Naturschutz im Harz Blühpaten helfen Bienen und Käfern

Insektensterben – dieses Schlagwort ist in aller Munde. Tatsächlich soll die Zahl der kleinen Flieger und Krabbler in den vergangenen 30 Jahren weltweit um 75 Prozent zurückgegangen sein. Blühstreifen an Feldrändern können helfen. Doch den Landwirten fehlen dadurch Erträge. Landwirtin Ina Schellbach aus dem Harzkreis hatte eine Idee: Im Halberstädter Ortsteil Ströbeck hat sie mit ihrem Mann Blühstreifen angelegt. Wer will, kann als Blühpate mitmachen und Streifen pachten.

Ein blaues Blütenmeer säumt die Felder von Landwirtin Ina Schellbach und ihrem Mann Eckhard. In diesen Streifen summt und brummt es gewaltig. Das lässt Ina Schellbachs Herz höher schlagen. "Genau das haben wir gewollt", so die 49-jährige Agraringenieurin, die zusammen mit ihrem Mann den elterlichen Hof in Ströbeck im Harzkreis bewirtschaftet.

Ziel: möglichst langes Blühangebot

Die beiden haben eine kleine Herde Kühe und bauen auf mehr als 500 Hektar Mais, Raps, Rüben, Weizen und Gerste an. 3,3 Hektar Feldränder aber sind als blühendes Insektenparadies reserviert. Dieses Paradies ist derzeit blau. Dafür sorgt Phacelia, eine für Bienen besonders geeignete Pflanze. Doch schon wachsen Klee, Ölrettich und erste Sonnenblumen, auch wenn die Pflanzen noch ganz klein sind. Sie werden später blühen. "Sinn und Zweck ist es, möglichst lange ein Blütenangebot zu gewährleisten", sagt Ina Schellbach. Jede Pflanze blüht zu einer anderen Zeit. So finden Bienen und andere Insekten lange Zeit Nektar auf den Äckern.

Diese Blühsteifen sollen die Verbreitung von Insekten unterstützen. Streifen seien dabei besser als Inseln mitten auf dem Acker, so Schellbach. Mit den Blühstreifen werden blühende Gebiete verbunden, was gut für Insekten ist, die nicht so große Entfernungen zurücklegen können.

Förderung durch die EU

Doch was gut ist für Insekten, ist schlecht fürs Portemonnaie des Landwirts. Denn wo es die ganze Saison über nur blüht, wird nichts geerntet. Nun erhalten Landwirte eine Prämie aus einem EU-Förderprogramm, wenn sie mindestens fünf Prozent ihrer Ackerflächen als ökologische Vorrangfläche ausweisen. Dafür reiche es, die Fläche einfach brach liegen zu lassen, sagt die Landwirtin. Niemand sei verpflichtet, Blühstreifen anzulegen. Die Schellbachs machen es trotzdem. Um dieses Engagement den Mitbürgern nahe zu bringen und auch dem Portemonnaie eine kleine Entlastung zu gewähren, hatte sie die Idee, Blühpaten zu gewinnen.

Feldränder, in denen es summt und brummt

Eine solche Blühpatin ist Hiltraut Kahnert aus Ströbeck. Für 40 Euro hat die Rentnerin die Patenschaft für 100 Quadratmeter Blühstreifen übernommen. "Mir geht es gut dabei", sagt die ehemalige Lehrerin. Sie finde die Idee einfach nur toll. Obendrein erfreue sie sich bei ihren Radtouren in die Umgebung am Anblick der blühenden Feldränder, in denen es summt und brummt. "Wie eine klitzekleine Meditation" sei das für sie.

Mehr als 30 Patenschaften

Frau steht in blühendem Feldrand und hält Pflanze in den Händen
Ina Schellbach ist zufrieden, wenn sich Insekten in ihren Feldern tummeln. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Mehr als 30 Blühpaten haben sich schon bei Ina Schellbach gemeldet, die darüber sehr erfreut ist. Eine so große Resonanz hatte sie nicht erwartet. Ganz verschiedene Leute haben sich gemeldet, zum Beispiel Großeltern, die ihre Enkelkinder für den Naturschutz sensibilisieren wollen oder eine Familie, die dem Großvater zum 95. Geburtstag eine Blühpatenschaft schenken will.

Worüber sich die Ströbecker Landwirtin aber besonders freut: Mit all diesen Interessenten habe sie sehr aufschlussreiche Gespräche geführt. Schließlich wolle sie mit der Blühpatenaktion auch zeigen, dass viele Landwirte eine ganze Menge für den Naturschutz tun. Demnächst soll übrigens jeder Blühpate ein eigenes Schild bekommen, das dann an den entsprechenden Stellen der Blühstreifen die gute Tat verkündet.

Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 15. Juni 2019 | 13:10 Uhr

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