Annekatrin Beck im Feuerwehreinsatz
Annekatrin Beck steht für die Freiwillige Feuerwehr in Cattenstedt immer auf Abruf. Bildrechte: MDR/ Nicole Franz

Ehrenamtliche Helfer Immer auf dem Sprung für die Freiwillige Feuerwehr

Sachsen-Anhalts ehrenamtliche Helfer leisten viel für die Gesellschaft. Aufmerksamkeit bekommen sie dafür nur selten. In einer Serie stellt MDR SACHSEN-ANHALT fünf Helferinnen und Helfer vor. In Teil 1 geht es um eine Feuerwehrfrau aus Cattenstedt, die für ihr Engagement vor allem eines braucht: Flexibilität.

Nicole Franz
Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

von Nicole Franz, MDR SACHSEN-ANHALT

Annekatrin Beck im Feuerwehreinsatz
Annekatrin Beck steht für die Freiwillige Feuerwehr in Cattenstedt immer auf Abruf. Bildrechte: MDR/ Nicole Franz

Annekatrin Beck sitzt gern gemütlich in ihrer Küche und isst zu Abend. Oder sie werkelt im Garten. Oder sie spielt mit ihrer kleinen Tochter. Es gibt vieles, was sie an einem freien Tag erledigen kann. Doch sie weiß auch: jederzeit kann ihr Pieper auslösen und sie zur Feuerwache in Cattenstedt bei Blankenburg rufen. Bei einem Alarm braucht sie keine fünf Minuten, bis sie vor Ort ist. Das ist aber auch nur möglich, weil ihre Familie sie unterstützt. Ihre Eltern kümmern sich im Notfall beispielsweise um Annekatrins Tochter.

"Wichtig ist, dass man sein Leben gut organisiert und auch, dass man einen starken Rückhalt hat", sagt Annekatrin Beck.

Schwierige Vereinbarkeit mit Hauptberuf

Rückhalt braucht Annekatrin Beck nicht nur von der Familie, sondern auch von ihrem Arbeitgeber. Sie arbeitet für einen großen Finanzdienstleister in Braunschweig. Die Fahrt nach Cattenstedt kostet sie fast eine dreiviertel Stunde. Diesen Weg nimmt sie nur bei Großeinsätzen auf sich, denn nur dann lohnt es sich, die Arbeit ruhen zu lassen. Sie weiß auch, dass sie Glück hat mit ihrem Arbeitgeber: dieser fördert Ehrenamt geradezu.

Annekatrin Beck erzählt aber auch, dass besonders bei kleineren Betrieben die Realität oft anders aussieht. Auch wenn der Arbeitgeber gesetzlich dazu verpflichtet ist, seine Mitarbeiter zu einem Feuerwehreinsatz gehen zu lassen, kommt es oftmals zu Schwierigkeiten.

Brandschutz- und Hilfeleistungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt

§9 (4): Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr: Den Mitgliedern darf aus ihrer Verpflichtung zum Einsatzdienst und aus diesem Dienst kein Nachteil erwachsen. Müssen Mitglieder im Einsatzdienst während der Arbeitszeit an Einsätzen oder Ausbildungsveranstaltungen teilnehmen, so sind sie für die Dauer der Teilnahme unter Weitergewährung des Arbeitsentgeltes, das sie ohne die Teilnahme erhalten hätten, von der Arbeitsleistung freigestellt. Bei Einsätzen erstrecken sich Freistellungs- und Entgeltanspruch auch auf den zur Wiederherstellung der Arbeits- oder Dienstfähigkeit erforderlichen Zeitraum danach. Sozialversicherungsverhältnisse werden durch den Dienst nicht berührt.

Ehrenamt bei der Feuerwehr notwendig

In Sachsen-Anhalt gibt es nur drei Städte mit Berufsfeuerwehren: Magdeburg, Dessau-Roßlau und Halle. Alle anderen Gemeinden verfügen über Freiwillige Feuerwachen. Wie der Name schon sagt, bedarf es hierfür Ehrenamtliche. Davon benötigt eine Feuerwache auch einige, denn ein Brand kann nur im Team, nicht jedoch alleine gelöscht werden.

Freiwillige Feuerwehr und Gemeinwohl

Die Feuerwehrleute aus Cattenstedt haben circa 80 bis 90 Einsätze pro Jahr. Oftmals müssen sie wegen Unfällen auf der A36 ausrücken. Annekatrin Beck erzählt aber auch von Hausbränden. Vor zwei Jahren gab es beispielsweise einen großen Brand in ihrem Heimatdorf. In dem Gebäude befanden sich damals auch noch Personen. Glücklicherweise konnten alle unversehrt geborgen werden.

So gut geht es leider nicht immer aus, aber auch damit kann Annekatrin Beck umgehen. Besonders hilft ihr, dass sich die Feuerwehrleute nach dem Einsatz zusammensetzen, gemeinsam Essen und über das Erlebte sprechen.

Die Feuerwehr trägt aber nicht nur in den "offensichtlichen" Bereichen zum Gemeinwohl bei. Sie sorgt auch für einen guten Zusammenhalt im Dorf. Erreicht wird dieser durch Aktionen wie zum Beispiel das Osterfeuer oder den St. Martins Umzug.

Spürhund Senta ist immer an Annekatrins Seite

Neben Familie, Arbeit und Ehrenamt hat Annekatrin Beck auch noch Hündin Senta. Sie ist ein wahres Energiebündel: Da ihr die Gassi-Runden nicht ausgereicht haben, wurde sie zu einem Mantrailer, also einem Personenspürhund ausgebildet. Bei einem Einsatz schnuppert Senta an einem Haar oder einem anderen Gegenstand der Person und kann so beispielsweise Kinder wiederfinden. In Sachsen-Anhalt ist Senta eine Besonderheit. Sie ist nur einer von ganz wenigen Mantrailern in privater Hand.

Nach einem Einsatz sitzt Annekatrin Beck gerne mit ihrer Familie und Hündin Senta im Garten. Doch sie weiß, dass ihr Pieper sie jederzeit wieder aus der Idylle reißen kann.

Nicole Franz
Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Über die Autorin Seit August 2019 ist Nicole Franz im Rahmen eines Praktikums beim MDR SACHSEN-ANHALT. Währenddessen hat sie vor allem die Beitragsserie zum "Gemeinwohlatlas" fürs Radio und für die Website umgesetzt. Gebürtig kommt Nicole Franz aus Würzburg, lebt aber seit zwei Jahren in Leipzig. Ihre ersten Erfahrungen in Sachsen-Anhalt gefallen ihr sehr gut: "Ich gehe gerne an der Elbe spazieren oder esse ein Eis in der Magdeburger Innenstadt". Durch ihre Beitragsserie konnte sie auch weitere Teile Sachsen-Anhalts kennenlernen, unter anderem den Harz, die Altmark und den Saalekreis.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 14. Oktober 2019 | 10:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Oktober 2019, 20:37 Uhr

1 Kommentar

Resi vor 4 Wochen

Schöner Artikel, der das Ehrenamt würdigt und auch den Spagat zwischen Familie, Beruf und Ehrenamt zeigt. Leider nicht genau recherchiert - es gibt tatsächlich mehrere Personenspürhunde (Mantrailer) in Sachsen-Anhalt in privater Hand, die einsatzfähig sind und auch von der Polizei angefordert werden. Z. B. als Spezialeinheit der Freiwilligen Feuerwehr.

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