Quarantäne wegen Coronavirus ZASt Halberstadt: Hungerstreik und Kritik an Versorgung

Bewohner der Unterkunft für Asylbewerber in Halberstadt – der ZASt – haben am Sonnabend einen Hungerstreik ausgerufen. Sie beklagen zu wenige Hygieneartikel – während das Haus wegen des Coronavirus unter Quarantäne steht. Zudem kam es zu Auseinandersetzungen mit dem Wachpersonal.

Polizisten stehen vor der Zufahrt zur Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber des Landes Sachsen-Anhalt. Die Einrichtung steht wegen eines bestätigten Corona-Positivbefundes für zwei Wochen unter Quarantäne
Ein Krankenwagen vor der Unterkunft für Geflüchtete in Halberstadt. Bildrechte: dpa

In der Flüchtlingsunterkunft in Halberstadt, der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber (kurz ZASt), leben aktuell 839 Bewohner und Bewohnerinnen. Seit dort mehrere Geflüchtete positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden waren, steht das Haus unter Quarantäne. Nun haben Bewohner am Sonnabend einen Hungerstreik ausgerufen. Das sagte ein Geflüchteter MDR SACHSEN-ANHALT am Telefon, das bestätigen auch Meldungen des Flüchtlingsrates Sachsen-Anhalt sowie des Antirassistischen Netzwerks in sozialen Netzwerken.

Demnach fordern die Streikenden unter anderem eine bessere Versorgung mit Hygieneartikeln sowie mit Essen. Der Bewohner der ZASt erklärte in dem Telefonat, die Versorgung mit Essen sei mangelhaft und es gebe zu wenig Hygieneartikel wie Seife oder Desinfektionsmittel. Auch ein entsprechender Forderungskatalog wurde in sozialen Netzwerken veröffentlicht. Dazu muss man wissen, dass die sanitären Anlagen in der Unterkunft gemeinschaftlich genutzt werden.

Die einzelnen Gebäude auf dem Gelände der ZASt sind seit den Quarantänemaßnamen mit Zäunen voneinander isoliert. Essen wird laut Flüchtlingsrat zwar dreimal am Tag geliefert. Vor der Quarantäne konnten die Bewohner jedoch mit Taschengeld für ihren eigenen Bedarf einkaufen. Da das Gebäude nun präventiv abgeschottet ist, ist das nicht mehr möglich. Zuletzt wurde vom Flüchtlingsrat daher Kritik laut, die Grundversorgung sei "absolut unzureichend". Der Rat wie auch das Landesnetzwerks Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt (LAMSA) hatten zu Geld- und Sachspenden aufgerufen, um selbst Produkte zur Verfügung zu stellen.

Ein Mann gibt vor der ZASt in Halberstadt eine Stellungnahme ab
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die große Sorge, die die Leute haben, ist, dass die Schutzmaßnahmen nicht ausreichen, dass die Infektionsgefahr so groß ist. Und es fehlt alles am täglichen Bedarf, sei es Klopapier oder eine Zahnbürste für Kinder. Die Leute können einfach nicht raus, um einzukaufen.

Mamad Mohamed, Geschäftsführer des LAMSA

Am Sonnabend haben sich die Spannungen nun offenbar zugespitzt und es war nach Angaben von Polizei und Asylbewerbern aus dem Haus zu einer Auseinandersetzung zwischen Bewohnern und dem Sicherheitspersonal gekommen. Dabei sei ein Zaun umgerissen worden. Offenbar handelte es sich dabei um einen der aufgestellten Quarantänezäune. Mannschaftswagen der Polizei rückten an, rund 50 Polizisten waren am Sonnabendnachmittag vor der Unterkunft, aus der im Moment niemand heraus und wo von außen nur die rund 100 Mitarbeiter hinein dürfen.

Polizeiaufgebot vor der ZASt in Halberstadt
Einsatzkräfte vor der ZASt am Sonnabend. Bildrechte: Annette Schneider-Solis

Es lässt sich von außen schwer nachvollziehen, was genau passiert ist. Die Polizei teilte am Sonntag mit, eine schwangere Frau sei vorsorglich medizinisch untersucht worden und für eine Nacht ins Krankenhaus gekommen. Verletzungen habe es keine gegeben. Dieses Video, auf Twitter geteilt vom Journalisten Arndt Ginzel, soll die Frau zeigen und es war die Rede davon, dass sie geschlagen worden sei.

Wie die Polizei weiter mitteilte, liegen nun wegen Körperverletzung vereinzelte Anzeigen sowohl von den Bewohnen der ZASt , als auch vom Wachpersonal vor. Die Ermittlungen laufen.

