Unterrichtsausfall Lehrermangel an Grundschule in Schlanstedt gelöst – aber nur vorerst

Lehrermangel und Unterrichtsausfälle – an der Grundschule in Schlanstedt bei Halberstadt sind diese Probleme besonders groß. Und weil das schon seit Jahren so geht und zuletzt sogar ein Großteil des Unterrichtsstoffs zu Hause erarbeitet werden sollte, protestierten die Eltern mit Briefen an Schulämter, Ministerien und Politiker. Und: Sie hatten Erfolg. Eine Lösung wurde gefunden, allerdings keine auf Dauer. Die Eltern bleiben skeptisch.

Grundschulproblem Schlanstedt
Die Grundschule in Schlanstedt. Hier fehlen Lehrer, bemängeln die Eltern der Kinder. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Schlanstedt ist ein kleiner Ort mit einer kleinen Grundschule. 87 Kinder lernen hier in vier Klassen. Johanna geht in die dritte Klasse. Sie gehe gern zur Schule, sagt ihre Mutter Katharina Witt, dorch der Lernspaß ihrer Tochter wird seit langem getrübt. Denn wenn Johanna aus der Schule kommt, berichtet sie oft von Unterrichtsausfällen und von neuen Lehrerinnen.  

Grundschulproblem Schlanstedt
Ein Ausschnitt aus einem Elternbrief in Schlanstedt. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Immer wieder würden die Lehrerinnen wechseln, beschwert sich die Mutter. Bereits kurz nach der Einschulung von Johanna habe das angefangen. Die erste Klassenlehrerin sei schwanger gewesen und habe nach drei Wochen vom Arzt Beschäftigungsverbot bekommen. Gleichzeitig fiel eine weitere Lehrerin aus. Klassenlehrerin Nummer zwei wurde aus dem Ruhestand geholt und blieb bis Schuljahresende der 1. Klasse. Die dritte Klassenlehrerin blieb nur zwei Monate. Danach hätten fast täglich die Lehrer gewechselt. Klassenlehrerin Nummer vier übernahm dann im zweiten Halbjahr des zweiten Schuljahres und fällt nun mitten auch aus.

Das alles führt auch zu Unterrichtsausfällen. Davon gibt es an der kleinen Schule besonders viele: Für 48 Schulstunden pro Woche sind keine Lehrer vorhanden. Johanna hätte zuletzt nur noch die Hälfte des Mathe- und Deutschunterrichts erhalten, schimpft ihre Mutter.

Nach den Weihnachtsferien war es so, dass die Kinder zwei Stunden Mathe und zwei Stunden Deutsch hatten, die jeweils anderen zwei Stunden sollten nach Anleitung zu Hause mit den Eltern erarbeitet werden.

Katharina Graubach, Elternvertreterin

Teilweise würden die Kinder zwei bis vier Stunden zusammen mit den Eltern den Stoff erarbeiten, ergänzt Katharina Witt, die betont, dass das Schulpersonal alles Mögliche versuche, um den Unterricht zu gewährleisten.

Grundschulproblem Schlanstedt
Die Turnhalle der Grundschule in Schlanstedt. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Diese Zustände wollten sich die Eltern schließlich nicht mehr gefallen lassen. Sie schickten mehrfach Protestbriefe an Behörden und Politiker. Wie es schien, vergebens. "Keinerlei Rückmeldung" habe es gegeben, sagt Elternvertreterin Katharina Graubach, die vor allem das Schulamt kritisiert.

Doch dann kam nach dem Ende der Winterferien eine für die Eltern unerwartete Reaktion. Drei Lehrerinnen aus dem Umland werden abgeordnet und übernehmen 42 der 48 Fehlstunden. Die Eltern freuen sich, dass ihre Proteste gewirkt haben, bleiben jedoch skeptisch.

"Anscheinend hat es Wirkung gezeigt", freut sich Katharina Graubach. Sie kritisiert gleichzeitig, dass nur eine vorübergehende Lösung gefunden worden sei. "Nach den Sommerfeien geht das dann wieder von vorn los", befürchtet sie. Katharina Witt kritisiert, dass die Aushilfslehrerinnen nun an ihren Heimatschulen fehlen. Sie bezeichnet die Lösung als Flickschusterei.

Wenn ich es benoten müsste, würde ich ein "ausreichend" geben. "Befriedigend" wäre es, wenn die Kinder endlich einmal bei einem Lehrer bleiben könnten.

Katharina Witt, Mutter von Johanna

Quelle: MDR/pow

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 21. Februar 2020 | 13:40 Uhr

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