Halle von ThyssenKrupp Presta in Ilsenburg
Der Autozulieferer ThyssenKrupp Presta in Ilsenburg produziert künftig Rotorwellen für Elektromotoren für VW. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Umstellung auf Elektromobilität Autozulieferer im Harz: Fit für die Zukunft?

In Sachsen-Anhalt arbeiten mehr als 20.000 Personen für Autozulieferer. Mit der Umstellung auf Elektroautos kommen auf die Branche große Veränderungen zu. Wie sich Zulieferer im Harz darauf vorbereiten.

von Carsten Reuß, MDR SACHSEN-ANHALT

Halle von ThyssenKrupp Presta in Ilsenburg
Der Autozulieferer ThyssenKrupp Presta in Ilsenburg produziert künftig Rotorwellen für Elektromotoren für VW. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Die Autokonzerne bauen derzeit kräftig am Aufbau einer Elektroauto-Flotte. Hunderttausende Arbeitsplätze in der Autoindustrie würden bei einer Umstellung auf Elektromobilität nicht mehr benötigt, sagen Studien. Nun sind gerade in Sachsen-Anhalt viele Betriebe von Autofirmen abhängig: Rund 260 Zulieferbetriebe mit 23.000 Beschäftigten gibt es im Land.

Ein Stück Zukunft: Gehäuse für Elektroauto-Batterie

Bei Trimet in Harzgerode werden in großen Stückzahlen Gehäuseteile aus Aluminium produziert, zum Beispiel für Getriebe. Aber auch Rahmen- und Karosserieteile. Leichtbau ist hier seit Jahren ein ganz großes Thema. Immer mehr Stahlteile in Autos werden durch leichtere Werkstoffe ersetzt. Davon profitiert Trimet.

Produktion bei Autozulieferer Trimet in Harzgerode
Zulieferer Trimet sieht sich im Leichtbau gut aufgestellt. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Etwas abseits in der Produktionshalle steht eine Art Kiste aus Aluminium und mit einer Oberfläche, die aussieht wie Bienenwaben. Das Teil darf nicht fotografiert werden: Es ist ein Stück Zukunft für das Unternehmen – ein stoßsicheres Gehäuse für die Batterie eines Elektroautos.

Der stellvertretende Werkleiter Mathias Meinen sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Es wird immer sehr viel über Motor- und Batteriesysteme gesprochen. Aber ein wichtiger Bestandteil ist Leichtbau. Das ist unser Part. Hier sind wir sehr gut aufgestellt." In dem Bereich habe man sich Kompetenzen aufgebaut. Diese würden nun genutzt, um neue Geschäftsfelder zu erschließen. Eines davon sind die Batteriekästen und -gehäuse, die bereits in geringen Stückzahlen produziert werden.

Stadt Harzgerode bemüht sich um Standort

Marcus Weise, Bürgermeister Harzgerode
Harzgerodes Bürgermeister Marcus Weise ist zuversichtlich, was die Zukunft von Autozulieferer Trimet betrifft. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Trimet hat mehr als 700 Beschäftigte. Allein in Harzgerode, einer Stadt mit knapp 8.000 Einwohnern, hängen mehr als 1.000 Familien am Wohl der Firma. Bürgermeister Marcus Weise ist das bewusst. Zukunftssorgen macht er sich aber nicht. "Man baut auch schon Teile für Elektroautos. Ich bin zuversichtlich, die sind gut aufgestellt", sagte er.

Außerdem tut die Stadt laut Weise viel für die Zukunft des Standorts. Sie hilft beim Fachkräftefinden, zahlt eine Art Baukindergeld und will mehr in Freizeitmöglichkeiten investieren.

ThyssenKrupp Presta setzt auf vorhandene Stärken

Was Trimet für Harzgerode ist, bedeutet ThyssenKrupp Presta für Ilsenburg. Das Unternehmen beschäftigt rund 700 Mitarbeiter und ist Weltmarktführer für besonders leichte, sogenannte gebaute Nockenwellen. Eine Nockenwelle ist ein Teil eines Verbrennungsmotors.