Sebastian Striegel, innenpolitischer Sprecher der Grünen im Landtag von Sachsen-Anhalt, forderte auf Twitter, die Bedingungen in der ZASt so auszugestalten, dass weitere mögliche Ansteckungen verhindert würden. Auch die seelische Gesundheit der Bewohner müsse im Blick bleiben. "Die Bewohner müssen in dieser für alle schwierigen Zeit angemessen versorgt, informiert und vor allem betreut werden. Das ist staatliche Pflichtaufgabe."

Für Helen Deffner vom Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt kamen solche Anspannungen mit Blick auf die Corona-Krise nicht überraschend. Deffner sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Das war unserer Meinung nach vorhersehbar." Im Haus herrsche unter Bewohnern große Versunsicherung. Zudem bezeichnete sie die Informationslage als "katastrophal".

Die Bewohner hätten bislang nicht verstehen können, welche Maßnahmen in der Isolation warum ergriffen würden. Dabei spielte sie auf die errichteten Zäune an. Die Quarantäne und was sie mit sich bringe, müsse ihnen besser und verstärkt erklärt werden. Zwar habe sich die Vesorgung mit sanitären Produkten seit Freitag schon gebessert, doch habe es eine Woche gedauert, bis das erfolgt sei. So sei es zu großer Unruhe unter Bewohnern in der ZASt gekommen.

Polizei und Feuerwehr stehen bereit
Polizei und Feuerwehr wurden am Sonnabend zur ZASt gerufen. Bildrechte: MDR/Julia Heundorf

Die Nacht von Sonnabend auf Sonntag sei schließlich ruhig verlaufen, hieß es am Sonntag von der Polizei. Noch am Sonnabendabend hat das Landesverwaltungsamt außerdem zugesichert, die Versorgung für die Bewohner der ZASt zu verbessern.

MDR-Schwerpunkt: Das Coronavirus
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Quelle: MDR/mg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 05. April 2020 | 07:00 Uhr

37 Kommentare

Sailor vor 24 Wochen

Sehr geehrte Harka 2,
woher nehmen Sie sich das Recht heraus von Naziparolen zu reden? Kritik sollte doch wohl in unserem Land erlaubt sein. Leider macht man es sich sehr einfach. Werden Forderungen gestellt und nicht gleich erfüllt dann kommt die Nazikeule. Von "Gästen" darf man schon erwarten das sie sich dem Gastland anpassen. Jeder Asylbewerber ist hier sicher vor Verfolgung, hat täglich Nahrung und ein Dach über dem Kopf, Taschengeld ohne jegliche Gegenleistung. Bei einem Nazi Volk bestünde diese Problematik überhaupt nicht! Mensche die alles etwas kritisch sehen sind weder Nazi oder rechts. Es gibt in diesem Land auch viele fleissige Menschen mit Migrationshintergrund die hart arbeiten und damit genau so zum Unterhalt der Asylbewerber beitragen. Also kann ich erwarten das die Leute in der Zast den Anweisungen des Landes folgen und dies ohne wenn und aber! Sehen sie nach Indien was dort zur Zeit abläuft. Da haben Sie hier doch nur ein Komfort Problem.

Sailor vor 24 Wochen

Was in der Zast abläuft ist nicht zu akzeptieren. Hier sollte das Land hart durchgreifen. Ich bin durch die Seefahrt genug rumgekommen habe gesehen wie es in anderen Ländern läuft. Da ist das Bleiberecht und Asyl Status weg und es wird rigoros abgschoben. Alles wird mit unseren Steuergeldern bezahlt. Dafür werden wohl die Renten besteuert? Das Land hat genug Probleme.

Nordharzer vor 24 Wochen

Im Netz kursiert ein Video, das augenscheinlich die Vorfälle zeigt. Ein Asylbewerber randaliert am Absperrzaun und stürzt den schlußendlich um. Als Wachleute denjenigen festhalten wollen, werden sie von anderen Asylbewerbern bedrängt. Abseits von diesem Geschehen fängt plötzlich eine Frau an zu schreien ohne dass da ein Wachmann in der Nähe ist, scheinbar ist es die Schwangere. Nunmehr wenden sich noch mehr Leute gegen den Wachschutz, Rufe sind zu hören, wie "Fuck you", "I kill you". Die Wachleute ziehen sich zurück, dann endet das Video. Polizei ist nicht zu sehen. Das Video ist aus einem oberen Stockwerk der ZAST gemacht worden.

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