Blick auf Wernigerode von oben
1868 wurde der Harz-Verein in Wernigerode gegründet. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla

Geschichte und Altertumskunde Harz-Verein seit 150 Jahren aktiv

Der Harz-Verein für Geschichte und Altertumskunde wird am Sonntag 150 Jahre alt. Er wurde in Wernigerode gegründet und widmet sich der Aufarbeitung der umfangreichen Historie des Harzes. Davon profitieren auch die Bewohner und Besucher.

von Luise Kotulla, MDR SACHSEN-ANHALT

Blick auf Wernigerode von oben
1868 wurde der Harz-Verein in Wernigerode gegründet. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla

Es war am 15. April 1868, in einem unscheinbaren Haus in Wernigerode: Hier trafen sich die Gründungsmitglieder des Harzvereins und riefen den Harz-Verein für Geschichte und Altertumskunde ins Leben. Für das 19. Jahrhundert eine Sensation. Unter den Mitgliedern waren Graf Botho zu Stolberg-Wernigerode und auch der Baumeister des Wernigeröder Schlosses, Carl Frühling.

"Es war eine Besonderheit, dass sich geschichtsinteressierte Laien, aber auch studierte Historiker, zusammenfanden, um den Harz für sich als eine gemeinsame Heimatregion geschichtlich zu erschließen", sagte Buchautor und Geschichtslehrer Steffen Wendlik MDR SACHSEN-ANHALT.

Kultur und Geschichte des Harzes erforschen

Christian Juranek
Christian Juranek ist seit 18 Jahren Geschäftsführer des Harz-Vereins. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla

Die Nachfolge der Gründer haben 180 Mitglieder angetreten, die sich heute im Verein engagieren. Darunter sind viele ältere Herren, aber auch Studenten. Sie kommen aus dem ganzen Harz, manche sogar aus Berlin, Hamburg, Sachsen oder Baden-Württemberg. "Der Harz ist einfach faszinierend", schwärmt der ehrenamtliche Vorsitzende des Harz-Vereins Christian Juranek.

Der 54-Jährige steht auf dem Schlossvorplatz in Wernigerode und blickt auf den Ort und die bewaldeten Hänge am Fuße des Brockens. Er stammt aus Bad Harzburg in Niedersachsen und ist seit etwa 25 Jahren Vereinsmitglied. "Wenn Sie an Städte wie Quedlinburg, Wernigerode, Goslar oder Nordhausen denken, dann sind das Orte, an denen sich unendlich viel Geschichte, aber auch Kultur widerspiegelt", sagte Juranek MDR SACHSEN-ANHALT. Beides wollen die Mitglieder des Harz-Vereins auch heute noch erforschen.  

Bücher in Bibliotheksschränken
In der Harzbücherei lagern zehntausende Werke rund um das Thema Harz. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla

Die Grundlagen wurden vor 150 Jahren gelegt – damals wurde der erste Band der Harz-Zeitschrift herausgegeben. Seitdem kam jedes Jahr ein Band dazu. Die Mitglieder legten auch eine Bibliothek an mit dem Ziel, alles zusammenzutragen, was es über den Harz zu lesen gibt. Heute sind in der Harzbücherei schon mehr als 30.000 Bücher und Hefte versammelt. Bibliotheksangestellte Steffi Hoyer zeigt Christian Juranek eine wertvolle Schenkung, die erst seit Kurzem in den Regalen steht: die "Mansfeldische Chronik" aus dem Jahr 1572. Juranek beugt sich lange über den Einband, studiert den Deckel, blättert interessiert in dem dicken, seltenen Buch.

