"Faunas" aus Ditfurt Die Puhdys überdauert, die Stones im Visier: "Schülerband" spielt nach 50 Jahren immer noch

"Wir spielen bis zur Rockerrente", sangen einst die Puhdys. In Ditfurt bei Quedlinburg hat genau das eine Band wahr gemacht. Die Faunas fingen als Schülerband an und treten heute noch gemeinsam auf. Das Jubiläum sollte jetzt eigentlich groß gefeiert werden – das geht aber wegen Corona nicht. Kein Problem, sagen die Faunas und versprechen: Das wird nachgeholt.

Nicht die Puhdys, sondern die Beatles werden angestimmt im Probenraum der Faunas in Ditfurt. "Twist and Shout" spielen sie mal so eben zum warm werden. Immer freitags trifft sich die Band mit dem Durchschnittsalter von Mitte sechzig in dem umgebauten Rinderstall von Familie Naumann, um Oldies zur spielen und um neue Titel einzustudieren.

Ein Plakat weist auf den Auftritt der Band "Faunas" im Jahr 1972 hin.
Schon in den 70ern auf der Bühne: Werbeplakat für einen Auftritt der Faunas 1972 Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Ihr erste gespielter Titel sei "Hang On Sloopy" von den McCoys gewesen, erinnert sich Bandleiter Manfred Blath. Er hat zusammen mit Schulfreund Reinhard Naumann die Band 1970 gegründet. 14 Jahre alt waren sie damals und im Ditfurter Spielmannzug aktiv. Ab und zu auf eine Klassenfeier oder einem Geburtstag hatten sie schon vorher zusammen Musik gemacht. Das ausschlaggebende Moment aber sei die Jugendweihe gewesen, erinnert sich Manfred Blath. Vom geschenkten Jugendweihe-Geld hatte er sich ein Tonband gekauft. Das half, aufgenommene Songs immer wieder abzuspielen, die Texte mitzuschreiben und auswendig zu lernen. Zur so genannten Einstufung, einer Prüfung, der sich in der DDR alle Musiker unterziehen mussten, wenn sie auftreten wollten, legten die Faunas 25 Titel vor. Den Tag dieser Prüfung, die sie übrigens mit Bravour absolvierten, nehmen die fünf heute als Gründungsdatum ihrer Band.

Mitte der 70er dann: Pause

Fortan traten sie regelmäßig auf bei Jugendtanz-Veranstaltungen und Volksfesten und wurden bekannt in der Region. Doch 1976 war erst mal Schluss. Die Jungs mussten zur Armee, Familien wurden gegründet, Kinder bekommen. Sängerin Ulrike heiratete Reinhard, den Bassisten der Band. Doch ewig hielten sie es nicht ohne Musik aus. Immer wieder mal traf man sich, um aus Spaß zu musizieren. Im Jahr 1995 schließlich gaben sie sich einen Ruck.

Mitglieder einer Band stehen mit Handwerkszeug bei der Renovierung ihres Probenraums nebeneinander.
1995 gaben sich die Faunas einen Ruck und legten wieder los. Das Bild zeigt sie beim Renovieren ihres Probenraums. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Wieder waren es Manfred und Reinhard, die beiden Schulfreunde. Manfred, der inzwischen selbstständige Architekt hatte Firmenjubiläum. Am Ende des Tages saß er mit Reinhard zusammen und sagte: "Lass uns wieder was zusammen machen". Ulrike Naumann, inzwischen Lehrerin kam von einer Klassenfahrt zurück, als ihr Mann sie mit den Worten informierte: "Hatte ich dir schon erzählt, dass ich mir eine Gitarre gekauft habe? Es gibt die Faunas wieder". Ulrike, die Sängerin, war sofort wieder mit dabei. Jochen der Schlagzeuger kam dazu, ebenso Keyboarder Martin, heute mit 60 Jahren jüngste Bandmitglied.

Es gibt die Faunas wieder.

Reinhard Naumann

Zehn bis zwölf Auftritte im Jahr – und immer füreinander da

Zehn bis zwölf Auftritte absolvieren sie seitdem pro Jahr. Sie spielen auf Betriebs- und Volksfesten, waren bei jedem Sachsen-Anhalt-Tag dabei. Mit dabei ist heute auch immer Reinhard Kohl, der "Sachse" – so genannt, weil er eine Weile in Leipzig lebte. Er ist sicher auch einer der ältesten Rowdys. Als Jugendlicher hatte er vor fast 50 Jahren die Band bei einer Tanzveranstaltung kennengelernt. Als die sich zum Weitermachen entschied, kam er als Techniker und Helfer dazu.

"Das Hauptaugenmerk liegt auf Oldies", gibt Manfred die Musikrichtung vor. 350 verschiedene Titel gehören inzwischen zum Repertoire. Der neuste einstudierte Titel ist Albert Hammonds "It Never Rains in Southern California". Auf die Frage, wie sie es geschafft haben, seit 50 Jahren zusammen Musik zu machen, gibt es eine einhellige Antwort: Freundschaft!

Die Stones wollen sie noch überdauern

Sie hätte immer auch familiären Kontakt gehabt, sagt Ulrike Naumann. Sie seien wirkliche Freunde, hätten gemeinsame Höhen und Tiefen erlebt und seien immer füreinander da gewesen. Ihr Ehemann Reinhard, der Bassist, glaubt, noch einen weiteren Grund zu kennen: "Wir sind alle keine Superkünstler, aber ein echtes Team." Die meisten Bands hätten ein oder zwei besonders gute Musiker, die dann aber mehr wollen. So würden sich dann die viele Bands irgendwann trennen. Das Alter und veränderte Interessen seien dann natürlich auch ausschlaggebend. Nicht so die Faunas aus Ditfurt.

Mitglieder einer Band stehen mit ihren Instrumenten für ein Gruppenfoto nebeneinander und lächeln in die Kamera.
Sie sind die Faunas aus Ditfurt: Reinhard Naumann (von links), Bass, Ulrike Naumann, Sängerin, Jochen Wolter, Schlagzeug, Bandchef Manfred Blath (mit Gitarre) und Martin Koch, Keyboard Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Natürlich haben sie angestoßen auf ihr Jubiläum und eine kleine interne Feier veranstaltet. Die große Fete für die Fans haben sie kurzerhand auf nächstes Jahr verschoben. Zum 51. Bandjubiläum soll es dann die ganz große Sause geben. Das versprechen sie ganz fest, denn auch wenn aus den Schülern von damals inzwischen Rentner geworden sind: Ans Aufhören denkt bei den Faunas niemand.

Die Puhdys hatten sie schon überholt, jetzt seien die Stones dran, sagt lachend Manfred Blath. "Wenn die aufhören, spielen wir noch zehn Jahre weiter." 

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Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 19. September 2020 | 10:10 Uhr

1 Kommentar

Nordharzer vor 5 Wochen

Glückwunsch an die Faunas! War immer super mit Euch in den 70ern. Ich erinnere mich noch gern andie ersten Veranstaltungen mit Röhrenradios als Verstärkern. Lieber MDR Euch scheint der Unterschied zwischen einem Roadie und einem Rowdy nicht so ganz klar zu sein.

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