsteins. Sie war Gründungsmitglied des ASB in Halberstadt und jüdische Ärztin. Ihr Leben endete tragisch.

von Carsten Reuß, MDR SACHSEN-ANHALT

Eine Hinweistafel vor eine Gebäude
Eine Gedenktafel vor dem ASB-Pflegezentrum erinnert an die Halberstädter Ärztin. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Feierlich wird ein weißes Tuch weggezogen an diesem kühlen Montagvormittag. Eine Tafel wird enthüllt, auf der "Edith Goldstein Haus" geschrieben steht. Fortan kennzeichnet diese Tafel den Ehrennamen des ASB Pflegezentrums in Halberstadt.

Die Namensweihe ist eine Folge der Auseinandersetzung des ASB mit seiner eigenen Geschichte. Anfang dieses Jahres war das Buch "Der Arbeiter-Samariter-Bund und der Nationalsozialismus" erschienen. Darin findet sich auch die tragische Geschichte der Edith Goldstein.

Verheiratet mit einem Nichtjuden

Ein historisches Foto zeigt ein Ehepaar, das auf einem Sessel vor einem Bücherregal posiert
Edith Goldstein mit ihrem Ehemann Rudolf Martin – aufgenommen Ende der 1930er Jahre. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Edith Goldstein wurde 1894 in Berlin geboren, studierte dort Medizin und promovierte im Oktober 1920. Danach ließ sie sich als Ärztin in Halberstadt nieder. Schon im Frühjahr 1921 gründete sie die Kolonne (Ortsgruppe) Halberstadt des Arbeiter-Samariter-Bundes mit und arbeitete für diesen ehrenamtlich als Ärztin und Ausbilderin. Silvester 1932 heiratete sie den nichtjüdischen Finanzbeamten Rudolf Martin.

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde es schwer für das Ehepaar. Zwar war Edith Goldstein als Ehefrau eines "Nichtjuden" weniger gefährdet als andere Juden, doch war sie zahlreichen Repressalien ausgesetzt. Ab 1938 durfte sie ihren Beruf nicht mehr ausüben. Bereits 1937 hatte ihr Ehemann seine Beamtenstelle verloren. Trotz aller Repressalien betreute Edith Goldstein weiter jüdische Patienten und half im jüdischen Altenheim. Vor allem deshalb nennt der ASB nun sein Pflegezentrum nach der Ärztin Edith Goldstein.

Ehepaar nimmt sich 1943 das Leben

Deren Geschichte nahm allerdings ein tragisches Ende. Ab 1939 musste Edith Goldstein den zusätzlichen Vornamen Sara führen und ab 1941 den Judenstern tragen, um sie als Jüdin zu erkennen. Im August 1942 wurde ihre Mutter zum Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, wo diese im März 1943 starb. Kurz vor Weihnachten 1943 schließlich, am 16. Dezember, gaben Edith Goldstein-Martin und ihr Ehemann Rudolf Martin ihren kleinen Hund zu Nachbarn und nahmen sich anschließend gemeinsam mit Gift das Leben.

Quelle: MDR/cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 09. September 2019 | 18:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. September 2019, 11:04 Uhr

2 Kommentare

Fuerst Myschkin vor 9 Wochen

Eine verdiente, wenn auch verspätete Ehrung für Frau Dr. Edith Goldstein. Das ist eine feine Sache, wenn jüdische Menschen in unser Erinnerung nicht vergessen sind und für Ihr Wirken geehrt werden. Frau Dr. Goldstein ist ein tragisches Beispiel aus der Geschichte und eine Warnung für die Zukunft, wohin ideologische Verblendung, Verfolgung, Ausgrenzung und Hetze führen. Dafür sind die Deutschen besonders anfällig. Heute versuchen wieder Menschen mit dem Anspruch "wirsindmehr" Andersdenkende zu diffamieren, zu verfolgen und zu stigmatisieren. Es werden, konservativ denkende Menschen als Nazis verunglimpft, wohlgemerkt als solche Nazis, die jüdische Menschen wie Edith Goldstein in den Tod getrieben haben. Der Witz der Geschichte ist, dass mein Urgrossvater, als nationalkonservativer Hindenburgverehrer, ebenfalls von den Nazis, wegen seiner Haltung, verfolgt wurde. Heute wird man grünen & roten Ideologen wieder für seine bürgerlich, nationale Überzeugung angefeindet.

kennemich vor 9 Wochen

Hoffe, dass da nicht nur jüdische und deutsche Bürger dabei waren.

Mehr aus dem Harz

Mehr aus Sachsen-Anhalt