DRK Harzer Bergwacht bei Rettungsübung
An der "Vergessenen Wand" übt die Harzer Bergwacht ihren Rettungseinsatz. Bildrechte: MDR/Nicole Franz

Ehrenamtliche Helfer Einsatz an Extrem-Orten: Wie die Bergwacht Leben rettet

Allein im Jahr 2019 musste die Harzer Bergwacht in Sachsen-Anhalt zu rund 70 Einsätzen ausrücken. Nun fängt der Herbst an – inklusive Rutschgefahr auf nassen Steinen oder feuchtem Moos. Um auf jede Art von Unfällen in den Bergen vorbereitet zu sein, übt und verbessert die Bergwacht regelmäßig ihre Rettungstechniken.

Nicole Franz
Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

von Nicole Franz, MDR SACHSEN-ANHALT

DRK Harzer Bergwacht bei Rettungsübung
An der "Vergessenen Wand" übt die Harzer Bergwacht ihren Rettungseinsatz. Bildrechte: MDR/Nicole Franz

Laub raschelt bei jedem Schritt. Wind säuselt durch den Wald und wächst nach und nach zu einem Sturm heran. Noch hält sich das Wetter, der Himmel ist grau bewölkt, ab und an ergießen sich Regenschauer. Mitten im Wald, auf Höhe des Schierker Bahnhofs, steht eine Holzhütte. Die gehört der Harzer Bergwacht. Die Bergretter treffen sich dort in der Stube und besprechen die Aufgaben für den Tag.

Im Wald verteilt werden Stationen zu einem Zirkeltraining aufgebaut. Daran übt die Bergwacht des Deutschen Roten Kreuzes für die Sommerrettung. So wird beispielsweise trainiert, wie man sich zu einer verletzten Person abseilen und diese entweder nach oben auf den Fels oder nach unten auf den Boden retten kann. Dafür benötigt es gewisse Techniken, die alle Bergretter beherrschen müssen.

Ehrenamtlicher Einsatz am Limit

DRK Harzer Bergwacht bei Rettungsübung
Bergung nach der Schumann-Methode: Hier kommt eine Trage zum Einsatz. Bildrechte: MDR/Nicole Franz

Das hat auch Sebastian Brüchert schon praktisch im Einsatz erlebt. Er erzählt, dass im vergangenen Jahr ein Junge über ein Geländer geklettert und 20 Meter in die Tiefe gestürzt war. Sein Cousin, der den Jungen retten wollte, stürzte ebenfalls ab und landete auf ihm. Doch die Jungen hatten Glück im Unglück, landeten auf einem Vorsprung. Zwei Meter weiter und sie wären in den sicheren Tod gefallen. Sebastian Brüchert ist damals mit einem Kollegen angerückt, wurde abgeseilt und hat die beiden Jungs in Sicherheit bringen können.

Ihm fällt aber auch auf, dass vielen Wanderern und Kletterern gar nicht bewusst sei, dass ihre potentiellen Retter von der DRK-Bergwacht ehrenamtlich tätig sind. Dadurch würden viele die Rettung als selbstverständlich hinnehmen.

Helfen als Lebensaufgabe

Für die Bergretter jedoch steht es außer Frage, dass sie ihre Freizeit für das Ehrenamt verwenden. Dabei empfinden die meisten die vielen Stunden, die das Ehrenamt frisst, nicht als Opfer, sondern als Bereicherung. So geht es beispielsweise Heiner Jentsch. Ihm wurde die Bergwacht in die Wiege gelegt: Seine Eltern waren Urgesteine der Bergrettung. Er selbst ist auch schon seit 40 Jahren dabei und ehrenamtlicher Landesleiter der Harzer Bergwacht in Sachsen-Anhalt. Er genießt besonders, dass er viel in der Natur sein kann und mit Freunden und Gleichgesinnten an Aufgaben wachsen kann. Seine Grundmotivation ist jedoch, Menschen in Not zu helfen.

Wo das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hilft

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) und die Rothalbmond-Bewegung leisten international humanitäre Hilfe. Dazu zählen beispielsweise die Versorgung mit Trinkwasser und der Kampf gegen Krankheiten, etwa HIV in Afrika. Auch in Deutschland hilft das DRK Menschen in nahezu allen Lebenslagen. Das reicht von ambulanter Pflege über Fahrdienste bis zur Hilfe beim Einkaufen. Diese vielfältigen Aufgaben werden dabei von Haupt- und Ehrenamtlichen getragen. Insgesamt arbeiten in Deutschland rund 435.000 Personen ehrenamtlich beim DRK, in Sachsen-Anhalt sind es knapp 6.000.

DRK Harzer Bergwacht bei Rettungsübung
Selina Post fühlt sich für die Bergrettung berufen. Bildrechte: MDR/Nicole Franz

Helfen möchte auch Selina Post. Die 18-Jährige ist ebenfalls seit sie denken kann bei der Bergwacht. Dort verbringt sie mindestens zwei Tage in der Woche mit Übungen, hinzu kommt der Bereitschaftsdienst. Aber auch sie hat nicht das Gefühl, dass sie etwas entbehren würde. Im Gegenteil: Sie empfindet die Zeit als sinnvoll investiert und ihr Ehrenamt somit als Bereicherung. Von Vorteil ist dabei, dass Klettern und Wandern Selinas größte Hobbies sind. Zudem sind alle ihre Freunde ebenfalls bei der Bergwacht tätig.

Das ist besonders am Ende des Übungstages schön. Denn dann wird der Kamin in der Holzhütte angefacht. Die Bergretter sitzen dann zusammen, singen Lieder und erzählen sich Geschichten von Wanderurlauben. Danach schlafen sie gemeinsam im Matratzenlager unter dem Dach.

Nicole Franz
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Über die Autorin Seit August 2019 ist Nicole Franz im Rahmen eines Praktikums bei MDR SACHSEN-ANHALT. Währenddessen hat sie vor allem die Beitragsserie zum "Gemeinwohlatlas" fürs Radio und für die Website umgesetzt. Gebürtig kommt Nicole Franz aus Würzburg, lebt aber seit zwei Jahren in Leipzig. Ihre ersten Erfahrungen in Sachsen-Anhalt gefallen ihr sehr gut: "Ich gehe gerne an der Elbe spazieren oder esse ein Eis in der Magdeburger Innenstadt". Durch ihre Beitragsserie konnte sie auch weitere Teile Sachsen-Anhalts kennenlernen, unter anderem den Harz, die Altmark und den Saalekreis.

Quelle: MDR/ap

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 17. Oktober 2019 | 09:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Oktober 2019, 14:58 Uhr

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