Wernigerode Harzbücherei hütet historische Schätze

Buch mit einem historischen Männerporträt auf dem Umschlag
Er war Gründungsmitglied und erster Vorsitzender des Harz-Vereins: Graf Botho zu Stolberg-Wernigerode, ein zweitgeborener Adliger. Sein Biograph bezeichnet ihn als eine "Instanz" sowie als "Historiker seines Hauses". Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
Buch mit einem historischen Männerporträt auf dem Umschlag
Er war Gründungsmitglied und erster Vorsitzender des Harz-Vereins: Graf Botho zu Stolberg-Wernigerode, ein zweitgeborener Adliger. Sein Biograph bezeichnet ihn als eine "Instanz" sowie als "Historiker seines Hauses". Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
Steffen Wendlik
Steffen Wendlik ist eigentlich Geschichtslehrer in Osterwieck. Er ist der Autor des knapp 900 Seiten starken Buches. Im Hintergrund ist das Haus zu sehen, in dem der Harz-Verein vor 150 Jahren gegründet wurde. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
Ein Mann und eine Frau schauen gemeinsam in ein Buch
Seit Vereinsgründung 1868 erscheint jedes Jahr ein Band der Harz-Zeitschrift. Alle Bände können in der vom Verein gegründeten Harzbücherei eingesehen werden. Auch Vereinschef Christian Juranek vertieft sich gern in die Schätze der Bibliothek. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
Altes Buch in alter Schrift
Ein Neuzugang, wenn auch aus dem Jahr 1572: Die Chronik über die Geschichte der Grafschaft Mansfeld. Das wertvolle Buch wurde der Harzbücherei geschenkt. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
Ein Mann steht am Lossen-Denkmal
Der Harz-Verein hat sich auch dem Erhalt der Denkmale in der Region verschrieben. Hier das Lossen-Denkmal nahe Wernigerode, das an einen Geologen erinnert. Vom Sockel werden immer wieder Steine entwendet. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
Schloss Wernigerode
Wernigerode und der Harz-Verein sind untrennbar miteinander verbunden, denn hier wurden unter anderem Verein und Zeitschrift gegründet. Zu DDR-Zeiten existierte der Verein nur im Westharz, ist nun aber schon lange wieder in Wernigerode angekommen. Der Vereinssitz befindet sich im Schloss.

Quelle: MDR/ahr
Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
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Verein gibt Wissen an Interessierte weiter

Damit das Wissen nicht in den Regalen verstaubt, geben es die Mitglieder des Harz-Vereins an die Bewohner und Besucher weiter. Sie organisieren Exkursionen und Tagungen, kümmern sich außerdem um die Erhaltung der vielen Denkmale im Harz. "Der Verein lebt eigentlich vom Engagement und der Liebe zur Sache", so Juranek. Er ist neben seinem Ehrenamt Leiter des Wernigeröder Schlosses und beschäftigt sich tagtäglich mit Themen aus dem Harz. Und so weiß er, dass sein Verein trotz Archäologie-, Rechtsgeschichts- oder medizingeschichtlicher Arbeitsgruppe noch lange nicht alles in Erfahrung gebracht hat, was den Harz ausmacht. "Es ist ja eigentlich immer so, wenn man sich mit etwas intensiver beschäftigt", sagt er.

An Themen mangelt es auch in Zukunft nicht. Die Mitglieder wollen sich als nächstes einer Frage widmen, die so gut wie jeden in der Region betrifft: "Der Harz ist der Wasserspeicher für drei Bundesländer", so Juranek. "Und da gehört zum Beispiel auch dazu – was völlig ausgeblendet wird – dass viele der Talsperren im 2. Weltkrieg mit Zwangsarbeitern gebaut worden sind." Deshalb wolle man nun die Geschichte der Wasserversorgung aufarbeiten. 150 Jahre seit Bestehen des Vereins stehe zudem die Digitalisierung von Quellen und Nachlässen an, zudem die große Jubiläumstagung im Juni. "Ich hoffe natürlich, dass das Jubiläum eine größere Öffentlichkeit hervorruft", so Christian Juranek. Vielleicht kommen zu den 180 Mitgliedern dann noch ein paar dazu.

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Quelle: MDR/ahr

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 15. April 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. April 2018, 14:18 Uhr

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