Erst vor wenigen Tagen startete hier eine Investition in die Zukunft. Leichte Rotorwellen für Elektromotoren werden hier bald für VW vom Band laufen. Und so wie bei Trimet setzt man auch bei ThyssenKrupp Presta Ilsenburg auf vorhandene Stärken. Projektmanager Kevin Wöhler erklärte: "Wir haben die Technologie für die gebaute Nockenwelle und nutzen diese Technologie nun für das neue Produkt." Von der Nockenwelle zur Rotorwelle, könnte hier das Motto sein.

Von elf Millionen Nockenwellen zu 500.000 Rotorwellen

500.000 Rotorwellen pro Jahr sollen auf der neuen Anlage für VW produziert werden, für Elektroautos, die ab 2020 auf den Straßen rollen sollen. Das ist zwar wenig im Verhältnis zu den derzeit elf Millionen Nockenwellen, die in Ilsenburg produziert werden. Aber es ist ein erster Schritt, sich in den neuen Marktsegmenten zu positionieren. 

Strukturwandel für Zulieferer

Jürgen Ude, Staatssekretär im Magdeburger Wirtschaftsministerium, spricht von einem regelrechten Strukturwandel, der den Automobilzulieferern bevorstehe. Die Beteiligten müssten sich im Dreieck Politik, Wirtschaft und Wissenschaft vorbereiten, um die neuen Märkte erfolgreich zu besetzen. "Die großen Zulieferer wissen das, weil sie eng am Markt sind. Sie müssen aber die kleinen mitnehmen", sagte Ude.

Helfen könne die Politik bei der Förderung von Innovationen. Ude weiter: "Wir sind dabei, eine bessere Forschungsinfrastruktur aufzubauen. Wir wollen unsere Unis verpflichten, Infrastruktur bereitzustellen, womit unsere Unternehmen gemeinsam forschen können."

Keine Zukunftsängste im Harz

Autozulieferer Trimet in Harzgerode
Trimets Kompetenzen seien zukunftsfähig, sagt der stellvertretende Werkleiter Mathias Meinen. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Fazit: Die Zeichen der Zeit werden von den Zulieferern erkannt. Die Bemühungen sind groß, einen Fuß in der Tür neuer Entwicklungen zu bekommen. Angst vor der Zukunft scheint man – wenigstens in Ilsenburg und Harzgerode – nicht zu haben. Trimets stellvertretender Werkleiter Meinen sagte: "Wir sehen das so, dass sich da, wo sich eine Tür schließt, eine neue auch wieder öffnen wird." Aluminium und das Druckgussverfahren sehe man als zukunftsträchtig. Es werde im Auto immer Komponenten geben, die leicht zu bauen seien, wo neue Konstruktionen zur Anwendung kämen. "Da haben wir Kompetenzen aufgebaut und sind sehr gut aufgestellt."

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Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 23. Februar 2019 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Februar 2019, 12:21 Uhr

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2 Kommentare

23.02.2019 15:35 Fragender Rentner 2

Wie sie dieser Tage im Fernsehen über die brennenden E-Autos auch aus Sachsen-Anhalt berichteten und wie machtlos die Feuerwehr bei so manchen E-Autos ist !!!

Ein Auto haben sie nur beherrschen können, indem man einen großen Container mit Wasser holte und das Auto dort reinließ !!! :-(((

Da sind erst ein paar auf den Straßen, was soll da erst werden wenn es ca. 20% oder 30% sind?

Da kann man die Feuerwehrleute nur bedauern.

Da soll es auch zum Austreten von Giften bei den Bränden kommen !!! :-(((

23.02.2019 14:07 Leser 1

Die Hersteller sollten erst einmal die Bevölkerung befragen, wer solch ein Ding kaufen würde und wer das Geld, besonders im Osten, dafür hat. Die Infrastruktur dafür muss auch erstmal in Gang gebracht werden und nicht der 3. Schritt vor dem Ersten.