Traditionsprodukt Harzer Käse kommt wieder aus dem Harz – nur heißt er nicht so

Wo Harzer Käse drauf steht, ist nur selten Käse, der tatsächlich aus dem Harz kommt, drin. Ein Westerhäuser will das nun ändern und so die lange Käsetradition des Harzes wiederbeleben.

Verkaufstresen in einem kleinen Laden
Peter Gropengießer verkauft in seinem Laden Käse aus dem Harz. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Harzer Stinker, Harzer Käser oder Harzkäse – es gibt verschiedene Namen, doch immer ist ein Sauermilchkäse gemeint, der lieblich schmeckt, würzig riecht und oft polarisiert. Aber ob man ihn nun mag oder nicht: So richtig echten Harzer Käse gibt es seit einigen Jahren nicht mehr. Denn was im Supermarkt als Harzer Käse verkauft wird, kommt nicht aus dem Harz, sondern in der Regel aus Sachsen.

Peter Gropengießer und seine Schwägerin Susanne Francke haben sich vorgenommen, das zu ändern und die Harzer Käsetradition im Harz wieder aufleben lassen. In ihrer Hofkäserei in Westerhausen produzieren sie wieder eine Köstlichkeit, die früher in jedem Dorf hergestellt wurde: Harzkäse

"Wollen Tradition bewahren"

"Das ist ein Sauermilchkäse. Der Quark dazu wird aus entrahmter Milch hergestellt. In den Magerquark kommen Kümmel und Schmelzsalz. Dann wird geformt und dann kann der Käse reifen", erzählt Peter Gropengießer. Zwei bis drei Tage ruht der Harzkäse nun. Erst dann wird er innen glasig und entwickelt seinen typischen würzigen Harzkäsegeruch. 

Dass dieser Geruch nicht jedermanns Sache ist, weiß Susanne Francke: "Ich esse ihn aber gern. Und geschichtlich gibt mir das schon was, diese Tradition weiterzureichen. Damit nicht komplett verloren geht, wie man das von Hand fertigen kann. Und damit die Leute das auch geschmacklich erleben können."

Die Milch für den Harzkäse liefern spezielle Kühe – das Harzer rote Höhenvieh – die der Biobauer nur mit Heu und Grünfutter aus dem Harz füttert. Nur wenn es richtig kalt ist, stehen die Kühe im Stall. Beim Höhenvieh handelt es sich um eine vom Aussterben bedrohte Nutztierrasse, die in letzter Zeit wieder verstärkt im Harz gehalten wird, erklärt Gropengießer.

Käseproduktion 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Magermilchkäse vom Harzer Höhenvieh

Mehr Harz kann im Käse eigentlich nicht drin stecken. "Das ist ein Magermilchkäse vom Harzer roten Höhenvieh", erzählt er lachend. Trotzdem traut sich Peter Gropengießer nicht, seinen Käse auch als "Harzkäse" zu verkaufen. Der Grund dafür: der Begriff ist zwar nicht geschützt. Aber die große "Milchindustrie hat den Namen für ihre Produkte mitgenommen", erklärt Gropengießer.

Mehr als zehn Jahre ist das jetzt her, obwohl der Harzkäse im Harz auf eine jahrhundertelange Tradition zurückblickt. Ob Gropengießer den Begriff irgendwann wieder nutzen kann, ist nicht abzusehen. Den fertigen Harzer Käse und seine rund 20 anderen Käsesorten verkauft Peter Gropengießer auf den Wochenmärkten in Halle und Quedlinburg oder auch direkt im eigenen Hofladen.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 09. Januar 2020 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Januar 2020, 16:32 Uhr

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