Vorsorgliche Quarantäne Vom Homeoffice im Harz in die USA

Julia Heundorf
Bildrechte: MDR/Kevin Poweska

Robert Klosinski aus Berßel im Landkreis Harz ist Dozent für Deutsch – in den USA. Von dort war er gerade auf Heimatbesuch, als Präsident Donald Trump am 12. März das Einreiseverbot aus Europa in die Vereinigten Staaten verkündete. Wie Homeoffice funktioniert, sogar über den Atlantik hinweg, hat MDR SACHSEN-ANHALT ihn gefragt.

Mann in kariertem Hemd schreibt am Küchentisch auf seinem Laptop.
Zum Arbeiten braucht Robert Klosinski nur seinen Computer. Bildrechte: Robert Klosinski

Seit Montag sind in Sachsen-Anhalt Kitas und Schulen geschlossen, viele Veranstaltungen im Land wurden abgesagt oder verlegt. Menschen werden weltweit aufgerufen, soziale Kontakte zu meiden, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Viele Unternehmen schicken ihre Mitarbeiter ins Homeoffice, Universitäten stellen den Lehrbetrieb vor Ort ein.

Auch die Penn State-Universität in den USA, an der der gebürtige Sachsen-Anhalter Robert Klosinski als Deutschlehrer arbeitet und seine Doktorarbeit schreibt. Deshalb arbeitet er nun per Videochat und E-Mail – aus einem Dorf im Landkreis Harz, in dem man kaum Mobilfunknetz hat.

Ticket in die USA dreimal umgebucht

Über die Spring Break, also die Frühlingsferien, kam Robert Klosinski nach Deutschland. Am 1. März 2020 landete sein Flugzeug in Hannover, weil er zwei Tage später an einer Konferenz in Hamburg teilnahm. Dann ging es weiter ins Harzvorland, um die Familie zu besuchen.

Der Rückflug für den 13. März war gebucht, doch zwei Tage früher kam die Information seines Arbeitgebers: Bis 3. April wird es keine Kurse vor Ort geben. Alles wird von zu Hause gemacht. Robert Klosinski beschließt, in Berßel zu bleiben. Neuer Flugtermin: 18. April. Dann kündigt die amerikanische Regierung an, dass die Einreise aus Europa vorerst ausgesetzt wird. Der Berßeler bucht noch einmal um: Sein aktuelles Ticket ist für den 25. April.

Lieber im Harz bleiben

Mann in kariertem Hemd im Garten vor einem Haus
Robert Klosinski macht aus seinem Elternhaus seinen Job in den USA. Bildrechte: Robert Klosinski

Gäbe es das Coronavirus nicht, wäre Robert Klosinski seit Tagen wieder in den USA. Da er sowieso nicht auf den Campus darf, sagt er: "Was soll ich in Amerika, wo es kein Gesundheitssystem gibt?" Hierzubleiben hatte ihm deshalb auch ein befreundeter Arzt in den USA geraten, der früher in Deutschland gearbeitet hat.

Berßel ist ein Dorf. Es gibt wenig Leute und viel Natur. "Hier kann ich sicher auf den Sportplatz gehen", sagt er. Das wäre in seiner Stadt State College nicht möglich. Die Stadt habe 40.000 Einwohner. Auch wenn er dort in den Park gehe, seien immer noch viele Menschen da.

Außerdem seien auch die Familie und die Freunde vor Ort wichtig: "Es ist nicht das Schlechteste, bei so einer Krise bei der Familie zu sein." Am Montag habe er beispielsweise nach der Mittagspause noch mit seinen Nichten gespielt. An seiner Entscheidung, im Harz zu bleiben, zweifelt er gar nicht:

Wenn ich sehe, dass die Zahlen in Sachsen-Anhalt nur geringfügig hochgehen, im Landkreis Harz gar nicht, und in Pennsylvania schon, fühle ich mich nur bestätigt.

Robert Klosinski

Spätere Rückkehr in die USA

Dass er auch nach dem 30-tägigen Einreiseverbot nicht in die USA fliegen darf, befürchtet er nicht. Aber er sagt: "Ich glaube noch nicht daran, dass ich dieses Semester noch zurück fliegen werde." Spätestens zum nächsten Semester im August will er aber wieder an der Penn State sein.

Auch eine Forschungsreise nach Argentinien, geplant für Anfang Mai, werde wahrscheinlich ausfallen. Seine Doktorarbeit würde dadurch länger brauchen. In Argentinien wollte der Linguist jedoch vor allem ältere Menschen interviewen. Solange die Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus besteht, wolle er das vermeiden, um nicht die Gesundheit seiner Gesprächspartner zu riskieren.

Homeoffice über den Atlantik hinweg

In die Uni gehen, dürfte der Linguist sowieso nicht. Normalerweise würde er dreimal pro Woche Unterricht machen. Sein Kurs "Sprache und Verstehen" findet nun online statt. Robert Klosinski erklärt: "Es gibt einen Unterschied zwischen Online-Kursen und Unterricht von fern." Der Unterricht von fern soll nach Maßgabe der Uni kaum Unterschiede zum Präsenzunterricht zeigen.

Deshalb finden die Stunden live statt: Die Studierenden sitzen jeden Montag, Mittwoch und Freitag vormittags von 10:10 Uhr zehn bis 11 Uhr vorm Computer. Der Lehrer hingegen sitzt nachmittags ab 15:10 Uhr vorm Computer – denn es gibt fünf Stunden Zeitverschiebung. Am Montag hielt er das erste Seminar des Semesters. Er erzählt: "Nichts hat funktioniert." Die Technik, die er benutzt hatte, um den Unterricht per Videokonferenz und virtueller Tafel zu halten, hatte noch nicht wie gewünscht funktioniert. Robert Klosinski bleibt aber optimistisch: Das Problem würde sich klären lassen.

Julia Heundorf
Bildrechte: MDR/Kevin Poweska

Über die Autorin Julia Heundorf arbeitet seit Februar 2020 für die Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT. Sie ist im Landkreis Harz aufgewachsen und hat ihren Bachelor in Halle und Bologna gemacht, den Master Medien, Kommunikation und Kultur in Frankfurt (Oder), Sofia und Nizza.

Nach Magdeburg kam sie für einen Job an der Uni. Zu ihren Lieblingsorten in Sachsen-Anhalt gehören die Dörfer westlich von Osterwieck, der Heinrich-Heine-Weg zum Brocken und das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle.

Quelle: MDR/jh

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