Einheitsdenkmal Wülperode Wie aus einer vergessenen Gegend ein Erinnerungsort wird

Das Grenzdenkmal Wülperode gehört zu den wenigen Anlagen, die im Originalzustand erhalten sind – 60 Meter DDR-Grenzzaun zwischen Wülperode im Harz und Wiedelah in Niedersachsen. Hier haben sich frühere Grenzer getroffen, um gemeinsam den Tag der Deutschen Einheit zu begehen und ein Denkmal fertig zu stellen.

von Carsten Reuß, MDR SACHSEN-ANHALT

Lothar Engler (l.) und Andreas Weihe an der Grenzsäule des Grenzdenkmals Wülperode
Lothar Engler (l.) und Andreas Weihe waren beide Grenzer – jetzt setzen sie sich für die Aufarbeitung der Geschichte ein. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

An der ehemaligen Grenze treffen sich Menschen aus dem Harzvorland, um gemeinsam den Tag der Deutschen Einheit zu feiern. Zwischen den Örtchen Wülperode in Sachsen-Anhalt und Wiedelah in Niedersachsen entstand in den letzten Jahren ein Grenzdenkmal – jetzt ist es fertig geworden.

Originalgetreuer Nachbau der Grenzsäule 905

Unter dem Beifall der zahlreich erschienenen Anwohner wird eine weiße Holzverkleidung abgenommen. Zum Vorschein kommt eine zwei Meter hohe Säule, diagonal schwarz-rot-gelb gestreift und mit dem DDR-Emblem versehen. Es ist ein originalgetreuer Nachbau der Grenzsäule Nummer 905, die hier nur ein paar Meter entfernt die Grenze zwischen Ost-und West kennzeichnete. Die Säule ist eine von einst mehr 2.500, welche die Ost-West-Grenze markierten.

Bilder der DDR-Grenzanlage und des heutigen Denkmals Wülperode

Zwischen Wülperode in Sachsen-Anhalt und Wiedelah in Niedersachsen wird die Grenzsäule des Grenzdenkmals eingeweiht.
Anlässlich des Tages der Deutschen Einheit haben Menschen aus Ost und West das Grenzdenkmal Wülperode vervollständigt. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Zwischen Wülperode in Sachsen-Anhalt und Wiedelah in Niedersachsen wird die Grenzsäule des Grenzdenkmals eingeweiht.
Anlässlich des Tages der Deutschen Einheit haben Menschen aus Ost und West das Grenzdenkmal Wülperode vervollständigt. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Zwischen Wülperode in Sachsen-Anhalt und Wiedelah in Niedersachsen wird die Grenzsäule des Grenzdenkmals eingeweiht.
Sie haben die Nachbildung der DDR-Grenzsäule mit der Nummer 905 aufgestellt. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Lothar Engler (l.) und Andreas Weihe an der Grenzsäule des Grenzdenkmals Wülperode
Lothar Engler (l.) aus Wiedelah in Niedersachsen und Andreas Weihe, Vorsitzender des Heimatvereins Abbenrode haben sich dafür eingesetzt – beide waren Grenzer an der Grenze zwischen der Ost- und Westdeutschland. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Alte Privataufnahme der Grenzanlage (vor 1989) mit Grenzsäule zwischen Wülperode in Sachsen-Anhalt und Wiedelah in Niedersachsen
Weihe sagte: "Diese Grenzsäule ist keine Ostalgie, sondern es soll ein Stolperstein sein, der zeigt, hier ist was gewesen". (Archivaufnahme von vor 1989) Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Informationstafeln am Grenzdenkmal Wülperode zwischen Sachsen-Anhalt und Wiedelah in Niedersachsen
Lothar Engler war einmal Zollbeamter. Er steht einer Gruppe ehemaliger Grenzer aus Ost und West vor, die sich zusammengetan haben, um die Erinnerung wachzuhalten und Geschichte aufzuarbeiten. Eng wird dabei mit dem Heimatverein Abbenrode zusammengearbeitet. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Schild "Grenzdenkmal" an der Straße zwischen Wülperode in Sachsen-Anhalt und Wiedelah in Niedersachsen
So begann die Gruppe, sich für das Denkmal, das damals noch keines war, einzusetzen. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Schüler aus Osterwieck beim Arbeitseinsatz für das Grenzdenkmal Wülperode
Schüler des Fallstein-Gymnasiums in Osterwieck haben geholfen, den verwilderten Ort in Stand zu setzen. (Archivaufnahme von 2016) Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Informationstafel am Grenzdenkmal Wülperode zwischen Sachsen-Anhalt und Wiedelah in Niedersachsen
Jetzt erklären Informationstafeln die besondere Bedeutung des Ortes. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Grenzzaun des Grenzdenkmals Wülperode zwischen Wülperode in Sachsen-Anhalt und Wiedelah in Niedersachsen
So wurde aus ein paar überwucherten Sperrgräben und rostigen Zaunresten ein Erinnerungsort. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Zwei Männer stehen vor einer Informationstafel am Grenzdenkmal Wülperode zwischen Sachsen-Anhalt und Wiedelah in Niedersachsen.
Nicht nur für durchreisende Fremde, sondern auch für die Menschen der Region. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
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Der Nachbau ist nicht wie das Original aus Beton, sondern aus Stahl gefertigt. "Damit sich niemand ein Stück als Souvenir abschlagen kann", erklärt Lothar Engler. Die Enthüllung der Grenzsäule ist der symbolische Akt für die Fertigstellung des Grenzdenkmals. Engler wohnt nur ein paar hundert Meter entfernt im niedersächsischen Wiedelah. Sechs Jahre Kampf für das Grenzdenkmal liegen hinter ihm.

