Marcus Weise, Bürgermeister Harzgerode
Marcus Weise wünscht sich in der Politik mehr junge Leute. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Harzgerode Jung-Bürgermeister fordert Generationswechsel in der Politik

Marcus Weise ist 31 Jahre alt, in der CDU und seit drei Jahren Bürgermeister von Harzgerode. Dort konnten die Christdemokraten bei der Wahl – anders als im Landestrend – kräftig zulegen. Nach Weises Worten sind noch mehr Jüngere gefragt. Die Politik brauche einen Personalwechsel, in Bund und Land.

Marcus Weise, Bürgermeister Harzgerode
Marcus Weise wünscht sich in der Politik mehr junge Leute. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Bürgermeister der Stadt Harzgerode im Landkreis Harz, Marcus Weise (CDU), hat sich für einen Generationswechsel in der Politik ausgesprochen. Er sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Ich bin der Meinung, wir müssen generell in der Politik einen Personalwechsel herbeiführen, insbesondere in Bund und Land." Hier seien vor allem die Jüngeren gefragt. "Wir haben es, glaube ich, vergessen, Politik für die Menschen zu machen und auch mal zu fragen, was bewegt denn den kleinen Mann vor Ort." In den vergangenen Jahren seien in der CDU einige Fehler gemacht worden. Viel zu oft würden unnötige Debatten um Randthemen geführt, die keinen interessieren, so der 31-jährige Weise.

Wir müssen bereit sein, den Menschen zuzuhören, ob den jüngeren oder den älteren. Und ich glaube, das ist in den letzten Jahren vielleicht nicht unbedingt passiert.

Marcus Weise (CDU), Bürgermeister von Harzgerode

Auch die Regierungsbündnisse müssten überdacht werden. "Man muss sich auch mal als CDU die Frage stellen, muss ich in eine Koalition gehen? Weil ich in einer Koalition immer Kompromisse machen muss. Das bedeutet, dass ich viel von meinen Zielen aufgeben muss zugunsten eines Koalitionspartners. Irgendwann gibt es dann quasi das Parteiprogramm der CDU nicht mehr."

So alt ist die 9. Landesregierung Sachsen-Anhalts • Reiner Haseloff (CDU), Ministerpräsident: 65
• Petra Grimm-Benne (SPD), Sozialministerin (u.a.): 57
• Claudia Dalbert (Grüne), Umweltministerin (u.a.): 64
• Rainer Robra (CDU), Kulturminister (u.a.): 67
• Holger Stahlknecht (CDU), Innenminister (u.a.): 54
• Anne-Marie Keding (CDU), Justizministerin (u.a.): 53
• André Schröder (CDU), Finanzminister: 50
• Marco Tullner (CDU), Bildungsminister: 50
• Armin Willingmann (SPD), Wirtschaftsminister (u.a.): 56
• Thomas Webel (CDU), Verkehrsminister (u.a.): 64

Durchschnittsalter der Landesregierung: 58 Jahre.

Nachholbedarf im Netz

Zum Youtuber Rezo, der in einem millionenfach geklickten Video die CDU kritisiert hatte, sagte Weise: "Ja, das ist seine Meinung und ich glaube, die sollte man auch einfach akzeptieren. Ich denke einfach, dass er größer gemacht wurde, als er eigentlich ist."

Marcus Weise, Bürgermeister von Harzgerode, sitzt während einer Gesprächsrunde in einem Radiostudio.
Marcus Weise sieht Youtube und Co. als Chance – nicht als Gefahr. Bildrechte: MDR/Gaby Conrad

Den Umgang mit den sozialen Medien hätte seine Partei teilweise verschlafen. "Die Bedeutung der sozialen Medien hat in den letzten fünf Jahren dramatisch zugenommen. Es ist falsch, das jetzt zu verdammen oder eine Zensurdebatte zu führen. Unsere Mitglieder müssen sich stärker in die Plattformen einbringen und dürfen nicht der AfD das Feld überlassen" so Weise.

Weise hat bei der Kreistagswahl am Sonntag in seinem Wahlkreis 45,12 Prozent der abgegebenen Stimmen geholt. Die CDU holte bei der Wahl insgesamt 53,88 Prozent – mehr als doppelt so viel wie im landesweiten Ergebnis (24,6 Prozent). Weise wurde mit 28 Jahren zum Bürgermeister gewählt.

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Quelle: MDR/ap

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 31. Mai 2019 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. Mai 2019, 11:09 Uhr

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4 Kommentare

01.06.2019 14:21 Maik Drucks 4

Vielen Dank Herr Weise,
besser kann man es nicht auf den Punkt bringen. Viele sehen das so , im ganzen Land.

31.05.2019 19:24 Kalle Wupdig 3

Wie jetzt! 31? 1988 geboren, also richtig die DDR-Zeit mitbekommen. Und gedient? Und für sich selbst sprechend: " Jung-Bürgermeister fordert Generationswechsel in der Politik."

Hoppla, er selbst: "Dass ich den Weg zur CDU fand, „lag einfach am nächsten“, sagt er und verweist auf Freundschaften zu Christdemokraten und seinen, sich in der Partei engagierenden Großvater."

Ja, so einfach ist es in unserer Zeit.

Ist er Christ? Geht jeden Sonntag zur Kirche und warum nutzt er, wenn er an Gott glaubt nicht die Möglichkeit, sich weiterzubilden?

Ja, richtig! Die Partei, die Partei, die hat immer Recht.

31.05.2019 17:26 Hans Frieder Leistner 2

Herrn Weise Glückwunsch und Anerkennung. Er hat die wichtigste Eigenschaft zum Erfolg genannt. Man muß auch zuhören können. Fragt die Alten nach ihrer Lebenserfahrung und die Jungen nach ihren sprühenden Ideen. So kann eine gute Mischung von Politik zum Wohle der Bürger entstehen.

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