Ein Jahr nach Hochwasser im Harz Keine Hilfe mehr für Flutopfer ohne Versicherung

Im Juli 2017 stieg an einigen Flüssen im Harz das Wasser über die Ufer. In den Häusern vieler Anwohner enstanden große Schäden – gegen die nicht alle versichert waren. Bislang wurden Flutopfer dennoch entschädigt. Damit ist nun Schluss.

Gasthof in Derenburg neben der Holtemme
Allein gelassen mit den Kosten: Bernd Wiedener hofft, dass es erstmal kein Hochwasser mehr gibt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

An das Hochwasser vor einem Jahr erinnert sich Bernd Wiedener noch genau. Damals stieg der Pegel der Holtemme in Derenburg wegen starker Regenfälle extrem an – und setzte auch Wiedeners Gasthof unter Wasser. Im Keller sind die Spuren noch heute zu sehen. Dort befindet sich auch der Heizungsraum, der im Juli 2017 ebenfalls voller Wasser stand.

Für den Derenburger entstand ein immenser Schaden: 10.000 Euro zahlte Wiedener allein für die Instandsetzung der Heizung. Warum er das selbst finanzierte? "Weil die Elementarversicherung sehr, sehr teuer ist – im fünfstelligen Bereich. Da können wir es auch gleich selber zahlen."

Keine Hilfe mehr vom Land

Bisher hatten Opfer von Naturkatastrophen auch ohne spezielle Versicherungen mit Unterstützung bei den Reparaturen rechnen können. Ihnen wurde bei Flut- oder Sturmschäden mit Geld aus Steuerkassen geholfen. Das werde zukünftig nicht mehr möglich sein, kündigte die Landesregierung bereits nach dem Hochwasser 2017 an. Damals sagte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU): "Dass Elementarschäden eintreten können, das weiß inzwischen jeder – und deswegen wird es in Zukunft keine individuellen Hilfen mehr geben können." Da sich für beinahe alle Grundstücke und Objekte im Land Elementarversicherungen abschließen ließen, habe das nun jeder selbst in der Hand.

Dass es für Nicht-Versicherte keine Hilfsgelder mehr geben soll, unterstützen die Versicherungen. Peter Ahlgrim von den ÖSA-Versicherungen sagte MDR SACHSEN-ANHALT, dass kaum nachzuvollziehen sei, warum einzelne versicherbare Schäden über Steuergelder gezahlt werden und andere nicht. "Warum sollten die benachteiligt werden, die sich selber versichert haben?", so Ahlgrim.

Je mehr Risiko, desto teurer

Wie teuer eine Versicherung gegen Sturm oder Hochwasser ist, hängt von der Lage des Grundstücks ab. Ein Haus mit einer Fläche von 120 Quadratmeter für 200.000 Euro wird beispielsweise in der Zone mit dem geringsten Risiko für 42 Euro pro Jahr versichert. In Zonen mit erhöhtem Risiko kostet das deutlich mehr – 93 Euro oder 144 Euro jährlich. Ob das eigene Haus in einer Gegend liegt, die besonders von Sturm oder Blitzschlag, Starkregen oder Hochwasser gefährdet ist, kann jeder Hausbesitzer online nachschauen.

Bernd Wiedener im Keller seines Gasthofes
Der Keller von Bernd Wiedener stand beim Hochwasser 2017 unter Wasser. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Gastwirt Wiedener würde beim nächsten Hochwasser keine Hilfsgelder mehr bekommen. Die Entscheidung der Landesregierung kritisiert er: "Persönlich ist das nicht schön, was sie machen. Wir brauchen die Hilfe. Denn ohne Hilfe geht's nicht." Ihm bleibt daher nur zu hoffen, dass die Holtemme nicht so bald wieder über die Ufer tritt.

Mehr zum Thema

Quelle: MDR/sp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 16. Juli 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Juli 2018, 11:09 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

18 Kommentare

16.07.2018 19:26 Ullrich 18

Das Beispiel in Artikel nennt einen Gastronomen. Ohne es genau zu wissen, würde ich davon ausgehen, das solche Versicherungen im gewerblichen Bereich teuer sind als im privat Bereich. Hier dürfte es in den meisten Fällen um einen Betrag unter 1000 Euro im Jahr gehen. Du hast aber Recht - entscheiden muss das jeder für sich selbst - die Rahmenbedingungen sind jedem bekannt.

16.07.2018 17:59 MD 17

16.07.2018 17:00 Ullrich 16 , Naja wir werden sehen wenn es wieder soweit ist. Das nächste Hochwasser kommt gewiss. Für den Derenburger entstand ein immenser Schaden: 10.000 Euro zahlte Wiedener allein für die Instandsetzung der Heizung. Warum er das selbst finanzierte? "Weil die Elementarversicherung sehr, sehr teuer ist – im fünfstelligen Bereich. Da können wir es auch gleich selber zahlen." Ja und viele andere können sich das schlichtweg auch nicht leisten. Na dann.

16.07.2018 17:00 Ullrich 16

@MD
Ich teile das nur sehr eingeschränkt. Versiegelung von Flächen, Verbrauch von Ressourcen und der Klimawandel sind halt Mensch gemacht. Außerdem wird sich die Versicherung für Gebiete, die nur sehr selten betroffen sind in Grenzen halten und diese Versicherung kann wirklich von jedem verlangt werden. Die Landesregierung hat sich ja auch nichts gesagt wir helfen nicht mehr, sondern eine völlig nachvollziehbare Voraussetzung definiert.