Grenzdenkmal Wülperode

Das Grenzdenkmal Wülperode gehört zu den wenigen Stellen, an denen noch Grenzbauten im Original erhalten sind. 1990 war hier an der Straße zwischen Wülperode und Wiedelah der Zaun geöffnet worden. Auf Initiative von Wülperödern blieb damals ein kleiner Teil der Anlage im Okertal stehen. 2019 soll sie nun sogar in das geplante Naturmonument "Grünes Band Sachsen-Anhalt" aufgenommen werden.

Damals sei er darauf aufmerksam gemacht worden, dass das Stück der Original-Grenzsperranlage zu verkommen drohte. Alles sei zugewuchert gewesen, erinnert er sich.

Diese Grenzsäule ist keine Ostalgie, sondern es soll ein Stolperstein sein, der zeigt, hier ist was gewesen

Andreas Weihe, Vorsitzender des Heimatvereins Abbenrode

Das Areal als authentischer Lernort

Lothar Engler war einmal Zollbeamter, ein West-Grenzer, wie er sagt. Er steht einer Gruppe ehemaliger Grenzer aus Ost und West vor, die sich zusammengetan haben, um die Erinnerung wachzuhalten und Geschichte aufzuarbeiten. Eng wird dabei mit dem Heimatverein Abbenrode zusammengearbeitet. So begann die Gruppe, sich für das Denkmal, das damals noch keines war, einzusetzen.

Schüler aus Osterwieck beim Arbeitseinsatz für das Grenzdenkmal Wülperode
Schüler aus Osterwieck helfen beim Aufbau des Grenzdenkmals Wülperode mit. (Archivbild) Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Unterstützung bekam sie schon bald von Lehrern und Schülern des Fallstein-Gymnasiums im nahen Osterwieck. Die Lehrer erkannten den Wert des Areals als authentischen Lernort und die Schüler nahmen diesen sofort an. 2015 wurde eine Patenschaft besiegelt. Seitdem pflegen die 10. Klassen des Gymnasiums regelmäßig das Gelände. Es werden Arbeitseinsätze organisiert und Geschichtsprojekte initiiert. Mit Hilfe weiterer Partner kamen Informationstafeln hinzu. Schließlich wurde das Gelände unter Denkmalschutz gestellt.

So wurde aus ein paar überwucherten Sperrgräben und rostigen Zaunresten ein Erinnerungsort mit Informationstafeln – nicht nur für durchreisende Fremde, sondern auch für die Menschen der Region. Das zeigte auch die rege Anteilnahme heute, an einem Tag, der eigentlich nicht an die Grenze sondern deren Überwindung erinnern soll. Andreas Weihe, Vorsitzender des Heimatvereins Abbenrode: "Diese Grenzsäule ist keine Ostalgie, sondern es soll ein Stolperstein sein, der zeigt, hier ist was gewesen".

Quelle: MDR/mp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 03. Oktober 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Oktober 2019, 21:25 Uhr

1 Kommentar

Simone vor 10 Wochen

Schön, dass Geschichte nicht in Vergessenheit gerät.
Der Aufbau der Grenzsperranlagen zeigt deutlich wer aus welcher Richtung am überqueren der Grenze abgehalten werden sollte.

Ein Land dass seine Bürger einsperren muss hat moralisch abgewirtschaftet gehabt.

Schön, dass es diese DDR nicht mehr gibt!

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