Sondergenehmigungen Start ab 18. Mai: Nur etwa jede zehnte Harzer Gaststätte öffnet früher

Die Gaststätten konnten sich entscheiden, ob sie ab dem 22. Mai oder früher öffnen wollen. Der Großteil der Harzer Betriebe hat das spätere Datum gewählt. Das sind die aktuelle Situation und die Gründe der Gastronomen.

Einkaufsstraߟe mit Cafes in der Innenstadt von Wernigerode.
74 Harzer Restaurants öffnen bereits früher. 18 von ihnen sind in Wernigerode. Bildrechte: imago/Olaf Jentzsch

Das eigene Restaurant früher öffnen oder nicht? Vor dieser Frage standen insgesamt 750 Gastronomen aus dem Harz. Bis Freitagmittag konnten sie einen Antrag stellen, dass sie vor dem 22. Mai wieder starten wollen. 101 haben davon Gebrauch gemacht, 74 wurden genehmigt, heißt es von der Pressestelle des Landkreises Harz. "Wir wollten die Gastronomen dabei unterstützen, dass sie früher öffnen können, wenn sie wollen. Deshalb haben wir die Anträge vorbereitet", sagt Pressesprecher Manuel Slawig. Denis Loeffke, Bürgermeister der Stadt Ilsenburg, erklärte auf Anfrage, dass er und seine Harzer Bürgermeister-Kollegen diese Entscheidung des Landkreises gut finden. Der Vorteil des früheren Öffnens: Die Gaststätten können an Himmelfahrt (21. Mai) bereits Besucher empfangen. Dieser Feiertag ist für sie eine wichtige finanzielle Einnahmequelle.

Trotzdem haben sich nur etwa ein Zehntel der Gastronomen für die frühere Öffnung entschieden. Wieso? Sternekoch Robin Pietsch sieht die strengen Auflagen, die erfüllt und dann vom Gesundheitsamt geprüft werden müssen, als einen der Gründe. Sie seien außerdem unverständlich formuliert. "1,50 Meter Abstand – von wem? Von Gast zu Gast? Von Tisch zu Tisch? Wir wissen nicht, wo vorne und hinten ist. Wir kriegen keine vernünftigen Aussagen", sagt Pietsch MDR SACHSEN-ANHALT. Nur, weil die Restaurants wieder geöffnet werden dürfen, hieße das nicht, dass sie nicht vielleicht wieder schließen müssen. Oder die Auflagen nicht erfüllen können. Die Gefahr, auf einem vollen Lager sitzen zu bleiben, sei zu groß, so der Sternekoch.

Wo Restaurants früher öffnen – und wo nicht

Deshalb wird er seine Restaurants in Wernigerode nicht früher öffnen, sondern erst ab dem 22. Mai. "Nicht, weil ich es nicht nötig habe. Natürlich habe ich es nötig. Ich habe jetzt ein paar Monate nicht einen Cent Geld verdient", so Pietsch.

Sondergenehmigungen/Anträge des Landkreises Harz im Überblick
101 Gastronomen haben einen Antrag gestellt, früher zu öffnen. 74 dieser Anträge wurden laut der Pressestelle des Landkreises Harz genehmigt. Nicht in der Tabelle: 16 Anträge waren unvollständig, sieben werden noch bearbeitet. Bildrechte: Landkreis Harz

74 Harzer Gaststätten wollen bereits ab Montag öffnen. Die meisten von ihnen sind in Quedlinburg (20), Wernigerode (18) und Blankenburg (9). Dass 27 Anträge nicht genehmigt werden konnten, liegt daran, dass sie beispielsweise unvollständig waren oder die Restaurants die Auflagen nicht erfüllt haben, meint Franziska Banse von der Pressestelle des Landkreises.

Sie hat am Freitag die Ergebnisse zusammengetragen und ergänzt: "Wenn beispielsweise Unterlagen gefehlt haben, dürfen die Antragsteller sie bis Montag, 10 Uhr, nachmelden. Sollte damit dann alles in Ordnung sein, dürfen sie am 19. Mai öffnen." Welche Restaurants schon früher öffnen, dürfe der Landkreis Harz aus Datenschutzgründen nicht mitteilen.

Dehoga fordert Rettungsfonds

Kneipen, Bars und Diskotheken müssen weiterhin geschlossen bleiben. Wann sie wieder öffnen dürfen, ist aktuell unklar. Deshalb fordert der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Sachsen-Anhalt, dass sie in der nächsten Verordnung mit berücksichtigt würden.

Außerdem möchte er, dass es für die Gastronomie und Hotellerie einen Rettungsfonds mit Mitteln von Bund und Ländern gibt. Viele Unternehmen seien in ihrer Existenz bedroht, insbesondere die kleineren habe die Corona-Krise stark betroffen. Für den Verband zählen sie zu Sachsen-Anhalts Kulturgut und müssten deshalb auch finanziell gerettet werden.

Quelle: MDR/jd

6 Kommentare

wwdd vor 2 Wochen

Meine Frau wollte Ihr Geschäft wegen der zunehmenden Internetkonkurenz schliessen. Jetzt mit den Fördergeldern schafft Sie es etwas weiter Richtung Rente. Ach so, Rente gibt es aber auch nicht...

Grosser Klaus vor 2 Wochen

In Jena herrscht bei einem Restaurantbesuch für Gäste Registrierungspflicht.
Hier verstößt der FDP Oberbürgermeister der „Lichtstadt“ Jena Dr. Thomas Nitzsche bewusst gegen die Datenschutzgrundverordnung und gegen die aktuelle Verfügung des Landes Thüringen.
Den Gastronomen wird bei Außenbestuhlung nur die Hälfte der Sondernutzungsgebühr erlassen und dies auch nur bis September 2020.
Kein Wunder das Gewerbetreibende in die umliegenden Städte und Landkreise flüchten und so die Gewerbesteuereinnahmen sinken und es so seit August 2019 die dritte Haushaltssperre in Jena gibt.

nie wieder cdu vor 2 Wochen

Falscher Ansatz, alle lassen zu und warten bis der Müll mit den Vorschriften vorbei ist. Alle melden sich arbeitslos und gut ist es. Wer in eine Gaststätte geht und seine Daten auf einen Zettel schreibt ist selber Schuld. Währe doch viel lustiger wenn an einem Tag ca. 100 Gäste mit dem Namen Müller-Maier-Schulze und der Telefonnummer 4711 auftauchen.

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